„Ernst und Heinrich“ alias Ernst Mantel und Heiner Reiff bringen mit fantasievollen Wortschöpfungen zum Abschluss von „Nagold Alive“ ihr Publikum im Hof der Seminarturnhalle zum Lachen.
Endlich – bei der letzten Aufführung von „Nagold Alive“ im Posthof – spielte das Wetter strahlend mit. Oft waren die vorherigen Vorstellungen mit Regen garniert, aber bei „Ernst und Heinrich“ mit ihrem Programm „Nex verkomme lasse“ saßen die knapp 150 Gäste in Sommerkleidung und konnten den schönen Abend in vollen Zügen genießen.
Aber nicht nur das Wetter machte gute Laune – auch das Programm. Und deswegen waren die Leute ja gekommen. Und was für ein Programm haben Ernst Mantel und Heiner Reiff geliefert. Jedes Mal, wenn sie auf der Bühne stehen (weit mehr als 1400 Mal) erfrischen sie mit ihrer Spielfreude.
Ernst ist dabei meist der fantasievolle Wortschöpfer
Das Besondere an ihrem Programm ist, dass alle Lieder selbst erfunden, gedichtet und produziert werden. Ernst ist dabei meist der fantasievolle Wortschöpfer, Heinrich eher der Musiker und Techniker, und zusammen sind sie eine wirklich gelungene Kombination. Wortspiele gingen hin und her, zum großen Vergnügen der Zuhörenden.
Außerhalb Baden-Württembergs treten sie eher selten auf, nehmen sie doch besonders die schwäbischen Eigenschaften in breitem Schwäbisch aufs Korn. Bei diesen Eigenschaften rangiert an oberster Stelle der vermeintliche Geiz. Mit „Schätz mal, was i zahlt han“ besangen sie die Pfennigfuchserei, allerdings muss man alles haben (elles muss mer hau). Gleichzeitig gibt es Rat, wenn man von dem dauernden „schätz mal, was i zahlt han“ genervt ist: man sagt einfach „Schätz mal, was i schätzt han!“
Beim Thema blieben sie auch mit „Nex verkomme lasse“, dabei klatschte das Publikum jetzt im Takt mit. Und wenn der schwäbische Mann das Sammeln und Aufheben von ausrangiertem Zeug übertreibt, kann es soweit kommen, dass seine Frau samt Kindern das Haus verlassen muss – aus Platzgründen.
Das Publikum amüsierte sich über das „Suuch, suuch, suuch“-Lied
Dass der Mensch ein Suchender ist, wissen wir alle. Das Publikum amüsierte sich über das „Suuch, suuch, suuch“-Lied, vor allem beim Suchen der Socken nach Geruch!
Life-Style kam auch nicht zu kurz: „I gehör ja leider zu sellen, die no nachts was essen wellen“, das treibt einen zu Fast Food-Quellen mit einem großen M, wobei das Manko ist, dass es bislang noch keinen McLeberkäs gibt. Das Paradies wäre auch ein McSchwartemagen und ein McTellersulz. Da kamen die Herren richtig ins Schwärmen.
Weitere Life-Style Lieder waren: „I bin Blogger, i muss blogge, logger vom Hogger“. Beim „putze, putze, putze“ muss ein Putzroboterle her, um dann doch lieber mit dem Roboterle gemeinsam zu putzen. Und Umräumen macht man heute nicht nur so, sondern mit Feng Shui. So beschreibt es das Lied „Schätzle, wir räumen unsere Mebel um“.
Wichtiges muss aber wichtig bleiben. Der richtige Mann gehört am Samstag in den Baumarkt, „wo elle Männer send“. Stressfrei, wenn er seine Frau vorher beim Garten-Dehner abgibt.
Ein schöner Abend mit richtig guter Musik wurde von Zugaben mit Verkleidung gekrönt. Herrlich, wenn zwei ältere Frauen über das Knoschpen von Knöterich und Knabenkraut sinnieren unter dem Motto: „Knoschpst oder knoschpst ette“. Nah diesem Sinnieren musste die eine gehen, um Teig für Knödel zu kneten aus Knäckebrot und Knoblauch.
Die letzte Zugabe war ein fetziger Rap mit der frustrierenden Erkenntnis vieler Jugendlicher: „doch ihr fragt mich nicht.“