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Nagold Alexander Watson ist Rettungshelfer aus Leidenschaft

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Bei Alexander Watsons Einsätzen ein Muss: der Notfallrucksack, ausgestattet mit einem Stethoskop, einem Larynxtubus, einem Defibrillator und vielem mehr. Foto: Fritsch

Nagold - Jeden Augenblick kann sein Melder, den er stets bei sich trägt, klingeln: am frühen Morgen, zur Mittagszeit, am späten Abend oder mitten in der Nacht. Rund um die Uhr ist Alexander Watson einsatzbereit. Und klingelt der Melder, macht er sich sofort auf den Weg.

Sekunden später kommt sie ihm entgegengerannt. In ihren Armen ihr Baby. Völlig regungslos. Alexander Watson nimmt der Mutter den Säugling behutsam ab und legt ihn vorsichtig auf einen Tisch. Er überprüft zuerst die Atmung, dann den Puls. Beides da – "Gott sei Dank!", denkt sich der Rettungshelfer und will nun die geschlossenen Augen des reglosen Babys öffnen, um nach den Pupillen zu schauen. Vergeblich. Das erst sieben Wochen junge Baby öffnet seine Augen nicht, nachdem es zuvor gestürzt war.

Der 25-jährige Rettungshelfer wirft einen bangen Blick in seinen Notfallrucksack, der mit allerlei Gerät beladen ist. Verzweifelt bemerkt er, dass all die vielen, zum Teil lebensrettenden, Geräte, die er bei sich hat – die Blutdruckmanschette, die Sauerstoffflasche, die Sauerstoffmaske oder der Defibrillator – ihm bei diesem Einsatz wohl nicht weiterhelfen werden.

Und dann passiert es. Wie aus dem Nichts. Auf einen Schlag öffnet der Säugling seine Augen und fängt an zu schreien. "Das ist das beste, was jetzt passieren konnte", denkt sich Alexander Watson. Auch wenn er Babys sonst nur ungern schreien hört, fällt ihm in diesem Moment ein Stein vom Herzen, denn er weiß: "Ein schreiendes Baby ist ein gesundes Baby."

"Helfer vor Ort" leisten Hilfe bis der Rettungsdienst eintrifft

"In solchen Situationen, da rutscht einem das Herz schon ein Stockwerk tiefer", erzählt der ehrenamtliche Rettungshelfer rückblickend. Und wie in dieser Situation wird Alexander Watson bei seinen Einsätzen als "Helfer vor Ort" immer mitten ins Geschehen geworfen – so ähnlich wie jemand der Virginia Woolfs modernistischen Roman "Die Fahrt zum Leuchtturm" anliest. Die Erzählung beginnt in medias res, mit einer Antwort auf eine Frage, von der der Leser gar nicht weiß, dass sie gestellt wurde: "Morgen, ja – natürlich nur, wenn schönes Wetter ist", lautet der erste berühmte Satz des Romans.

Es ist die Gleichzeitigkeit, es ist das Durcheinander, es ist das Unvorhersehbare und doch Gesehene, was die Einsätze des Rettungshelfers prägt. Zeit zum Vorbereiten, die hat Alexander Watson im Vorfeld seiner Einsätze nicht. Sobald sein Melder klingelt, muss er sofort los und auf kürzestem Weg zum Unfallort fahren. Dabei zählt jede Sekunde.

"Die Hilfsfrist soll aus notfallmedizinischen Gründen möglichst nicht mehr als zehn, höchstens fünfzehn Minuten betragen", lautet zwar eine Vorschrift im baden-württembergischen Rettungsdienstgesetz. "Das schafft der Regelrettungsdienst aber leider nicht immer", bemerkt der 25-jährige Rettungshelfer.

Umso wichtiger ist es, dass Rettungshelfer wie Alexander Watson die Zeit bis zum Eintreffen qualifizierter medizinischer Hilfe überbrücken können. "Helfer vor Ort" ersetzen zwar nicht den Regelrettungsdienst, können aber, da sie in aller Regel zeitlich gesehen vor dem Krankenwagen am Notfallort eintreffen, lebensrettende Maßnahmen durchführen.

"Helfer vor Ort" zu sein, das ist zwar eine Sache. Die Aufgaben eines Rettungshelfers sind allerdings weitaus vielfältiger. Auch im Sanitätsdienst ist Alexander Watson als Rettungshelfer tätig. Bei Veranstaltungen größerer und kleinerer Art – bei Umzügen, Festen, aber auch bei Vernissagen – ist er im Einsatz und versorgt als Sanitäter Menschen, die Hilfe benötigen.

Dabei reicht die Bandbreite der Einsätze von der Versorgung von kleineren Verletzungen, bei denen die Verletzten einfach nur ein kleines Pflaster benötigen über Herz-Kreislauf-Probleme bis zu Herzinfarkten und Schlaganfällen. "Es passiert immer mal was", bemerkt Alexander Watson und fügt hinzu: "Man kann sich auch nicht wirklich vorbereiten. Anfangs ist das schon etwas gewöhnungsbedürftig."

Schnelleinsatzgruppe und Blutspendedienst als weitere Aufgabenfelder

Zuweilen kann es auch vorkommen, dass Alexander Watson als Mitglied einer Schnelleinsatzgruppe gebraucht wird. Schnelleinsatzgruppen können bei größeren Brandeinsätzen, Verkehrsunfällen oder bei Evakuierungen zur Übernahme und Versorgung von Verletzten oder Betroffenen sowie zur Sicherung der Einsatzkräfte alarmiert werden. Darüber hinaus können Rettungsdienste eine Schnelleinsatzgruppe im Rahmen eines Massenanfalls von Verletzten oder bei Großschadenslagen einsetzen.

Alexander Watsons viertes und letztes Tätigkeitsfeld als Rettungshelfer: der Blutspendedienst. Mal betreut er die Blutspender bei deren Anmeldung, mal passt er auf die Spender während der Blutentnahme auf, mal betreut er die Spender von der Liege zum Ruheraum, und mal passt er auf sie im Ruheraum auf – je nachdem wo und wie er eben gebraucht wird.

Weiterbildung zum Rettungssanitäter wohl der nächste Schritt

Zwar läuft und klettert der gebürtige Herrenberger in seiner Freizeit auch gerne. Sein ehrenamtliches Engagement beim DRK Ortsverein Nagold/Wildberg und bei der Gültlinger Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Wildberg beschreibt er aber als sein größtes Hobby. Richtig gelesen, Alexander Watson betreut gleich zwei ehrenamtliche Stellen – und das auch gerne, denn das ehrenamtliche Engagement beim DRK und bei der Freiwilligen Feuerwehr ist für ihn ein so selbstverständliches Hobby "wie für andere das Fußballspielen".

Doch damit nicht genug. Im Sommer will der ausgebildete Groß- und Außenhandelskaufmann noch eine Schippe drauflegen und sich zum Rettungssanitäter weiterqualifizieren. Dafür muss er neben einer schriftlichen und mündlichen Prüfung auch eine praktische Prüfung ablegen. Für die Teilnahme an diesen Prüfungen dürfte der derzeitige Student im Sommer wohl auch die notwendige Zeit haben, da er sein Bachelor-Studium in "International Business" an der Hochschule Pforzheim voraussichtlich im Mai abgeschlossen haben wird.

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