Hochkarätige Ausstellung beleuchtet mit wertvollen Exponaten das Mittelalter im Kreis Calw´.
Nagold - Solche Schätze der Archäologie hat man in Nagold noch nicht gesehen. Wenige Tage vor der Eröffnung der Ausstellung "Alamannen am Schwarzwaldrand" trudelt im Steinhaus ein Prachtstück nach dem anderen ein.
Archäologen, Historiker, Restauratoren – im Steinhaus geben sich derzeit die Fachleute die Klinke in die Hand. Gleich mehrere bedeutende Museen haben sich bereit erklärt, Leihgaben für die Nagolder Ausstellung bereit zu stellen – darunter auch die großen Landesmuseen. Rund 300 Exponate wird die Ausstellung im Steinhaus umfassen. "So eine hochkarätige Ausstellung hatten wir noch nie in Nagold", sagt Museumsleiterin Herma Klar. Ab diesen Sonntag bis zum 11. September wird das frühmittelalterliche Leben am Schwarzwaldrand näher beleuchtet – mit dem Schwerpunkt auf den regionalen Funden zum Beispiel in Nagold, Gültlingen, Stammheim, Hirsau, Möttlingen und Gechingen.
Prächtig und in allen erdenklichen Farben schimmern die Ketten
Welch herausragende Bedeutung der Ausstellung zukommt, sieht man auch daran, dass sie sich über alle drei Etagen des Steinhauses erstreckt. Kuratorin ist Alamannen-Fachfrau Dorothee Ade von der Firma Archäo, die sich auf die Gestaltung von historischen Ausstellungen und Museen spezialisiert hat.
An diesem Vormittag sind der Archäologe Günther Wieland und die Restauratorin Lucie Selb vom Referat Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Karlsruhe im Steinhaus zu Gast. Im Gepäch haben sie die herausragenden Funde, die man in den 70er- und 90er Jahren in Calw-Stammheim auf einem Gräberfeld, das etwa 200 Gräber umfasst, gemacht hat. Prächtig und in allen erdenklichen Farben schimmern die Ketten, Armketten und Fibeln. Schwerter und verschiedene kunstvoll gestaltete Gürtelschnallen stehen für die kriegerische Seite der alamannischen Grabfunde. "Die Funde aus Stammheim sind zum ersten Mal ausgestellt", freut sich Wieland. Daran hat auch Restauratorin Lucie Selb großen Anteil. Sie begutachtete, welche Stücke in welchem Zustand die Reise nach Nagold antreten können. Und sie restaurierte und verstärkte in den vergangenen Monaten auch noch einmal jene Exemplare, die für die Ausstellung in Nagold vorgesehen sind.
Und doch, bei aller Herrlichkeit der Stammheimer Funde, sie werden an diesem Tag noch getoppt. Eine große Kiste wird angeliefert. Darin befinden sich – fachgerecht sowie extrem sicher und weich verpackt – die wertvollsten und bekanntesten alamannischen Funde aus der Region, die auch im Landesmuseum Stuttgart einen festen Platz haben: die Grabfunde des alamannischen Herrschers aus Gültlingen bei Wildberg. Es hat schon fast sakralen Charakter, wie Dorothee Ade den blattvergoldeten Kriegerhelm aus der weichen Verpackung holt. Nicht minder beeindruckend ist das Schwert mit goldenem Griff. Was für eine Pracht. Was für eine Macht mag dieser frühmittelalterliche Herrscher einst ausgebübt haben – manche reden gar von einem alamannischen Kleinkönig.
Dass die Gültlinger Funde nach Nagold ausgeliehen werden, ist alles andere als selbstverständlich. "So eine Ausstellung funktioniert nur bei einem guten Netzwerk von unterschiedlichen Beteiligten", ist Kulturamtsleiterin Dorothee Must überzeugt. Das gilt auch für ein weiteres herausragendes Stück: 1225 Jahre ist es her, dass die Urkunde mit Nagolds Ersterwähnung das letzte Mal hier war – damals nämlich bei ihrer Unterzeichnung in "villa nagaltuna". Das Stiftsarchiv St. Gallen war erstmals bereit, das wertvolle Schriftstück nach Nagold auszuleihen. Am Freitag soll die Urkunde ankommen – vom Stiftsarchivar persönlich wird sie gebracht. Ein zentraler Ehrenplatz ist ihr in der Ausstellung sicher. Schließlich steht die Urkunde auch für die berühmtesten Persönlichkeiten aus der Nagolder Geschichte, Graf Gerold II, seine Mutter Imma und seine Schwester Hildegard, der Ehefrau von Karl dem Großen.