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Nagold AfD tritt bei Wahl zum Stadtrat an

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"Sachpolitik statt Spinnereien" versprechen (von links) Norbert Richter, Günther Schöttle und Thomas Klostermann. Foto: Buckenmaier

Nagold - Die AfD fuhr bei der Bundestagswahl 2017 in Nagold das zweitstärkste Ergebnis aller Parteien ein. Eine Steilvorlage für die Kommunalwahlen? Mischt die Alternative für Deutschland nun auch im Nagoldtal – wie im Bund – die Parteienlandschaft auf? Günther Schöttle, Sprecher des AfD-Kreisverbandes Calw-Freudenstadt, hat diese Fragen in gewohnter Tonart beantwortet: "Wir wollen ein bisschen Leben in die Bude bringen."

Norbert Richter (71) sitzt hinterm Schreibtisch in der erst seit wenigen Monaten existierenden AfD-Geschäftsstelle in Iselshausen. An der Tür prangt ein Poster von Alice Weidel: "Hol Dir Dein Land zurück!". Richter, zum Geschäftsstellenleiter ernannt, kam 1989 aus der DDR in den Westen. "Nach den Konflikten mit der Stasi", so hoffte er damals, "wird jetzt alles gut". Doch stattdessen laufe es in Deutschland "in die falsche Richtung", findet er. Deswegen ist er in die AfD eingetreten. Genauso wie Ortlind Einenkel, die mit ihrem Mann Günter (82) im AfD-Büro mitarbeitet. Sie kämpft "für die Enkel", für eine andere Bildungspolitik, "gegen die Indoktrination in Kindergärten und Schulen". Ihr Ehemann folgte zwar nicht ihrem Beispiel und trat wie sie der Partei bei, aber er ist, wie er sagt, "froh, dass sich eine Opposition etabliert hat, hinter der man stehen kann".

Im Gegensatz zu Norbert Richter will das Ehepaar aber nicht auf die örtliche Kandidatenliste der AfD. Und dabei könnte man Mitstreiter gut gebrauchen. Während die im Nagolder Gemeinderat vertretenen Parteien voraussichtlich alle mit voller Mannschaftsstärke, also 26 Bewerbern, antreten werden, wird die AfD voraussichtlich nur eine Handvoll Kandidaten aufbieten können. Günther Schöttle glaubt die Ursachen dafür zu kennen: Die "Hetzkampagne des Schwarzwälder Boten" habe hier Wirkung gezeigt, die "öffentliche Verunglimpfung" seiner Partei habe potenzielle Kandidaten abgeschreckt: "Viele haben Angst, dass ihre Autos kaputt gemacht oder ihre Häuser beschmiert werden." Ortlind Einenkel stört sich an der Formulierung und will das Wort "Angst" lieber durch "Sorge" ersetzt wissen. Denn: "Angst haben wir nicht. Sonst wären wir nicht hier."

Günther Schöttle erzählt von vielen Staatsdienern, Polizisten, staatlichen Bediensteten und Soldaten, die der AfD nahe stünden, aber "Angst vor Repressalien" hätten, wenn sie auf einer Kandidatenliste der Gauland-Truppe auftauchen würden. Genauso wie ein Arzt, der laut Ortlind Einenkel im Falle einer Kandidatur "seine Praxis gefährdet sah" und versprochen haben soll: "Wenn ich in Rente bin, dann ja." Schöttle sieht mit Blick auf den gesellschaftlichen Umgang mit AfD-Sympathisanten die Meinungsfreiheit im Land "sehr eingeschränkt". Während es den "kleinen Handwerker weniger juckt", müssten in Großkonzernen Mitarbeiter eine Gängelung fürchten: "Und zwar nicht zu knapp."

Und überhaupt, findet Geschäftsstellenleiter Richter, was sei schon dabei, wenn in einer Arztpraxis die "Junge Freiheit" ausliege? Es handelt sich um ein rechtsgerichtetes Blatt, das wegen seiner Inhalte jahrelang unter Beobachtung von Verfassungsschützern stand. "Oberschlaue Gymnasiallehrer", so Richter, hätten sich doch tatsächlich über die ausliegende Wochenzeitung mokiert. "Was ist nur mit unserem Volk los?", fragt sich der 71-Jährige kopfschüttelnd.

Dabei würde, betont Sprecher Schöttle, im Kreisvorstand jedes neue Mitglied penibel auf seine Gesinnung hin überprüft. Islamisten, Salafisten und auch ehemalige Mitglieder der NPD wären gemäß Statuten unvereinbar mit einer Aufnahme in die AfD.

Mittlerweile hat sich auch Rodolfo Panetta zu der Runde gesellt. Der Horber Stadtrat von der Unabhängigen Liste war früher bei den Republikanern. Jetzt will er konvertieren: Noch sei er zwar kein Mitglied, sagt er, wenn die AfD es ihm jedoch "anbietet, würde ich für den Kreistag kandidieren". Rund um den Schreibtisch mit der blauen AfD-Tischfahne regt sich kein Widerspruch.

Wer in Nagold für den Stadtrat antrete, will man noch nicht preisgeben: "Wir wollen die Leute schützen", sagt Schöttle. Tritt denn Schöttle an? Der 63-Jährige gehörte selbst fast 20 Jahre der CDU an und galt lange als deren großzügiger Förderer. Er schrieb früher seitenlange Briefe an Kanzlerin Merkel, dann trat er aus der CDU aus und 2013 in die AfD ein. Noch ziemt er sich, seine Kandidatur öffentlich zu machen: "Ich sag noch gar nichts. Aber tendenziell gegen den Rat meiner Frau."

Nominiert werden die Kandidaten in Nagold am 8. März. Auf welchen schärferen Tonfall sich das Nagolder Stadtparlament im Falle eines AfD-Einzugs einstellen muss, dafür liefert Günther Schöttle beim Gespräch mit unserer Zeitung einen kleinen Vorgeschmack. Dass SPD-Fraktionschef Daniel Steinrode jüngst äußerte, mit der AfD nicht zusammenarbeiten zu wollen, bringt den 63-Jährigen in Rage: "Wenn ich so etwas höre, muss ich doch fragen, wo der dahergeschwommen ist. Das zeigt doch einen gewissen Grad an Verblendung."

Für Schöttle ist es an der Zeit, dass in Nagold – und er bezieht sich dabei bewusst auf die bevorstehende Schließung des Gertrud-Teufel-Altenheimes – die Bürgervertreter nicht mehr nur "zu Abnickern degradiert werden. Da muss dringend ein Riegel vorgeschoben werden."

Seine Partei will im Kommunalwahlkampf mit Themen punkten, die erst vor wenigen Tagen bei einer Klausur des Kreisvorstandes mit mehr als 40 Teilnehmern in Altensteig festgelegt wurden: voran Bürgerbeteiligung, Wolf, Energie, Bildung, Gesundheit, bezahlbarer Wohnraum. Dabei wolle man, wenn AfD-Kandidaten in die Kommunalparlamente einziehen sollen, "nicht in Frontalopposition gegen alles vorgehen", betont Schöttle, denn: "Das funktioniert nicht."

Was man von seiner Partei dann erwarten könne? Schöttle überlegt nicht lange: "Sachpolitik statt Spinnereien".

Ihre Redaktion vor Ort Nagold

Heiko Hofmann

Fax: 07452 837333

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