Nagerkot, Schaben, Schimmel und Dreck – die Protokolle der Ortenauer Lebensmittelüberwachung sind nichts für zartbesaitete Mägen. In den vergangenen Monaten klopfte die Behörde Gastronomen und Co. mehrfach auf die Finger und griff auch hart durch.
Damit die Ortenauer ruhigen Gewissens einkaufen und essen gehen können, hat die Lebensmittelüberwachung des Landratsamts Gaststätten, Metzgereien, Bäckereien und den Einzelhandel im Blick.
Dabei stoßen die Kontrolleure unter den Betrieben auch immer wieder auf schwarze Schafe. Ein Blick in die offiziell im Netz veröffentlichten Ergebnisse der Kontrollen fällt alles andere als appetitlich aus.
Nager tummeln sich auf Arbeitsplatten: Ein Problem mit Mäusen oder gar Ratten hatte ein Restaurant in bester Schwarzwaldlage in Oppenau. „Im Betrieb wurden an verschiedenen Stellen Schadnagerkot festgestellt“, heißt es im Protokoll. Die Hinterlassenschaften der Tiere sollen sich auch auf den Arbeitsplatten befunden haben.
An mehreren Stellen im Betrieb stellten die Kontrolleure Nagergift und entsprechende Fallen fest. In der Küche und im Keller wurde Brot für Paniermehl in Müllsäcken aufbewahrt. Zudem waren ein Milchkühler sowie die Kaffeemaschine verschmutzt.
„Die Grundreinigung der Betriebsräume wurde noch vor Ort angeordnet“, ist dem Protokoll zu entnehmen. Auch sollten die Betreiber den Nagern den Gar ausmachen. Bei einem weiteren Besuch Mitte Juni waren die Mängel beseitigt, ein Schädlingsbekämpfer war hinzugezogen worden.
Das großes Krabbeln in der Backstube: So tummelten sich in einer Kehler Bäckerei beim Besuch der Kontrolleure Anfang des Jahres offenbar Insekten: „In der gesamten Betriebsstätte wurden Schaben festgestellt“, heißt es im im Februar offiziell veröffentlichten Protokoll. Vor allem der „Gärraum“ und der Bereich der Abpackung waren betroffen.
Damit nicht genug: An der Teigmaschine trat aufgrund eines Defektes am Knethaken Schmiermittel aus. Teigportionierer und Fülltrichter seien zudem „stark altverschmutzt“ gewesen. Die Kontrolleure zogen die Notbremse: „Die Produktion wurde noch vor Ort untersagt“, heißt es im Protokoll.
Eine Grundreinigung der gesamten Betriebsstätte wurde angeordnet, die Lebensmittel mussten entsorgt werden. Bei der Nachkontrolle Anfang Februar waren die Mängel laut Protokoll beseitigt und Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung eingeleitet. Die Produktion wurde wieder gestattet.
Keine Möglichkeit zum Händewaschen: Auch einer Pizzeria in Achern untersagten die Kontrolleure im Februar Produktion und Speisenausgabe. „Die gesamte Betriebsstätte befand sich in einem unhygienischen Zustand“, so das Urteil der Behörde. Die ganze Fensterfront sei von schwarzem Schimmel befallen.
Der Anstrich der Fenster blätterte zudem ab, in unmittelbarer Nähe davon wurden offene Lebensmittel gelagert. „Im Kühlschrank befanden sich offen gelagerte Karottenstifte, an denen sich Schimmel befand“, so das Protokoll. An ein „hygienisches Reinigen der Hände“ war nicht zu denken.
Mittel zum Waschen und Trocknen der Hände waren nicht vorhanden. „Das vorhandene Waschbecken samt Halterungen und Papieraufhängung waren sehr unsauber“, heißt es weiter. Ob eine Nachkontrolle stattfand, ist dem Protokoll nicht zu entnehmen. Es ist davon auszugehen, dass der Pizzeria der Betrieb weiterhin untersagt ist.
Ein Farbroller als Küchenutensil benutzt: „Zum Befeuchten von Teig wurde eine Sprühflasche benutzt, in der sich zuvor Glasreiniger befand“, hielten die Kontrolleure nach dem Besuch einer weiteren Kehler Bäckerei Ende Februar fest. Zum Tränken von Baklava wurde zudem ein handelsüblicher Farbroller aus dem Malerbedarf genutzt.
Mehrere Gerätschaften und Ausrüstungsgegenstände mit Lebensmittelkontakt wie Ausrollmaschine, verschiedene Messer und Backpaletten waren stark verschmutzt. Die Kontrolleure ordneten die Beseitigung der Mängel an. Bei einer Nachkontrolle Ende April war alles wieder in Ordnung.
Nicht das erste mal bemängelt: Bei einem italienischen Restaurant in Appenweier waren die Kontrolleure offenbar nicht das erste mal fündig geworden. „Die Teigmaschine war erneut im Inneren und im unteren Bereich der Werkzeugaufnahme altverschmutzt“, heißt es dazu im Ende April veröffentlichten Protokoll.
Mehrere Schneidebretter waren ebenfalls – erneut – verschmutzt und dunkel verfärbt. „Durch die festgestellten Verschmutzungen waren Lebensmittel der Gefahr der nachteiligen Beeinflussung ausgesetzt“, so das Urteil der Lebensmittelüberwachung. Der Anweisung, alles auf Vordermann zu bringen, kamen die Betreiber bis zu einer Nachkontrolle nach.
Protokolle sind öffentlich
Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung im Landratsamt ist zuständig für die Kontrolle von Lebensmittel verarbeitenden Betrieben im Kreis. Dazu gehören etwa Gaststätten, Metzgereien, Bäckereien und der Einzelhandel. Immer wieder stoßen die Kontrolleure dabei auf Hygienemängel, die auch Konsequenzen nach sich ziehen. Die können vom behördlichen „auf die Finger klopfen“ bis hin zur Anordnung, den Betrieb vorübergehend zu schließen, reichen. Die Informationen über solche Beanstandungen muss die Behörde für die Verbraucher einsehbar im Netz veröffentlichen. Bürger finden die Ergebnisse von Kontrollen der amtlichen Lebensmittelüberwachung in der Ortenau inklusive der betroffenen Betriebe auf der Webseite verbraucherinfo-bw.de/,Lde/Startseite/Lebensmittelkontrolle/Ortenaukreis.