Dem Wunsch vom eigenen NAG-Kennzeichen ist man in Nagold einen großen Schritt näher gekommen. Foto: Onidji/Jürgen Fälchle-stock.adobe.com/Montage Helber

NAG statt CW: Nagold ist auf dem besten Weg, sein eigenes Kfz-Kennzeichen zu bekommen. Oberbürgermeister Jürgen Großmann ist überzeugt: Die größte Hürde ist schon genommen.

In Nagold träumt man von einem eigenen Auto-Kennzeichen. Und dieser Traum könnte schon bald Wirklichkeit werden.

 

Können Nagolder Bürger also bald wählen zwischen einem NAG und einem CW auf ihrem Kennzeichen? Die Chancen dafür sind in den vergangenen Tagen massiv gestiegen. Denn das Projekt ist im Bund angekommen. Und von dort gibt es Rückenwind.

Zugegeben, es ist nicht allein der Nagolder Wunsch nach einem eigenen Kennzeichen, der jetzt in Berlin wahrgenommen wurde. Von rund 320 Städten im ganzen Bundesgebiet berichtet Nagolds OB, die von der so genannten „Kennzeichenliberalisierung“ profitieren würden.

Bereits 2024 unterstützte Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann die Kennzeichenliberalisierung. Damals wurd noch NA statt CW favorisiert, heute tendiert man zu NAG. Foto: Glanzmann

Das Ziel: Städten ab einer Größe von 20 000 Einwohnern soll ermöglicht werden, dass sie auf Wunsch ein eigenes Kfz-Kennzeichen bekommen. Anfang März hat nun der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, genau für dieses Anliegen der Kommunen die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.

Hessen brachte die Initiative in den Bundesrat ein

„Hessen hat die Initiative in den Bundesrat eingebracht“, erörtert Nagolds OB. Doch er freue sich, dass ebenso Baden-Württemberg dieser Initiative zugestimmt habe. Großmann dazu: „Auch Verkehrsminister Hermann hat seine Unterstützung schon öffentlich erklärt.“

Auf Nachfrage stimmt Nagolds OB der Einschätzung zu, dass dies die größte Hürde für das Projekt gewesen sei. Nun ist das Verkehrsministerium des Bundes zuständig, die neue Regelung in eine Rechtsverordnung zu gießen.

„Das ist nur eine Rechtsverordnung, das könnte also flott gehen“

Zum Zeithorizont macht Großmann deutlich: „Das ist nur eine Rechtsverordnung, das könnte also flott gehen, noch in diesem Jahr.“ Nagold jedenfalls forciere seine Bemühungen und werde auch aktiv auf die Abgeordneten des Bundes, Mack und Esken, zugehen. Großmann: „Wir arbeiten da auf allen politischen Ebenen dran!“

Dass so ein eigenes Nagold-Kennzeichen nachgefragt wird, daran hegt Großmann keine Zweifel. „Die Nagolder würden das Kennzeichen sofort annehmen“, ist er überzeugt. Ein NAG-Kennzeichen, das sieht er als Durchbruch, und es würde perfekt das Marketingkonzept der Stadt komplettieren, an dem parallel derzeit gearbeitet werde.

„Wichtiges Stadtmarketinginstrument ohne jeglichen finanziellen Aufwand“

Marketing, das ist ein gutes Stichwort. Denn darum geht es in dem Anliegen der mittelgroßen Kommunen hauptsächlich. Und das Ganze ist sogar wissenschaftlich unterlegt.

So ging die Initiative für die eigenen Kennzeichen für rund 320 Städte in Deutschland auf eine Empfehlung des Heilbronner Professors Ralf Bochert zurück. Bochert ist Hochschullehrer für Volkswirtschaftslehre und Tourismusmanagement, und die Kennzeichenliberalisierung ist sein Forschungsprojekt. Einen der Gesichtspunkte seiner Forschungen und Forderungen umschreibt er auf der Homepage der Hochschule: „Durch die Projektidee bekommen 320 Städte und Gemeinden ein für sie wichtiges Stadtmarketinginstrument ohne jeglichen finanziellen Aufwand: Die Kfz-Ortskennung ist das wichtigste Symbol für die Marke (Name) einer Stadt. Es ist modernes Stadtmarketing.“

„Die alte Regelung ist einfach nicht mehr zeitgemäß“

Ende des Jahres 2024 fasste auch Nagolds Gemeinderat einstimmig den Grundsatzbeschluss, dass sich die Stadt um die Einführung des Nagold-Kennzeichens bemühen soll. Demnach erhofft man sich von einem eigenen NAG-Kennzeichen, die „Identifikation und Heimatverbundenheit der Bürger mit ihrer Stadt zu fördern“. Zudem gehe es darum, den Namen Nagold – beziehungsweise „die Marke Nagold“ – noch stärker nach außen zu kommunizieren.

„Die alte Regelung ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, machte jetzt Nagolds OB im Gespräch mit der Redaktion deutlich. Ein eigenes Kennzeichen sei ein gutes Mittel für Stadtmarketing und Tourismuswerbung, das zudem Identifikation mit der Heimat schaffe.

Der Aufwand für die Einführung eines NAG-Kennzeichens ist für die Stadt, aber auch für die Bürger selbst, gering. Denn keiner soll zu dem neuen Kennzeichen gezwungen werden. Käme die neue Rechtsverordnung, so hätten die Nagolder lediglich die Wahl zwischen CW und – wahrscheinlich – NAG. Eine Verpflichtung, das bisherige CW-Kennzeichen tauschen zu müssen, ist nicht vorgesehen.