Allerbeste Stimmung im Zigeuner-Stüble im unteren Talheim Foto: Peter Morlok

Das Team vom „Begegnungscafé“ sorgte für einen heiteren Nachmittag, und im Zunftstüble der „Zigeuner“ ging es ebenfalls lustig zu.

Im vereinigten Narrenreich „Dahla“ herrscht am „Schmotziga“ närrische Ausnahmestimmung, und gleich an zwei Hot-Spots des Frohsinns feierten am Donnerstagnachmittag die Senioren des Ortes ihre ganz eigene Fasnet. Es war Halligalli im Steinachtal.

 

Auf der oberen Seite des Tales lud das Team vom „Begegnungscafé“, die erfahrenen Fasnetsbutzen zu einem lustigen, heiteren Nachmittag ein und auf der gegenüberliegenden Talseite steppte im Vereinsheim der Narrenzunft nicht nur der Bär, sondern die „Zigeuner“ brannten ein regelrechtes Feuerwerk des Frohsinns ab.

Beste Bewirtung

Bei beiden Veranstaltungen gab es bemerkenswerte Parallelen. Beiden Lokale waren, trotz Grippewelle, sehr gut besucht, überall wurden die Gäste aufs Allerbeste bewirtet, und überall herrschte ausgelassene Stimmung. So kamen die Talheimer Senioren auch in diesem Jahr wieder in den Genuss, sich aussuchen zu können, wo sie feiern wollten. Der Weg war nicht das Problem, zumal die „Zigeuner“ wieder ihren Hol- und Bringdienst anboten. Glückseliges Talheim, denn wo bekommen die Senioren schon so viel Aufmerksamkeit?

Im Oberen Talheim kümmerten sich das Team des „Begegnungscafés“ zusammen mit Vereinsvorstand Gerhard Straub um das Wohl ihrer Gäste. Sie gossen so manches Viertele oder Pils in die Gläser, und besonders lecker schienen die Fasnetsküchle zu sein, denn die meisten Teller mit dem kalorienreichen Fettgebäck waren ratzeputz leer. Frustessen aus Langeweile kann nicht der Grund für diesen Zustand gewesen sein, denn das Programm war bunt und kurzweilig.

Schunkeln ist angesagt

Zwischen den Sketchen und Darbietungen wurde immer mal wieder von den Musikanten Traugott Aysenfrey (Ziehorgel) und Winfried Ehrreiser (Gitarre) eine Schunkelrunde eingeschoben, so dass es keinen Leerlauf im Programm gab. Ein Highlight war sicher der Gute-Laune-Song, bei dem jeder mitmachen konnte. Karl Armbruster hatte wieder einen seiner berühmten Sketche parat, und der Auftritt der Brechaloch-Hexen mit Hexentanz und 30-Jahre-Überraschungs-Showeinlage war auch nicht ohne.

Die echte Überraschung war jedoch der Auftritt der „Fortuna“ Talheim, die bislang immer nur bei den „Zigeunern“ aufgetreten ist. „Heute feiert ein vereintes Dahla Fasnet“, so der begeisterte Kommentar von einer der Organisatorinnen.

Tolles Programm

Drüben auf der anderen Talseite, im unteren Talheim, zeigten Akteure der Narrenzunft „Zigeuner“ was sie unter guter Unterhaltung verstehen.

Unterhaltungs-Genie Martin Stanger hatte wieder ein Programm zusammengestellt, mit dem die Narrenzunft auch jeden Brauchtumsabend locker hätten bestreiten können.

Er selbst machte als Prof. Dr. Fleadrawisch eine närrische Visite bei den Senioren, die sich bei diesen Geschichten vor Lachen bogen und hinterher fast einen echten Doktor für ihr strapaziertes Zwerchfell brauchten. Für die musikalische Unterhaltung sorgte neben der „Fortuna“ Talheim, die schon nach zehn Minuten mit dem klangvollen Zaunpfahl „ein Prosit“ nach Bier winkten, auch der „lustigen Tastenquäler Ralf Maier“, der in diesem Jahr spontane Unterstützung von Uwe Schäfer bekam. Zusammen sorgten sie mit Quetschkommode und Lombalidla, die jeder im Raum mitsingen konnte, für allerbeste Stimmung.

Spannender Rückblick

Ob nach so viel Trallala die betagten Besucher dem Gejammer des Ortsrumstehers Anton Ade, der keine drei Stunden vorher von den Narren entmachtet worden war, und dem heiter-ironischen Jahresrückblick der „Zigeuner“ noch richtig zuhörten, ist nicht ganz gesichert, doch spannend war es allemal, was Stephan Bastian, der zweite Vorstand der Untertalheimer Narrenzunft und Ade aus dem Jahr 2025 hinübertransportierten und mit den aktuellen Geschehnissen im Tal anreicherten.

Im Endergebnis war’s aber egal. Bastian nahm zusammen mit Narrenchef Kalli Lang den fiktiven Rathausschlüssel voller Freude an sich und versprach mit viel Spaß an der Sach‘ die nächsten sechs Tage alle Narren aus dem Steinachtal auf den richtigen Weg zu führen.

Jahres-Missgeschicke

Bei der Rathausstürmung am Vormittag und bei der Seniorenfasnet im Zigeunerstüble ist es guter Brauch, dass die Narren und der Ortsvorsteher ihren Senf zum Jahresgeschehen in gereimter Form dazugeben.

Top-Aufreger 2025 war bekanntlich der Funkmast: „Es war einmal ein alter Mast, den du oberhalb des Sportplatzes gesehen hast. Doch eines Tages war es dann so weit, der Mast isch uff d’r Boda na keit. Mer kennt moina, es war an Sturm der ihn zu Boden zwang, aber noi – geplant war des Ganze echt scho lang. Plötzlich war das Netz in Talheim tot, was nur noch Leere auf dem Handy bot. Voll kein Empfang im ganzen Tal – man uns einfach den Mobilfunk stahl.

Mit einem Boykottaufruf, dafür nicht zu bezahlen, und der Forderung nach freiem WLAN im ganzen Tal halten die Narren dagegen.

Auch das Thema Windenergie und der damit verbundene Verlust von Waldflächen war eine Betrachtung wert. Komisch fanden die Narren jedoch: „Jeden Tag neue Flyer uff onserm Disch, ond aus was wean den bitte Flyer g’macht? Aus Bäume – klar, dass i ned lach!“

Knödelhausen lässt grüßen

Auch das „Knödelfest“ des Musikverein Obertalheim fand Platz in diesem Jahresrückblick, und der Vorschlag, Talheim ab sofort in Knödelhausen und die Philharmoniker in Knödel-Kapelle umzubenennen, hat schon was für sich. OB-Wahl und anstehende Landtagswahl wurden ebenso aufs Korn genommen, und am Ende der Geschichte stand fest: „In Richtung Fasnet richtet mir jetzt unsern Blick, damit mir vergessa kennad Krieg, Hass, Inflation – mir kämpfen mit guter Laune und Konfettikanonen.“

Ortsvorsteher Ade freute sich saumäßig, dass man den Narrenbaum im Ortszentrum des vereinten Talheim aufgestellt hat, musste aber dann doch in Angriffsmodus gehen. „Wenn i schau beim Schelta be, sag i au glei was zur Schmiererei, die mer jetzt im Flecka sieht, wo ein Dackel kräftig sprüht. I be sicher, des war an Talheimer, aber deam sei Hirn isch gwieß em Eimer.“ Ond s’nächste Thema isch no schlemmer – oder vielleicht au oafach dümmer: Zwei Zünfte habe mir em Flecka, ond es funktioniert net ums Verrecka. Weil – mr hot sich wohl entzweit. Ond letzt Johr hao i no extra was euch g’seit? Flieaget d’Fetza, wurds oam z’viel, weil s’ander scheint’s oam übel Spiel, braucht’s oft nau an guata Willa, om die Grabe aufzufülla. Doch des Jahr hoant ers wirlich g’schafft, dass dr Schultes nemme lacht. Was do jetzt em Blättle stand, raubt mir beinah da Verstand: Brechalochhexa send – ja heidenei – bei unserer Fasnet z’Tala s’erstmal et dabei.

Ortsvorsteher macht Pause

Ganz abgesehen von diesem Ärgernis ist Ade froh, sein Amt für ein paar Tage loszuwerden. „Mir hot dia Woch oaner gschrieba – i war da baff – so bled wia i sei und so schleacht wie i schaff, er tat bei mir dia unterst Schublad feststella, i sott mei Amt zur Verfügung stella. Des mach i jetzt: Kalli du bischt jetzt als Schuttes dra, a toller Job für an durstiga Narra-Ma.“ Sprach’s, nahm selbst einen Schluck, wünschte glückselige Fasnet und setzte sich an seinen Platz.