Volles Haus, starke Tänze und bissiger Riet-Tratsch: Der Rietball in Villingen begeisterte mit Nachwuchs, Musik und Pointen. Wer einmal da war, kommt wieder – Abo inklusive.
„Diese Art vo Fasnet wemmer ha“, sagten sich die Besucher des Rietballs; eine Stunde vor Programmberginn war der Schuppen im Münsterzentrum voll.
Der Einmarsch der „Granden“ unter den Klängen der Riet-Damenkapelle mit anschließendem launigen Begrüßungsentree als eigenem Programmteil sozusagen ein Warm-up. Der Kinderprolog (Theo Frei) deutete an, wohin die Reise geht. „Wenn des einmol gmacht häsch, buchsch e Abo für die nächschte Johre“, und lotste gekonnt mit seinem Opa (Peter Kerber), durch die närrischen Untiefen.
Programm füllt den Abend
Der Nachwuchs führte in das den Abend füllende Programm ein. Das Kinderballett mit einer wilden Dschungelparty und die Jugendlichen als Cheerleader, spätestens da war das Publikum auf Temperatur. Überhaupt, die Tanzgruppen brachten sich choreographisch, sportlich und optisch optimal ins Geschehen ein. Dazu gehörten auch die grazilen Meerjungfrauen des Damenballetts, das Butzeselballett von der Butzeselgruppe 4, sowie die Rietkrähenfüße (Männerballett), wo Beach Boys mit Baywatch eine Symbiose eingingen.
Die Vita vom Romäus gaben die Barden „4 Romäus“ zum Besten. Romäus ist Einzahl, wenn es aber mehrere sind? Romäusse oder Romäuse, wie der Plural heißt, konnte nicht abschließend geklärt werden. Musikalische Strählrunden gab es von den Schrägen Vögeln Michael Storz, Barbara Stern und Stefan Kleyling. Stau-Tourismus der Landbewohner auf der Bertoldstraße – die kennen so etwas nicht. Wer als Mäschgerle zum Umzug geht und ohne Kragen oder das Auslöffeln der Mehlsuppe heimkommt, wird „versegglet“. Aber wer in der Hochzeitsnacht den Gummi vergessen hat und die nächste Fasnet mit dem Kinderumzug am Schmotzige beginnt, dem wird gratuliert. Die Rietwiiber können musikalisch nicht nur Damenkapelle, sondern auch närrischen Chorgesang. Die zarte ausdrucksvolle Ballade von Rietbürgermeisters geknicktem Poller war unüberhörbar.
Riet-Tratsch gibt’s hier auch
Der Riet-Tratsch kam aus der Riet-Bolizeidirektion. Viele Falsch- und Nichtrichtig-Parker: Die Riesen-Karossen vom Rietbürgermeister passen einfach nicht auf das Plätzle vor seinem Häusle. OB Roth muss ins Exil wegen Amtsanmaßung, wurde inzidiert. Er schlug die Möglinshöhe als Rietvogelfestplatz vor und bezeichnete die Rietvögel als komische Federviecher. Pfusch am Bau (Tribüne am Romäusturm) wurde festgestellt. Die Bodenplatten zig Mal vermessen und immer noch zu klein und zu schwer.
Zwei stadtbekannte Einbrecher (Heinz Zimmermann und Raphael Rabe) schilderten wie einfach es ist, ins Franziskaner-Museum à la Louvre einzubrechen, nur mit Geißfuß und Narro-Streckschere. Niemand hat sie auf dem Weg ins Raritäten-Kabinett aufgehalten, sie hatten noch jede Menge Zeit, sich über städtische Kalamitäten zu unterhalten: „Glaubsch du, de Roth wird wiedergewählt? Wer will scho so en Job in Villingen freiwillig mache, bei so einem notorisch verstrittenen Gemeinderat...“
Nach dem Programm war vor dem Programm. Alleinunterhalter Helmut Doser aus dem Brigachtal sorgte für den passenden guten närrischen Ton, bevor in der Bar die Kellergeister ihr (Un)wesen trieben.