Unter dem Motto „Narren, Klang & Tradition – Kulturerbe schwäbisch-alemannische Fasnet“ ist in der alten Uhrmacherschule in Furtwangen eine Dokumentation zu sehen.
Aus Anlass der 75-jährigen Mitgliedschaft in der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), 100 Jahren Narrenzunft Furtwangen, 125 Jahren Narrenmarsch und dem großen Narrentreffen wird eine wertvolle Dokumentation in vier Räumen der ehemaligen Uhrmacherschule in der Baumannstraße 38 gezeigt.
Bis zum 23. Februar ist die Exposition donnerstags und freitags von 14 bis 19 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt auch für Nichtnarren zu sehen.
Am Montag war die Eröffnung für geladene Gäste in der evangelischen Kirche. Zünftig startete ein Ensemble der Stadtkapelle um Timo Hieske mit dem Narrenmarsch in den Abend. Pfarrer Markus Ockert hieß die Gäste launig willkommen. Und der bisherige Präsident der VSAN Roland Wehrle freute sich über die Gastfreundschaft mit „schön, dass wir hier sein dürfen“.
Neben zahlreichen Närrinnen und Narren konnte Bürgermeister Florian Merz seinen Vorgänger Josef Herdner, Freunde aus Hornberg, Villingen und dem Bad Dürrheimer Narrenschopf sowie ein Narren-Streich-Quintett begrüßen. Den Villingern dankte er für die Rückgabe einer Holztafel des Jahres 1951.
Stadtoberhaupt Merz freute sich auf das kommende Wochenende und lobte die Ausstellung, die „zeigt, wie Fasnet gelebt werden kann“. Ein Stück Tradition werde belegt.
Dank galt Ideengeber Roland Wehrle und seinen Mitwirkenden
Erfreut begrüßte Zunftmeister Dirk Friese die Besucher und bemerkte, dass eine lange Zeit angesprochen werde, das Brauchtum habe ein festes Zuhause erhalten. Die Geschichte von den Ursprüngen bis in aktuelle Tage sei nicht immer leicht gewesen, aber Kriege, gesellschaftliche Umbrüche oder wirtschaftliche Schwierigkeiten wurde durch den Gemeinschaftswillen überwunden. Frieses Dank galt Ideengeber Roland Wehrle und seinen Mitwirkenden, und er würdigte deren großartige Leistung.
Zum Schluss der Veranstaltung beglückwünschte Alexandra Bormann, Rektorin der Hochschule Furtwangen, die Narrenzunft und bekannte, dass sie an einem Rosenmontag in Määnz geboren wurde, somit Fasnacht als selbstverständlich erlebt habe und die hiesige Fasnet seitens der HFU begleite und die Räume gerne zur Verfügung stelle.
Roland Wehrle freute sich über die große Mithilfe von über 100 Frauen und Männern, allen voran Timo Hieske, Konrad Baier, Guido Nopper und Michael Colpi, die gedruckte Zeugnisse Furtwanger Fasnet-Geschichte erhielten.
Vom rheinischen Karneval und der alemannischen Fasnet
Geschichte
In einer Powerpoint-Präsentation bewies Roland Wehrle seine kompetenten, detaillierten und umfangreichen Kenntnisse der Fasnet. In vier Räumen mit Themenschwerpunkten „VSAN“, „Schwarzwaldlandschaft“, „Fasnet in Furtwangen“ und „Fasnet nach dem Weltkrieg und Musik“ werde rund 300 Jahre vielfältiger Geschichte lebendig. Historisch wichtig sei der Zeitraum zwischen Dreikönig und Aschermittwoch. Zwischenzeitlich hätten sich der rheinische Karneval und die alemannische Fasnet angenähert, um kulturelles Welterbe gemeinsam zu präsentieren. Obrigkeitliche Verbote und die Reformation konnten dem närrischen Treiben nicht schaden. Tradition hatte die Buure-Fasnet mit dem legendären „Hirsch-Mendig“. Einen ersten Beweis lieferte der Triberger Obervogt 1816, der polizeiliche Aufsicht für geordnete Verhältnisse einsetzte. Wie man vor 200 Jahren Fasnet feierte, ist nicht genau belegt. Nach 1848 war die Sehnsucht nach dem Treiben groß. Festumzüge kamen auf, prunkvolle Aufzüge folgten, Festspiele wurden aufgeführt, und Prinz Karneval zog auch in Furtwangen ein. Der Furtwanger Hansele hatte sein Vorbild in Villingen, und es gab sogar einen Häsverleih. Gepflegt wurden das „Strählen“ oder „Fegen“. Hexen und Strohmasken kamen auf. Einen Einschnitt brachte der Kulturkampf, aber ab 1911 gab es wieder gemeinsame Fasnet, die Straßenaktivitäten verlagerten sich in die Säle. In Wehrles Vortrag flocht Timo Hieske die Geschichte des Narrenmarsches mit dem „Trio Ri-Ra-Radio“ von Josef Schultis (1873 bis 1957) und des „Male-Walzers“ ein, mit denen Musik und Fasnet zusammen wuchsen. Eine überarbeitete Version wurde beim Neujahrskonzert geboten, und eine Streicher-Adaption ließen fünf kostümierte Musiker hören. Wehrle erinnerte an die Tradition des Hemdglunkerumzug, den die „Fallebengel“ bis in die 1960er-Jahre organisierten. Beide Weltkriege brachten zwar Zäsuren , aber der närrische Wille setzte sich durch. 1924 kam es zur Vereinigung von Zünften, die von Canstatt bis zum schweizerischen Willissau und von Endingen bis Wangen/Allgäu reichen. Die Nazis vereinnahmten die „Deutsche“ Fasnacht, die aber traditionell weiterexistiert und durch die Schnitzkunst Karl Riebers und seiner Familie gefördert wurde.