So muss Fasnet sein: Urwüchsig, ursprünglich und urgemütlich. Eben genau so wie an dem Tag, an dem die Lumpen der Narrenzunft „Jägi“ durch die Rangendinger Straßen und von Haus zu Haus ziehen.
Am Samstag war es wieder so weit, genau vor der Zunftscheune in der Ortsmitte wurde schon in aller Herrgottsfrüh, nämlich gegen 4.30 Uhr der Kessel eingeheizt, eine Stunde später war das Wasser heiß genug, um das Kesselfleisch hineinzuschmeißen und ordentlich durchkochen zu lassen. Außerdem gab’s Blut- und Leberwürste, Kartoffelbrei und Kraut. Für manchen Zeitgenossen ist das ein ordentliches Mittagessen, für die Jägi-Lumpen aber genau das richtige Frühstück, um mit einer guten Grundlage einen harten Arbeitstag anzugehen.
In Gruppen geht‘s nach der ersten Stärkung von Haustür zu Haustür. Schätzungsweise acht bis zehn Lumpen-Teams dürften am Samstag unterwegs gewesen sein, ganz genau vermochte das nicht mal Jägi-Zunftmeister Hansi Schilling zu sagen. Er ging von 40 bis 50 Lumpen aus, die unterwegs waren. Ihre Leiterwagen und Bauchläden sind voller „nützlicher und unnützer Sachen“. Zum Beispiel Wurstdosen (Lyoner, Schwarzwurst, Brät), kleinen Schnäpsle aber auch Vesperbrettle oder Bürsten in allen Varianten.
Ist das Verkaufsgeschäft erfolgreich abgeschlossen, wird natürlich mit einem Schnaps darauf angestoßen. Und wenn die Jägi-Narren von sich aus ein alkoholisches Kleingetränk einfordern, dann mit den unmissverständlichen Worten „s’isch kalt“. Wenn so viel Hochprozentiges im Spiel ist, ist es denn Narren gerade recht, dass sie in manchen Häusern zu einer stärkenden Zwischenmahlzeit eingeladen werden.
Ein Fasnetsbrauch mit jahrzehntealter Traditionn
Derweil kann die Bevölkerung bis in den frühen Nachmittag hinein zum Kesselfleischessen und zur Schlachtplatte in der Zunftscheune einkehren oder sich dort was für zuhause abholen. Viele nutzen dieses Angebot.
Am späteren Nachmittag ist dann auch das Lumpen-Geschäft beendet, sie kehren dann mit (hoffentlich) leer geräumten Bauchläden und Leiterwägle wieder zurück in die Scheune, wo Kassensturz gemacht wird.
Ein wunderbarer Rangendinger Fasnetsbrauch also. Und vor allem einer mit einer längeren Geschichte. Lumpen, so erinnert sich Hansi Schilling, zogen schon durch den Flecken, bevor die Fasnet noch vom Sportverein organisiert wurde und damit auch vor der Gründung der Jägi-Zunft 1993.