Die wilden Hexen (ehemals aus dem Gäu, heute aus Süddeutschland) machten am gestrigen Sonntag von ihrem Wahlrecht Gebrauch Foto: Feinler

„Bunt ist schöner als braun“, erklärten die wilden Hexen (ehemals aus dem Gäu) ihr Motto am Wahlsonntag vor dem Eutinger Wahllokal. Sie setzten ein besonderes Zeichen zur Bundestagswahl.

11 Uhr an der Treppe zwischen Rathaus und Kirche. Kerstin Heizmann freut sich, dass immer mehr Hexen, nach ihrem Gang zum Wahllokal im Rathaus, dazukommen. Dabei war die Wahl für die Eutingerin so anstrengend, wie selten eine davor: „Ich war noch nie so gespannt, wie dieses Jahr. Mal schauen, wie das Wahlergebnis ausfällt.“

 

Sie hatte zuvor den Wahl-O-Mat verwendet, um sich ein umfangreiches Bild zu machen. Trotzdem beschreibt sie die Wahl als eine besondere Herausforderung. „Bunt ist gut, aber zu bunt ist nichts. Die Dreier-Koalition hat gezeigt, dass es schwierig ist“, erklärt Heizmann. Umso wichtiger findet sie, dass viele Menschen wählen gehen. Als sie die Wahl vor dem Umzugsbesuch der wilden Hexen angesprochen hat, war die Gruppe gleich dafür.

Man muss nicht ganz nüchtern wählen

„Hexenmama“ Alexandra Landwehr recherchierte: „Man darf auch angetrunken wählen gehen, solange man nicht negativ auffällt und den Wahlhelfer in seinen Aufgaben stört.“ Die Eutingerin beschreibt, dass die wilden Hexen keine politische Bildung machen wollen, sondern einfach nur die Bürgerpflicht wahrnehmen.

Voller Stolz zählte sie die wahlberechtigten Hexen vor dem Eutinger Rathaus. Auch die jungen wilden Hexen, wie der 18-jährige Luca oder der 21-jährige Max nahmen an der Wahl-Aktion teil. „Wer nicht wählt, der darf auch nicht motzen“, betonte Max und ergänzte: „Wenn gewählt wurde, dann darf man sich beschweren.“

Zum Rathaus gekommen, um ein Zeichen zu setzen

Er habe sich über verschiedene Medien informiert und Artikel gelesen, um der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken. Wählen durfte er aber nicht im Eutinger Rathaus, sondern in einem anderen Wahlbezirk.

So ging es auch anderen wilden Hexen, sie kamen aber vor das Rathaus, um ein Zeichen zu setzen. Ein Teil der Gruppe gab bereits im anderen Wahllokal in Eutingen oder in ihrem Heimat-Wahllokal die Stimme ab. So auch Friedemann Nordt, der im Eutinger Oberdorf sein Wahllokal aufsuchte. „Ich bin froh, dass ich wählen darf“, beschreibt der Eutinger und fügt hinzu: „Das ist eine Verantwortung, die man hat und die spürt man heute ganz deutlich. Daher wollte ich diese auch wahrnehmen.“

„Heute ist meine Stimme sogar zweimal gefragt“

Lachend merkt er an, dass ihm das Wählen auf jeden Fall mehr Spaß mache, als Steuern zu zahlen – und das sei auch eine Pflicht. „Heute ist meine Stimme sogar zwei Mal gefragt“, beschreibt Friedemann Nordt, dass er wählen durfte und seine Stimme in diesen Zeitungsbericht aufgenommen wurde.

Ali Celik organisierte am Wahlsonntag das Gruppenfoto. „Ich find’s wichtig, dass alle wählen gehen. Es geht ihr um unsere Zukunft“, beschreibt das Geburtstagskind. Daher passte er auf seine zwei Jungs auf, während seine Frau Demet wählen ging. „Wen hast Du gewählt?“, hakte er bei seiner Frau nach und erhielt von Demet die Antwort: „Sag ich nicht.“ Immer wieder kamen die wilden Hexen mit Vorbeikommenden ins Gespräch. Ali Celik wurde mehrfach gedrückt und erhielt viele Glückwünsche, denn der Wahlsonntag war auch gleichzeitig sein Geburtstag.

Nach der Wahl geht es zum Umzug nach Dornstetten

Den feierte er mit seiner ganzen Familie und den wilden Hexen beim Umzug in Dornstetten. „Dieses Mal sind wir in der Umzugsmitte, irgendwas mit 30“, schaute Kerstin Heizmann auf ihr die Umzugsauflistung. Wegen der Wahlen sei dieses Mal alles anders und daher fuhren die wilden Hexen auch nicht mit den öffentlichen Verkehrsmittel, sondern in Fahrgemeinschaften mit dem Auto zum Umzug – im Hinterkopf der Gedanke, die Bürgerpflicht mit Spaß verbunden und dabei die Gemeinschaft gestärkt zu haben.