Katrin Lansky aus Balingen zeigt eine selbstgenähte Handtasche. Foto: Merk

Frauen aus ganz Deutschland treffen sich im Zollernalbkreis, um ihrer Leidenschaft fürs Nähen zu frönen – mit viel Herz, Humor und Kreativität.

Die Nähmaschinen stehen still. Statt des leisen Surrens lauschen die Besucherinnen im Endinger Zeitraum, welche Innovationen es im Bereich der Nadeltechnik gibt.

 

Die Damen verbindet eine große Leidenschaft – das Nähen. Nicht schwer zu erkennen, denn der Raum ist mit allem ausgestattet, was das Schneiderinnenherz begehrt: hochwertige Stoffe, Stecknadeln, Bügelstationen – und natürlich eindrucksvolle Nähmaschinen.

Katrin Lansky hat das diesjährige Treffen des Nährzirkels organisiert. Die Teilnehmerinnen kommen aus ganz Deutschland – von Lindau bis Usedom werden die Maschinen eingepackt, und eine Woche lang stehen sie kaum still. Genäht wird von morgens nach dem gemeinsamen Frühstück bis spät in die Nacht.

Ein Hobby, um das sich alles dreht

„Wir sind Stoffabhängige, die an der Nadel hängen“, sagt die aus Mannheim stammende Wahl-Balingerin mit einem Augenzwinkern. Für die meisten sei das Nähen ein Hobby, um das sich „fast alles“ dreht.

Umso mehr freue sie sich, ihren Nährzirkel in der traditionsreichen Textilregion des Zollernalbkreises begrüßen zu dürfen. Auch das Rahmenprogramm hat Lansky organisiert. Zwar habe der Anblick der Burg Hohenzollern alle begeistert, doch ein Ausflug in die bekannten Stoffläden der Umgebung war für viele verlockender als der Besuch der Burg.

Auch online wird gerattert und geschnattert

Seit fast zehn Jahren – mit pandemiebedingten Pausen – trifft sich die Gruppe einmal im Jahr. Der Kontakt reißt jedoch nie ab. Auch online verabreden sie sich regelmäßig sonntags zum gemeinsamen Nähen und Plaudern. „Wir haben es auch schon ‚rattern und schnattern‘ genannt“, erzählt Lansky lachend.

Die Gruppe hilft sich gegenseitig, wann immer Probleme auftauchen. „Wenn eine vor einem Problem steht, kann sie sich auf die Unterstützung der anderen verlassen“, erklärt Lansky.

Alle profitieren von dem gemeinsamen Erfahrungsschatz

Von dem reichen Erfahrungsschatz profitieren alle. Und wenn auch nicht sofort eine Lösung parat ist, weiß meist jemand, wo man Rat findet. Die Frauen kommen aus unterschiedlichen beruflichen und familiären Hintergründen – doch sie alle eint die Liebe zu schönen Stoffen.

„Wir nähen das, was uns selbst gefällt“, sagt Lansky. Dabei könne man individuelle Wünsche umsetzen, ohne Kompromisse bei Größe, Länge oder Farbe eingehen zu müssen. Wer jedoch glaubt, durch das Selbernähen Geld zu sparen, liegt falsch. Qualität hat ihren Preis – und die eigene Arbeitszeit rechnet hier niemand mit.

Nachhaltigkeit spielt eine Rolle

Auch Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. So entstehen aus alten Lederjacken und Jeans neue Taschen – individuell, praktisch und ganz nach Wunsch – und auf neudeutsch „Upcycling“ genannt. Zusätzliche Fächer oder ein angenähter Schlüsselanhänger sorgen für Funktionalität, und das Innenfutter verhindert, dass die Tasche zu einem „schwarzen Loch“ wird.

Die Planungen für das nächste Treffen laufen bereits. Vielleicht werden die großen Maschinen im kommenden Jahr an der Ostsee rattern. Und wie bei jedem Urlaub informiert sich schon jetzt jede Teilnehmerin, welche interessanten Stoffgeschäfte auf dem Weg liegen. Denn wer einmal an der Nadel hängt, den lässt diese Leidenschaft nicht mehr los.