In ihrer Näherei in Wessingen entstehen Kostüme für zahlreiche Zünfte aus der Region. Derzeit herrsche Hochbetrieb, teils müssten lange Wartezeiten in Kauf genommen werden. Denn: Schneidereien gebe es immer weniger.
Die fünfte Jahreszeit hat für Damenschneidemeisterin Bettina Pflumm schon vor einigen Wochen begonnen. In ihrer Näherei in Wessingen entstehen maßgefertigt neue Fasnets-Kostüme – und dies nicht nur für eine Zunft. „Schließlich soll keiner nackt dastehen, wenn Brauchtum und Tradition aufeinandertreffen“, sagt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht.
Pflumm kümmert sich sowohl um Neuanfertigungen als auch um Änderungen vorhandener Verkleidungen für die Fasnet. Derzeit ist sie mit vier neuen Kostümen für die einheimischen „Gempleswattern“ beschäftigt.
Diese müssen bis zur Narrentaufe am 18. Januar fertig sein. Zusätzliche Arbeit bereite das Anbringen einer Innentasche mit Reißverschluss für die Wertsachen.
Baumwolle ist deutlich teurer geworden
Herausfordernd sei es, wenn die Kunden erst knapp vor der Fasnet zu ihr kommen. Dann werde es knapp. Doch: Bettina Pflumm versteht ihre Handarbeit und lässt die Nähmaschine rattern, dennoch komme sie oftmals kaum den Aufträgen hinterher. „Ich kann nicht zaubern“ sagt die talentierte Näherin. Vielen Kunden musste sie auch schon absagen.
Immer mehr Schneidereien haben ihr Handwerk an den Nagel gehängt. Deshalb gebe es für die noch vorhandenen Nähereien das ganze Jahr viel zu tun. Außerdem müsse der benötigte Stoff eingekauft werden. Hier und da müsse man mit langen Wartezeiten rechnen. Hinzu komme, dass gerade der Baumwollstoff deutlich teurer geworden sei.
Für die „Hechinger Hofdamen“ findet Pflumm trotzdem weiterhin Zeit
Neben den Zünften, die Bettina Pflumm versorgt, nimmt sie sich auch der Original-Lumpenmusik-Hechingen an. Von einem Bekleidungshaus, für das sie ebenfalls Näharbeiten tätigt, besorge sie „ältere“ schwarze Anzüge, die abgeändert werden und dann von den Lumpen gerne abgenommen werden.
Trotz vieler investierter Nähstunden hat die gewandte Damenschneidermeisterin immer noch etwas Zeit für die „Hechinger Hofdamen“ übrig, denen sie selbst angehört. Für die beteiligten Frauen entwirft sie prachtvolle Kleider, die an einstige Zeiten am Hofe erinnern. Erst kürzlich waren sie auf der Titanic-Ausstellung in Ludwigsburg zu Gast und zuvor auf dem Kunstmarkt Mössingen oder der Tübinger Classic.