Frühchen kämpfen häufig mit gesundheitlichen Problemen und benötigen eine spezielle Betreuung. (Symbolfoto) Foto: Wanmongkhol - stock.adobe.com

An der Kinderklinik Freudenstadt werden pro Jahr 150 bis 170 Frühchen versorgt. Welche spezielle medizinische Betreuung die Babys bekommen und wie die Nähe zur Mutter gewahrt wird.

Rund 60 000 Babys kommen pro Jahr in Deutschland zu früh zur Welt. Das erklärt der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ anlässlich des Welt-Frühgeborenen-Tags, der am 17. November war. Viele kämpfen mit gesundheitlichen Problemen und benötigen eine spezielle medizinische Betreuung.

 

Zwischen 150 und 170 Neugeborene werden pro Jahr auf der neonatologischen und pädiatrischen Intensivstation im Freudenstädter Klinikum versorgt. Bei durchschnittlich 1000 Geburten am Klinikum ist das jedes sechste Neugeborene. Denn nicht nur Frühchen werden auf dieser besonderen Intensivstation betreut, sondern auch reif geborene Babys, die beispielsweise mit Infektionen zur Welt gekommen sind. Davon berichtet das Klinikum in einer Pressemitteilung.

„Wir versorgen Frühchen ab dem 7. Monat und ab 1500 Gramm Geburtsgewicht“, erklärt Oberärztin Ursula Pindur. Typische Probleme, mit denen die Babys auf die Intensivstation kommen, sind Atmungsschwierigkeiten und ähnliche postnatale Anpassungsstörungen.

Weit mehr als nur „Brutkästen“

Beim Thema Säuglingsintensivstation kommen dabei schnell Bilder von Inkubatoren, den sogenannten „Brutkästen“ in den Kopf. Für besonders fragile Fälle sind diese auch im Einsatz. Doch ansonsten sieht die Behandlung heute deutlich anders aus. „Wir kombinieren modernste Technik mit viel menschlicher Zuwendung“, beschreibt Ursula Pindur die Philosophie der Station. „Mutter und Kind sind wo immer möglich, zusammen.“

Mutter und Baby dürfen kuscheln

Für schwere Fälle, die im Inkubator beatmet werden müssen, steht beispielsweise ein spezieller Liegestuhl, der sogenannte „Känguru-Sessel“, neben dem Bettchen. In diesen darf sich die Mutter setzen, während das beatmete Baby vom Team der Intensivstation nackt auf ihre Brust gebettet wird. Beide werden mit warmen Tüchern zugedeckt und dürfen so kuschelnd mehrere Stunden am Tag verbringen. „Die Nähe zur Mutter macht enorm viel mit den Babys“, beschreibt Ursula Pindur.

Wann immer es der Gesundheitszustand des Babys zulässt, darf es daher mit der Mutter auf der Frauenstation bleiben und wird dort überwacht. „Das Team auf der Frauenstation ist sehr engagiert in der Überwachung und Versorgung von Babys“, betont Pindur.

Familiärer Draht

Sie weiß aus Erfahrung, wie belastend es ist, wenn Mutter und Kind im Notfall getrennt werden müssen. Besonders gern erinnert sich die Oberärztin deshalb an ein Zwillingspärchen, das im Rahmen einer „heimatnahen Rückverlegung“ auf die Intensivstation nach Freudenstadt kam. Die Zwillinge kamen zusammen in ein Bettchen. Bald waren die Babys auf dem Wege der Besserung, und noch heute tauschen Team und Familie Fotos aus. „Man bekommt einen familiären Draht zueinander“, freut sich Pindur.