Neben das im Bau befindliche Wohn- und Geschäftshaus (links) soll das zweite Parkhaus am Nägelesgraben gebaut werden. Den Spielplatz wird es in der Form nicht mehr geben. Er soll durch andere Spielmöglichkeiten ersetzt werden. Foto: Otto

Der geplante Parkhaus-Neubau am Nägelesgraben sorgt weiter für Zündstoff. Es werden Zweifel laut, dass die Bürgerinformationsveranstaltung am 25. Oktober ausreicht, um alle offenen Fragen zu klären und vor allem die Bedenken der Bürger ausreichend darzustellen.

Rottweil - Eine Gruppe Rottweiler Bürger, die sich viele Gedanken zu den Planungen macht, hat sich mit einem Schreiben an unsere Redaktion gewandt. Christof und Cornelia Burkard, Uta und Götz-Uwe Feuchter, Frank und Stephanie Huber sowie Peter und Tina Mentner wollen das Thema näher beleuchten, denn die Diskussion, so betonen sie, brodle immer noch.

 

Nicht alles geprüft

"Nach unserer Wahrnehmung ist die Bürgerschaft von den baulichen Veränderungen nicht überzeugt. Den von der Stadtverwaltung für den 25. Oktober angesetzten Termin lediglich zur Abmoderation des Themas zu nutzen, um dann das Projekt einfach weiter voranzutreiben, scheint aus Bürgersicht nicht ausreichend", meint die Gruppe. "Zudem wird man den Eindruck nicht los, dass beim gegenwärtigen Planungsstand nicht alle Optionen unter Berücksichtigung zukünftiger verkehrspolitischer Entwicklungen eine Überprüfung erfahren haben."

Und: "Die zunächst für die Besucherströme an der Landesgartenschau als notwendig erachteten Parkhäuser sind nun als Liegenschaft für die Unterbringung der Autos der Anwohner der angrenzenden Quartiere umgewidmet worden. Das stiftet wenig Vertrauen."

Bei dem schönen Wetter der vergangenen Tage habe sich einmal mehr gezeigt, dass der Abenteuerspielplatz im Nägelesgraben ein Magnet für die Kinder aus allen Stadtteilen ist und der Park regelmäßig für Treffen und Picknick genutzt wird. Und das soll verschwinden? "Nein", fordern die Unterzeichner.

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Erfreulicherweise habe Oberbürgermeister Ralf Broß am 19. Juli erklärt, dass die Entscheidung für den "multimodalen Verkehrsknoten Nägelesgraben" erst nach einer Einwohnerversammlung fallen soll; sie ist jetzt für den 25. Oktober angesetzt.

"Aus unserer Sicht ist es jetzt an der Zeit, diese Diskussion vorzubereiten. Ein breiter Konsens besteht darüber, den Friedrichsplatz vom Busverkehr zu befreien – hoffentlich mit dem Ergebnis, dass er wieder ein Platz zum Verweilen wird. Der Zentrale Umsteigeplatz (ZUP) soll künftig im Nägelesgraben sein. Soweit nachvollziehbar. Die Dimensionen des multimodalen Knotens, die getroffenen Annahmen sowie die Konsequenzen sind es hingegen nicht: Dass wegen der Verlegung von zwei Bushaltestellen ein Verkehrsknotenpunkt inklusive neuem Parkhaus für bis zu 230 Autos entstehen soll, der doppelt so groß ist wie die obere Hauptstraße, und der grüne Erholungsgürtel Nägelesgraben mit dem stark frequentierten Spielplatz zerstört werden soll, muss und darf nicht sein."

E-Bus statt Dieseltrumm

Die Argumente der Gruppe lauten wie folgt: "Alle Bestrebungen der Stadt sollten darauf ausgerichtet sein, in der Zukunft große dieselbetriebene Gelenkbusse, die über weite Strecken des Tages leer sind, durch hochfrequente kleine E-Busse – womöglich sogar autonom fahrend – zu ersetzen. Bundesweit gibt es bereits eine Vielzahl von Städten, in denen dies unter Beteiligung des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen im Modell erfolgreich erprobt wird. Und auch Ralf Broß hat bereits 2018 im Zuge der Landesgartenschau-Bewerbung darüber diskutiert und damals richtig erkannt: Nachhaltigkeit in puncto Verkehr bedeutet die Vermeidung von Lärm und Emissionen sowie minimale Flächennutzung bei optimaler Kosteneffizienz."

Grundsätzlich gelte: Je mehr Verkehrs-Sog durch Individualverkehr wir in die Stadt bringen, desto weniger Beruhigung werden wir erleben und desto weniger attraktiv ist Rottweil. Einer der wesentlichen Effekte der Landesgartenschau 2028 – "Wir holen das Grüne zurück in unsere innerstädtischen Quartiere und heben urbanes Wohnen im ländlichen Raum auf eine neue Qualitätsstufe" – würde so konterkariert.

Die Unterzeichner meinen außerdem: "Die Pläne lassen die Vermutung zu, dass die Verantwortlichen den Spielplatz am liebsten ganz gestrichen hätten. Bleiben würde lediglich ein Alibi. "Unsere Kinder wären einer erheblichen CO2- und Lärmbelastung sowie einer höheren Verkehrsgefährdung ausgesetzt. Wenn wir an den Punkt kommen, ›Kinder oder Autos‹, dann brauchen wir uns keine Gedanken mehr darüber machen, ob die Rottweiler Innenstadt zukünftig für Familien ein attraktives Zuhause bietet. Dann wird die Kernstadt in wenigen Jahren eine mehr und mehr unbewohnte sein."

Letztlich zu viel Parkraum

Die Gruppe ist außerdem überzeugt, dass künftig Homeoffice nicht nur in Unternehmen, sondern "hoffentlich bald auch in der Verwaltung" zum Standard werden wird. Damit seien nicht nur die 80 Parkplätze der Stadt im KIK-Parkhaus bei weitem zu viel. Auch das zukünftige Parkangebot an der Groß’schen Wiese werde Spielraum bieten.

"Im Konzept für die Landesgartenschau steht: ›Wir leben Bürgerbeteiligung und entwickeln uns durch die Kreativität der Zivilgesellschaft weiter.‹ Diesen Ball nehmen wir gerne auf, fordern, die Argumente der Bürgerinnen und Bürger aufmerksam zu hören und sorgfältig abzuwägen, und sind bereit, ihnen, wenn erforderlich, mit einem Bürgerbegehren Nachdruck zu verleihen."