Anstelle der großen Parkflächen am Nägelesgraben entsteht der Zentrale Umsteigeplatz für die Stadtbusse. Die Stellplätze vor dem Norma und dem Gefängnis fallen mit der Umgestaltung weg. Foto: Otto

Debatte: Bauausschuss stimmt knapp für Parkhaus am Nägelesgraben / Viele sehen ungenutztes Potenzial

Knappe Sache: Mit zwölf zu zehn Stimmen sprach sich der Bauausschuss am Mittwochabend für den Bau eines weiteren Parkhauses am Nägelesgraben aus. Der flammende Appell von Bürgerin Ute Bott gegen das umstrittene Projekt und für die Mobilitätswende zu Beginn der Sitzung schlug damit nicht durch.

Rottweil. Genauso eindringlich sprachen sich Planer und Verwaltung für das Parkhaus aus. "Ohne wird es in Rottweil nicht funktionieren", so Verkehrsplaner Peter Sautter von der IGV Stuttgart, auch wenn es –­ eben mit Blick auf die Mobilitätswende – etwas "wehtut".

Er und Rudolf Mager von der Stadtverwaltung zeichneten nochmals nach, um was es geht: Im Zuge der Landesgartenschau soll der ganze Nägelesgraben umgekrempelt werden: Der Zentrale Umsteigeplatz (ZUP) für die Stadtbusse wird vom Friedrichsplatz dorthin verlegt, wo jetzt die Parkflächen vor Norma und Gefängnis sind. Diese fallen also weg, der Besucherstrom werde aber – auch wegen der neuen Hängebrücke – massiv zunehmen. Es entstehe ein "Minus" von 150 Parkplätzen im Gegensatz zu jetzt.

Das bestehende Parkhaus Stadtmitte soll zur "Quartiersgarage" werden und Autos von Anwohnern aufnehmen – damit entstehe mehr Freiraum in der Stadt. Und: Ein sicher wünschenswerter ÖPNV mit enger Taktung sei eben im ländlichen Raum nicht möglich. "Sie haben dann die Hängebrücke und den Testturm – das wird Leute aus dem ganzen süddeutschen Raum anziehen. Und die kommen eben mit dem Auto", so Sautter.

Vergleich zu Bad Wildbad

Deshalb sollen Parkierungsschwerpunkte im Süden – mit neuem Parkhaus auf der Großschen Wiese – und im Norden am Nägelesgraben entstehen. Sautter zog den Vergleich zu Bad Wildbad mit seinen vielen Attraktionen. Trotz 1000 Stellplätzen komme es zu massiven Überlastungen, weshalb man weitere Parkplätze planen müsse.

Optisch "furchtbar"

Viele Stadträte können sich mit dem Neubau-Gedanken am Nägelesgraben allerdings nach wie vor nicht anfreunden. Arved Sassnick (SPD+FFR) sieht im Parkhaus Stadtmitte ungenutztes Potenzial. Seine Fraktionskollegin Anne Mokinski richtete den Blick auf den Schotterparkplatz bei der Stadthalle, eventuell in Verbindung mit einem Shuttle-Service. Ganz abgesehen davon, dass ein Neubau an dieser Stelle des Nägelesgrabens "furchtbar" aussehe. Auch der Lärm für die Altenheimbewohner müsse berücksichtigt werden.

Frank Sucker von den Grünen möchte das Parkhaus Süd mehr in die Überlegungen miteinbezogen sehen, in das mittels eines Parkleitsystems am Wochenende der Besucherverkehr entsprechend geleitet werden könne. Die Grünen lehnen das Vorhaben ab, machte Ingeborg Gekle-Maier deutlich. Man zweifle die pessimistische Verkehrsplanung an und vermisse, dass die Lösung einer Überbauung des Culinara-Parkdecks nicht näher untersucht worden sei.

Warum nicht Culinara?

Culinara-Chef Maier sei, so habe man von ihm erfahren, nicht grundsätzlich dagegen. Und: Die Stadt habe mehrfach betont, man wolle andere Mobilitätsformen stärken.

Oberbürgermeister Ralf Broß erinnerte daran, dass der Punkt Parkhaus nur einer von vielen Beschlüssen der umfassenden Planungen sei. Er verwehrte sich gegen Schwarz-Weiß-Denken. Und den Autoverkehr könne man nunmal nicht von heute auf morgen abschaffen.

Die CDU stehe zum Parkhaus-Neubau, erklärte Monika Hugger. Allerdings sei es bisher nicht gelungen, den Bürgern die Notwendigkeit rüberzubringen: Durch das Verlagern des Anwohnerparkens werde Raum in der Stadt für die Menschen frei, man schaffe neue Lade-Infrastruktur für E-Mobilität und man wolle die zehn Millionen, die eine Tiefgarage kosten würde, sinnvoller investieren. Außerdem werde die Hängebrücke mit ihren Besuchern die Innenstadt insgesamt stärken. Im Fokus der Bürger stehe außerdem die Angst um den Verlust des Spielplatzes, weiß sie. Hier böten sich aber weiterhin – auch an anderer Stelle – genügend Möglichkeiten.

Dennoch appellierte auch Hermann Breucha von den Freien Wählern, den Bestand mit dem bestehenden Parkhaus in den Blick zu nehmen. Immerhin finde da derzeit ein Beachbar auf dem obersten Parkdeck Platz. Auch Jürgen Mehl (SPD+FFR) fand, man müsse die "Zitrone auspressen", was die aktuellen Parkmöglichkeiten betrifft. Culinara, Müller-Neubau, Beach-bar – da tue ein Neubau "in der Seele weh". Wenn, dann müsse man weiter vorne in Richtung Hängebrücke mit neuen Parkplätzen in den Nägelesgraben hinuntergehen.

Spielplatz im Blick

Rudolf Mager betonte, dass er durchaus konkrete Überlegungen zu einem Culinara-Parkdeck gegeben habe. Diese lägen den Stadträten auch vor. Im Übrigen nehme man auch das Spielplatz-Thema sehr ernst. Dieser müsse neu organisiert werden, was sich Mager mit einem "Spielband" unter Einbeziehung der Wasserspiele am Gefängnis gut vorstellen könnte.

Es reichte letztlich für eine knappe Mehrheit für das Parkhaus. Dass der Bau des großen "Multimedialen Knotens" mit ZUP und samt Auslobungswettbewerb einstimmig beschlossen wurde, geriet angesichts der Parkhaus-Differenzen fast zur Nebensache. Am Mittwoch, 21. Juli, hat der Gemeinderat das letzte Wort.