Der erste Baggerbiss zum Bau des neuen Pflegezentrums auf der Scholderwiese in Iselshausen. Foto: Fritsch

Der Frühling ist da, die Baustellen sprießen: Am Mittwoch erfolgte der Spatenstich zum nächsten Mega-Projekt. Diesmal in Iselshausen, auf der Scholderwiese. Dort soll bis zum Spätsommer nächsten Jahres das Pflegezentrum Nagold entstehen – auch ein Modellprojekt im Bereich Intensivpflege.

Nagold - Der Himmel strahlt mit den angereisten Honoratioren um die Wette, allen voran die beiden Bauherren Uwe Nübel und Heiko Mückstein, die geschäftsführenden Gesellschafter der Miksch & Partner-Gruppe, die das künftige Vorzeigehaus direkt am Waldach-Ufer betreiben wird. Und die eigentlich irgendwie gleich doppelten Grund zur Freude hatten – bestätigte der ebenfalls herbeigeeilte Oberbürgermeister Jürgen Großmann doch, dass man bereits über ein gemeinsames zweiten "Sozial-Projekt" mit der Miksch & Partner-Gruppe verhandele; zu dem auch bereits der Gemeinderat sein Einvernehmen habe verlauten lassen.

Alle Details sind noch nicht öffentlich. Aber es werde "in Sichtweite" des künftigen Pflegezentrums angesiedelt sein und einen Arbeitsbereich betreffen, in dem die Stadt Nagold den neuen Lieblings-Partner für solche Projekte "nicht sofort verortet" hätte. Aber aus den Gesprächen rund um eben das Pflegezentrum Nagold herum hätten sich auch diese weiteren Optionen ergeben, die sich – so der OB weiter – momentan sehr positiv entwickelten. Es gebe zwar noch "einige abschließende Punkte", die man noch klären müsse, aber der Optimismus sei jetzt bereits sehr groß, dass man auch diese Hürden gemeinsam werde überwinden können.

"Dritter versprochener Baustein" jetzt im Bau

Aber auch so stammten aktuell die größten Investitionen in Nagold aus dem sozialen Bereich – mit der Krankenhaus-Erweiterung, dem neuen Gesundheitszentrum im Benz-Carré oder dem weiteren Martha-Maria-Haus in Hochdorf. Worauf der OB dabei besonders stolz ist – da machte er keinen Hehl draus: Dass auch mit dem Pflegezentrum Nagold nun auch "der dritte Baustein" folgt, mit dem die Stadt ihr Versprechen einlösen will, nach der (ja seinerzeit heftig umstrittenen) Schließung des Gertrud-Teufel-Seniorenzentrums (GTSZ) für adäquaten und ausreichenden Ersatz zu sorgen. Und eigentlich gebe es jetzt sogar noch mehr Angebote in Nagold, die es mit dem GTSZ so wohl nie gegeben hätte. Und die für Stadt und die gesamte Region (und eigentlich auch darüber hinaus) eine "herausragende Bedeutung" erringen würden.

Was der OB damit meint: Im neuen Pflegezentrum Nagold wird auch – mit zum ersten Mal in ganz Deutschland – eine Abteilung für Intensivstpflege-Plätze in einer solchen Pflegeeinrichtung realisiert (siehe Infokasten). Wobei Großmann auch die Einbindung des geplanten Neubaus in die künftige Nachbarschaft würdigte, auch wenn die Gründung des Baus hier in unmittelbarer Waldach-Nähe "sicher nicht die leichteste" sein werde. Und am Ende wohl "mehr Beton unter der Erde als darüber" verbaut werde.

Doch der OB versprach, dass mit der ja ebenfalls geplanten Entwicklung des Areals der ehemaligen Calwer Deckenfabrik auf der gegenüberliegenden Waldach-Seite zu einem (weiteren) Wohnbaugebiet es seitens der Stadt "auch einen Brückenschlag" geben werde – von der Scholderwiese über die Waldach, um die Anbindung an die neue Nachbarschaft komplett zu machen.

Kosten wird das neue Pflegezentrum Nagold nach bisherigen Schätzungen rund 14,2 Millionen Euro.

Geplant ist auf dem knapp 4000 Quadratmeter großen Grundstück ein dreiflügeliges, u-förmiges Gebäude mit insgesamt 90 Pflegeplätzen, die sich unter anderem auf fünf Wohngruppen á 15 Einzelzimmer aufteilen. Diese sind zum Teil als rollstuhlgerechte und Paar-Zimmer ausgebaut, die wiederum aus je zwei Einzelzimmern zusammengefügt werden könnten. Eine der "erdgeschossigen Wohngruppen" wird dabei explizit als Wohngruppe für Demenzkranke konzipiert, die einen eigenen Zugang zu einem (abgeschlossenen) Demenzgarten erhalten wird.

In den Gemeinschaftsbereichen sind Therapie-, Pflegebäder sowie eine hausinternen Produktionsküche zur Versorgung der eigenen Klienten und anderer Einrichtungen des Pflegeheimbetreibers vorgesehen.

Wie Uwe Nübel dazu erläuterte, plane seine Unternehmensgruppe aktuell "sehr viele Projekte parallel", der nächste Spatenstich für einen Neubau sei bereits in zwei Monaten im Kreis Freudenstadt geplant, dem Heimatkreis von Miksch & Partner mit Sitz in Loßburg. Allerdings: "Noch in keiner anderen Kommune hat es bisher so gut geklappt mit der Baugenehmigung wie hier", würdigte Nübel die bisherige gute Zusammenarbeit mit dem Nagolder Rathaus.

Arbeitskräfte zu finden, könnte Problem werden

Wobei der eigentliche Neubau des künftigen Pflegezentrums nach Aussage von Uwe Nübel aber eigentlich nicht "die größte Baustelle" für sein Unternehmen darstelle.

Die künftig mehr als 100 neuen Arbeitskräfte für das Haus mit 90 Pflegeplätzen zu akquirieren, sei die im Moment "weit größere Herausforderung". Weshalb der offizielle Spatenstich auch für einen eigenen Werbeblock mit der Personalreferentin von Miksch & Partner, Astrid Rüsing, genutzt wurde. Verbunden mit dem Hinweis, dass das künftige Pflegezentrum "modernste, schöne Arbeitsplätze" in einem "tollen Umfeld" bei einem "stabilen aufstrebenden Arbeitgeber" biete – inklusive einer "perfekten Anbindung" in Richtung Stuttgarter Speckgürtel. Daher sollte es "hier in Nagold" leichter fallen, Personal auch von weiter her "anzulocken" als beispielsweise im Kreis Freudenstadt.

Ein Hinweis, den der Nagolder OB mit einem Grinsen wohlwollend zur Kenntnis nahm.

Info: Intensivpflegestärkungsgesetz

Der Begriff ist etwas sperrig: Intensivpflegestärkungsgesetz. Es ist seit vergangenem Jahr bundesweit in Kraft. Und wie Bernd Keller, Chef der AOK Nordschwarzwald, beim Spatenstich erläuterte, ist dieses Bundesgesetz einer Initiative seines Kollegen Felix Gaiser zu verdanken, der bei der AOK Baden-Württemberg für den Fachbereich "Rehabilitations- und Pflegemanegement" zuständig ist. In dieser Funktion hat Gaiser seit vielen Jahren auch mit der Miksch & Partner-Gruppe zu tun, wobei deren Geschäftsführer Uwe Nübel, ein regelmäßiger Gesprächs- und Verhandlungspartner sei. Was das bedeutet, erläutert wiederum Uwe Nübel selbst so: Man habe vor einiger Zeit gemeinsam einen (Muster-)Vertrag über die Intensivpflege von in diesen Fall künstlich beatmeten Kindern verhandelt. Und einige Abschnitte dieses Vertragstextes seien nun so "wortwörtlich" im Intensivpflegestärkungsgesetz wieder "aufgetaucht". Insofern komme dem künftigen Pflegezentrum Nagold hier jetzt tatsächlich auch ein Modellcharakter zu, wo ein solcher separater Intensiv-Pflegebereich mit Beatmungsplätzen und Platz für bis zu 15 Liegend-Patienten in Einzel-Pflegezimmern mit zum ersten Mal geschaffen werde. Aktuell würden solche Intensiv-Pflegepatienten entweder in Krankenhäusern oder auch ambulant zuhause untergebracht und betreut. Mit der neu möglichen Unterbringung auch in stationären Pflegeeinrichtungen, solle den Versicherten künftig eine vollständige Wahlfreiheit ermöglicht werden, so AOK-Experte Gaiser.

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