Auch Wochen nach der Flutkatastrophe laufen die Aufräum- und Wiederaufbau-Maßnahmen noch auf Hochtouren. Viele Helfer sind dabei im Einsatz – auch Nadine Stockburger aus St. Georgen fährt regelmäßig in die betroffenen Gebiete.  Foto: Frey

Viele hundert Stunden hat Nadine Stockburger mittlerweile damit verbracht, den Betroffenen der Hochwasserkatastrophe zu helfen. Doch: "Es wird noch immer sehr viel Hilfe benötigt", betont sie. Denn auch das seelische Leid ist groß.

St. Georgen - "Danke für die Hilfe", hat jemand mit bunter Farbe an eine Wand gesprüht – und viele andere haben sich dem Sentiment angeschlossen, wie ein Bild zeigt, das Nadine Stockburger für ihre Collage ausgesucht hat. Drumherum Bilder, die zerstörte Häuser und Brücken zeigen – und viele arbeitende Helfer. Mit dem Din-A4-großen Plakat will Stockburger sich zumindest symbolische bei all denjenigen bedanken, die ihr Hilfsprojekt für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unterstützen.

Denn mittlerweile sind es eine ganze Menge Mitstreiter, die Stockburger mobilisieren konnte – das Hilfsprojekt aus St. Georgen hat weite Kreise gezogen. Und tiefe Spuren hinterlassen: "Eigentlich könnte ich ein tischgroßes Plakat machen mit all den Eindrücken und Fotos, die ich gesammelt habe", sagt Stockburger.

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Trotzdem: Für die Helfer aus St. Georgen ist es noch lange nicht vorbei mit dem Engagement. "Die Lage ist nach wie vor schlimm", berichtet Stockburger, die derzeit fast jede zweite Woche in das Krisengebiet fährt. Auch diese Woche war die St. Georgenerin wieder vor Ort, um mit anzupacken.

Die psychische Belastung der Betroffenen ist groß

So groß ihr Engagement ist, so groß ist auch Stockburgers Enttäuschung darüber, dass nur noch wenig über die Folgen der Flutkatastrophe berichtet wird. Mittlerweile bestimmen andere Themen die Medien. Die Folge: "Man hat hier kaum einen Eindruck davon, wie es da wirklich ist", kritisiert Stockburger.

Sie weiß, wie belastend die Lage in den Krisengebieten ist: "Die wenigsten haben eine Heizung, viele haben noch kein fließendes Wasser und manche haben noch immer keinen Strom." Fast noch schlimmer sei aber die psychische Belastung der Menschen. "Vor Ort ist die Angst groß davor, dass die Stimmung kippt", schildert Stockburger den Eindruck, den sie im Austausch mit Betroffenen, Helfern und Bürgermeistern gewonnen hat.

Deshalb packen die Helfer vor Ort – mittlerweile ein großes Netzwerk, das über ganz Deutschland reicht – nicht nur mit ihrer Muskelkraft an. Vielmehr gehe es gerade jetzt darum, den Menschen auch durch Zuhören zur Seite zu stehen, betont Stockburger. "Man hört immer wieder die gleichen Geschichten, aber die Menschen müssen darüber reden. Das muss raus." Und auch für Ablenkung vom schweren Schicksal will die St. Georgenerin sorgen: Etwa durch ein Benefiz-Konzert, das eine befreundete Band im Oktober für die Betroffenen vor Ort spielen soll.

Viele Helfer und Spender machen Einsatz möglich

Für Stockburger selbst ist das Hilfsprojekt mittlerweile fast zu einem zweiten Vollzeit-Job geworden. Ein Telefonat hier, ein Einkauf da – zwei bis drei Stunden kommen täglich mindestens zusammen, schätzt sie. Von den vielen Stunden Autofahrt und Einsatz im Krisengebiet einmal ganz abgesehen. "Das sind zusammen sicher hunderte Stunden. Aber dafür habe ich mich entschieden und dann muss ich es jetzt auch durchziehen." Zum Glück, sagt Stockburger, habe sie ja viele Helfer. Auch die gesamte Familie habe sie mittlerweile eingespannt. "Das ist toll. Da sagt keiner ›nein‹, wenn ich um etwas bitte." Hilfe, auf die Stockburger – so hofft sie – noch lange zählen kann.

Wer das Hilfsprojekt unterstützen will, kann sich unter haende-die-einander-helfen@gmx.de mit Nadine Stockburger in Verbindung setzen. Im Oktober soll ein weiterer großer Hilfstransport starten.

 Auch der HGV sammelt

Der Handels- und Gewerbeverein (HGV) St. Georgen sammelt ebenfalls Spenden für das Hochwasser-Hilfsprojekt von Nadine Stockburger. Wer die Aktion unterstützen will, kann dafür die Spendenkässchen nutzen, die in den folgenden Geschäften stehen: Bäckerei Zucker, Blickpunkt Brille, Optik Fichter, Hör-Studio Eichenlaub, Heizmann und Draschar, Fotoecke Weisser, Schwarzwälder Naturseife, Kraut und Blüten, Nicoles Pflegedienst und Eduard Henninger.