Die Spursperrung an der Bertholdbrücke in Villingen sorgt für ein Nadelöhr und strapaziert die Nerven. Eine Freigabe ist nicht in Sicht. Die Stadt klärt über den aktuellen Stand auf.
Wie geht es mit der Brücke über die Bahngleise in der Bertholdstraße in Villingen weiter? Dieses Thema treibt derzeit die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung um – dort hat sie „höchste Priorität“, wie das Grünflächen- und Tiefbauamt in einer Informationsvorlage für die Stadträte erklärt.
Was sind die derzeitigen Erkenntnisse zu den befürchteten Schäden, den geplanten Untersuchungen und den damit verbundenen Einschränkungen für den Verkehr – alle Fragen und Antworten zum aktuellen Stand.
Was ist an der Bertholdbrücke aktuell das Problem? Bei einer nächtlichen Prüfung im September wurden zwei korrodierte Spanngliedhüllrohre in einem Längsträger entdeckt, nachdem sich dort kleinere Betonteile gelöst hatten. Die Rohre liegen im Innern des Betons und sind von außen nicht sichtbar. Die Brücke zeigt damit eine konstruktiv Schwachstelle, weswegen Untersuchungen angestrebt wurden.
Wie gefährlich ist der Schaden für die Brücke? Eine abschließende Bewertung ist noch nicht möglich. Die Sofortmaßnahmen – Sperrung der rechten stadtauswärtsführenden Spur und die Tonnagebegrenzung auf 30 Tonnen – sind aus reiner Vorsicht und zur Risikominimierung getroffen worden, um den betroffenen Träger zu entlasten und das Bauwerk zu schützen. Das hat laut Stadt auch den Grund, dass die Brücke 1972 nach damaligen Normen gebaut wurde. Seitdem haben sich die Verkehrslasten deutlich erhöht.
Welche Untersuchungen finden nun statt? Die Stadt lässt seit bekanntwerden der Schäden im Oktober eine Sonderprüfung durchführen (Kosten: 73 000 Euro). Diese besteht aus zwei Stufen: einer schnellen vorläufigen Bewertung und einer vertieften Untersuchung. Im ersten Schritt wird zunächst die Tragfähigkeit berechnet und es werden Sofortmaßnahmen abgeleitet. Erste Ergebnisse soll zeitnah vorliegen, ein Bericht an den Gemeinderat ist Anfang 2026 geplant.
In der zweiten Stufe folgt eine detaillierte Untersuchung mit Materialproben, zerstörungsfreien Prüfverfahren und einer vertieften statischen Nachrechnung. Ziel ist eine Entscheidungsvorlage: Sanieren, verstärken oder einen Teil neu bauen. Die Kosten dafür sind noch völlig offen.
Wann wird feststehen, wie es mit der Brücke weitergeht? Die endgültigen Ergebnisse werden frühestens im Laufe des Jahres 2026 erwartet. Bis dahin und voraussichtlich noch deutlich darüber hinaus werden die Einschränkungen an der Brücke bleiben.
Weshalb staut sich der Verkehr derzeit extrem? Das Nadelöhr an der Bertholdbrücke führt auch deshalb zu weitreichenden Behinderungen, weil derzeit der Bahnübergang in Marbach aufgrund von Modernisierungsarbeiten nicht passierbar ist. Die Umleitungsstrecke erfolgt über Niederwiesenstraße und die Schwedendammstraße in die Bertholdstraße. Insbesondere zu Stoßzeiten staut sich der umgeleitete Verkehr in der Schwedendammstraße enorm. Auch deshalb, weil Autofahrer nicht beide Fahrspuren bis zur Sperrung nutzen und sich dann im Sinne des Reißverschlussverfahrens einordnen, sondern frühzeitig auf den linken Fahrstreifen wechseln.
Welche Brücken stehen noch im Fokus? Nach der Bertholdbrücke haben der Bickensteg und die Brücke Bickenstraße in Villingen Priorität. Beim Bickensteg wurden Feuchtigkeitsschäden und bislang nicht untersuchte Tragkabelverankerungen entdeckt, weshalb eine Sonderprüfung mit Ultraschall- und magnetinduktiven Tests sowie einer Seilkraftanalyse geplant ist (zweites Quartal 2026). Bei der Brücke Bickenstraße ist eine Sonderprüfung der Spannglieder nach der Fischschonzeit im Mai 2026 vorgesehen.