Pose, in der man Alexis Tibidi regelmäßig zu sehen bekommt: Jubelnd. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

In der U 19 des VfB Stuttgart macht seit Saisonbeginn ein Neuzugang von sich reden. Doch wer ist Alexis Tibidi eigentlich – und wie kam er zu den Schwaben?

Stuttgart - Wenn man dieser Tage die U-19-Bundesligaspiele des VfB Stuttgart besucht, hört man Anweisungen auf Französisch über den Trainingsplatz eins am Clubgelände schallen. Sie gelten Alexis Tibidi. Sein Trainer Nico Willig hat seine Sprachkenntnisse wiederaufgefrischt, die ihm einst durch seine aus Frankreich stammende Mutter und in der Schule vermittelt wurden. Der junge Angreifer (17), vor Saisonbeginn ablösefrei vom FC Toulouse an den Neckar gewechselt, tut sich bisher noch schwer mit der deutschen Sprache. Ein Intensivkurs soll Abhilfe schaffen.

 

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Seine ersten Ballkontakte in der U-19-Bundesliga waren dagegen unmissverständlich. Abschluss mit rechts, Tor. Körpertäuschung, Abschluss mit links, Tor. 2:0 stand es nach fünf Spielminuten gegen den SV Darmstadt 98. Mittlerweile hat Tibidi vier Tore und fünf Vorlagen in sechs Ligaspielen nachgelegt. Den Südschlager Anfang Oktober gegen den FC Bayern München (4:1-Sieg für den VfB) entschied er mit einem Tor, einer Vorlage und einem herausgeholten Elfmeter quasi im Alleingang.

In solchen Fällen greift beim VfB das Förderungsprinzip für die Akademiespieler. Wer sich in den Nachwuchsmannschaften gut präsentiert, darf bei den Profis vorspielen. Tibidi trainiert aktuell bei Pellegrino Matarazzo, genauso wie Manuel Polster und Alou Koul aus der U 21 von Frank Fahrenhorst.

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Dass sich der VfB den jungen Franzosen angeln konnte ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen auf das gute Stuttgarter Netzwerk. Bereits früh war man beim VfB durch Videos aus den einschlägigen Scoutingplattformen im Bilde, welch Talent da beim FC in der U 17 aktiv ist. Man war auch darüber informiert, dass Tibidi seinen Vertrag in Toulouse nicht verlängern würde. Der mittlerweile europaweit präsente Ruf des VfB, eine gute Anlaufstelle für junge, hochveranlagte Spieler zu sein, überzeugte das Tibidi-Lager. Mohamed Sankoh, Ömer Beyaz, Momo Cissé, Silas Katompa, Tanguy Coulibaly und Co. lassen grüßen. Wichtiger noch war allerdings der klare Plan, den man dem Angreifer in Stuttgart aufzeigen konnte. Individuelle Förderung, dazu ein starker Fokus auf schulische Ausbildung – klar definierte Karriereschritte für die kommenden Jahre.

Wie Alexis Tibidis Vater den Wechsel forcierte

Treibende Kraft war jedoch Tibidis Vater. Der war früher selbst Profi, spielte unter anderem in Belgien und für die Nationalelf Kameruns. Und er weiß, dass es vor allem Disziplin bedarf, wenn man ganz nach oben kommen will. Ein integraler Punkt, bei dem er bei seinem Sprössling Nachholbedarf sieht. Früh durfte sich der junge Alexis austoben, spielte Tennis, kämpfte beim Judo, gewann im Karate gar mehrfach französische Jugendtitel. Doch in Sachen Pünktlichkeit, Ernährung, Pflichtbewusstsein gab und gibt es Steigerungspotenzial. Das Verlassen der eigenen Komfortzone sollte den Reifeprozess beschleunigen. Die Zeiten, in denen er seinen Sohn mehrfach wöchentlich die zwei Stunden vom Wohnort Brive-la-Gaillard nach Toulouse und wieder zurückgefahren hatte, sie sollten vorbei sein. Daher war es der erklärte Wunsch des Familienoberhaupts, dass der Junior den nächsten Schritt in Deutschland gehen solle.

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In einem einwöchigen Probetraining überzeugte er dann die Stuttgarter Verantwortlichen. Beweglichkeit, Explosivität, Torriecher, dazu überaus positive Werte bei der Leistungsdiagnostik und drei Tore im Testspiel der U19 gegen den Verbandsligisten SKV Rutesheim ließen keine Restzweifel. „Alexis ist ein hochveranlagter, sehr schnellkräftiger, technisch versierter und mutiger Außenbahnspieler. Wir sind von seiner Perspektive überzeugt, werden ihn individuell fördern und somit Schritt für Schritt an die Anforderungen des Profifußballs heranführen“, sagte Thomas Krücken, Chef des VfB-Nachwuchsleistungszeitrums, anlässlich der Verpflichtung.

Bis es allerdings vielleicht einmal so weit ist steht noch jede Menge Arbeit an. Die erwähnten disziplinarischen Themen gilt es anzupacken. Dazu gibt es Nachholbedarf in Sachen Taktik und Spielverständnis. Tibidi sei diesbezüglich alles andere als ausgereift, berichten jene, die täglich mit ihm arbeiten. Eben ein Rohdiamant – mit Betonung auf roh. Aber eben auch einer mit jeder Menge Entwicklungspotenzial. Wenn es gelingt, ihn entsprechend zu schleifen.