Noah Hoch ist 14 Jahre alt – und einer der besten Nachwuchssurfer in Deutschland. Welche Rolle hat Stuttgart auf seinem sportlichen Weg gespielt?
Im Prinzip ist ja alles ganz einfach. Das Kind wächst am Meer auf, stellt sich irgendwann auf ein Surfbrett – und gehört Jahre dann später fast automatisch zu den Besten seines Jahrgangs in Deutschland. Tatsächlich könnte so oder so ähnlich die Geschichte von Noah Hoch erzählt werden. In der Kurzversion. Beim genauen Blick auf den heute 14-jährigen Jungen spielt allerdings auch eine Stadt eine Rolle, die nicht gerade für das Surfen steht. Es geht um Stuttgart.
In der baden-württembergischen Landeshauptstadt nämlich hat Noah Hoch die ersten drei Jahre seines Lebens verbracht. Und doch spielt er heute nicht Fußball, Handball oder Tischtennis – sondern gehört eben tatsächlich zu den besten Surftalenten in Deutschland. Denn: Als Noah drei Jahre alt war, beschlossen seine Eltern, nach Biarritz an die französische Atlantikküste zu ziehen. Nun, elf Jahre später, nennt der junge Sportler folgendes Ziel: „Irgendwann möchte ich vom Surfen leben können.“ Die kommenden Tage werden weitere Hinweise darauf geben, ob das klappen kann.
Bereits am vergangenen Freitag hat sich Noah mit seinem Vater Daniel Hoch aufgemacht nach Rio de Janeiro. An der Küste Brasiliens finden ab diesem Freitag die ISA World Junior Surfing Championships statt – anders gesagt: die Junioren-Weltmeisterschaft im Wellenreiten mit jeweils 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Altersklassen U 18 und U 16.
Die WM-Teilnahme ist der vorläufige Höhepunkt einer noch jungen Laufbahn, die tatsächlich so begann, wie man es sich vorstellt. Nach dem Umzug der Familie aus Stuttgart nach Südfrankreich habe Noah „immer in den Wellen gespielt“, erinnert sich sein Vater, der als freiberuflicher Designer nach wie vor viel in Stuttgart arbeitet. Später habe sich sein Sohn fürs Rettungsschwimmen interessiert, dann aber auch ausprobiert, „mit Brettern ins Wasser zu gehen“. Auf dem Surfboard hat Noah Hoch dann schnell sein Glück gefunden – seit zwei, drei Jahren drückt sich die Leidenschaft auch in sportlichem Ehrgeiz aus. Und in Erfolgen.
Deutsche Talente aus aller Welt
Kürzlich, zum Beispiel, fanden nahe der französischen Wahlheimat der Familie Hoch die deutschen Meisterschaften im Wellenreiten statt. Noah Hoch wurde Zweiter – sowohl in der U-14- als auch in der U-16-Klasse. Nun in Rio wird der Schüler aus dem deutschen Team einer der jüngsten U-16-Surfer sein. In einer Mannschaft, deren Mitglieder er „noch gar nicht so gut“ kennt.
Zwar treffen sich die besten deutschen Wellenreiterinnen und Wellenreiter immer mal wieder auf Wettkämpfen. Doch ist der in Frankreich lebende Noah Hoch nicht der einzige, der aus irgendeinem Flecken Erde jeweils dorthin reist. Die Nachwuchssurferinnen und -surfer, die in Rio neben dem früheren Stuttgarter für Deutschland antreten, leben in Portugal, in Mexiko, auf Teneriffa, in der Dominikanischen Republik oder in Trinidad und Tobago.
Die Familien der Jugendlichen haben dort jeweils ihren Lebensmittelpunkt – was gut für das Vorankommen auf dem Surfbrett ist, aber auch bedeutet, dass für die Reisen zu den Wettkämpfen ordentliche Kosten anfallen. Um den Trip nach Brasilien nicht komplett aus der eigenen Tasche finanzieren zu müssen, haben Eltern der jungen Surfer eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Interessant für Sponsoren aus der Surfszene werden die Talente in den kommenden Jahren aber auch – wenn die Leistung weiter stimmt. Und seit 2021 gibt es ja noch eine weitere reizvolle Perspektive.
In Tokio zählte das Wellenreiten erstmals zum Programm Olympischer Sommerspiele – und bleibt es in den kommenden Jahren. 2024 soll im Rahmen der Spiele von Paris vor Tahiti gesurft werden – was für die Talente, die nun in Rio für Deutschland starten, vermutlich noch kein Thema ist. Eher dient Los Angeles 2028 als olympisches Ziel. Erster deutscher olympischer Wellenreiter war 2021 übrigens Leon Glatzer, ein auf Hawaii geborener Sohn deutscher Eltern, der in Costa Rica aufgewachsen ist.
Regelmäßige Besuche in Stuttgart
Dort stand auch Noah Hoch schon auf dem Surfbrett, ebenso auf Martinique, in Spanien, in Panama, in Portugal, im Februar geht es nach Marokko. Homebase bleibt aber Biarritz in Südfrankreich, wo der Teenager die örtliche Schule besucht, im dortigen Verein gefördert wird, Koordinations- und Krafttraining betreibt, Skateboard fährt – und täglich aufs Wasser geht. Im Sommer mehrmals am Tag, in den Wintermonaten mindestens einmal. „Da ist es kühl, und man muss sich jedes Mal neu überwinden“, sagt der 14-Jährige.
Mehrmals im Jahr kehrt Noah Hoch dann auch nach Stuttgart zurück, um die Cousinen und Cousins sowie weitere Verwandte zu besuchen. Oft auch als Zwischenstation vor der nächsten Reise mit der Familie. Die meistens mit dem Surfen zu tun hat.