Eine junge Lehrerin beim Matheunterricht Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Viele angehende Lehrer kehren der Schule schon im Studium den Rücken. Neue Daten belegen einen drastischen Schwund. Was man bundesweit weiß und im Südwesten nicht.

Der grassierende Lehrermangel ist ein Schlüsselfaktor, der über die Entwicklung von Schul- und Unterrichtsqualität in Baden-Württemberg wie auch in ganz Deutschland entscheidet. Jetzt hat der Stifterverband der deutschen Wissenschaft eine knappe Untersuchung vorgestellt, die grelle Schlaglichter auf eine Ursache des Mangels wirft. Das Ergebnis: der Schwund im Studium ist bundesweit enorm.

 

42 Prozent verschwinden nach irgendwo

Von 52 500 Studienanfängern, die im Schnitt der Jahre 2017 bis 2021 in Deutschland ein Lehramtsstudium aufgenommen haben, erreichen nur 30 300 den Masterabschluss. Auf dem Weg dahin verschwindet der große Rest von 42 Prozent irgendwohin. Das heißt, wie die Experten betonen, nicht zwangsläufig, dass die jungen Leute die Hochschule komplett verlassen. Zum Teil wechseln vor allem in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Profilen viele in fachlich verwandte Studiengänge, die interessante Arbeitsplatzperspektiven in der Wirtschaft eröffnen.

Genau weiß man das, wie die Autoren einräumen, allerdings nicht: Sie konstatieren für die gesamte Ausbildung der Nachwuchspädagogen „eine große Forschungs- und Datenlücke“.

Auch im Referendariat gibt es Schwund

Mit dem Studienabschluss ist der Junglehrerschwund in der Lehrerbildung aber noch nicht vorbei: Von 30 300 Absolventen beginnen nur 29 400 das Referendariat. Knapp drei Prozent von ihnen orientieren sich also zu diesem Zeitpunkt um. Im Gegenzug kommen 1200 Seiteneinsteiger zum Referendariat bundesweit hinzu. Auch in der praktischen Ausbildungsphase gibt es Abgänge: 28 300 Referendare halten bis zum Abschluss durch. Im Vorbereitungsdienst kehren damit knapp acht Prozent der Schule den Rücken. Die Schwundquote ist in der zweiten Phase auch substanziell – aber wesentlich geringer als im Studium.

Warten auf längst fällige Erhebung für Baden-Württemberg

Obwohl das Problem der hohen Abbruchquote bei Lehramtsstudenten auch in Baden-Württemberg altbekannt ist, gibt es hier – noch – keine Daten. Schon die ehemaligen Schul- und Wissenschaftsministerinnen Susanne Eisenmann (CDU) und Theresia Bauer (Grüne) lagen sich deswegen in den Haaren. Eisenmann sprach zeitweise von einer weit überdurchschnittlichen Abbrecherquote von 45 Prozent, was dem für die Lehrerbildung zuständigen Wissenschaftsministerium zu hoch gegriffen erschien. 2019 vereinbarte man, die Sache genauer zu untersuchen. Die Ergebnisse lassen noch heute auf sich warten.

Die Hoffnung, dass die Suche nach Erkenntnis beschleunigt würde, weil unter den grünen Nachfolgerinnen, Kultusministerin Theresa Schopper und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski, die Parteienkonkurrenz entfällt, wurde enttäuscht. Wer nach Ergebnissen fragte, wurde auch nach der jüngsten Landtagswahl stets vertröstet. Die Sache sei kompliziert, deshalb dauere es mit der Auswertung noch. „Wir haben die Ergebnisse der Studie noch nicht ausgewertet, es wird aber alsbald soweit sein“, hieß es auf Anfrage im Wissenschaftsministerium.