Lilian Egloff, Thomas Kastanaras und Laurin Ulrich gehören beim VfB Stuttgart zu den Toptalenten, doch die Entwicklung verläuft unterschiedlich – ein Blick auf die Probleme.
Sie stehen unter Beobachtung, die Eigengewächse des VfB Stuttgart. Denn die Anhänger wollen sie am liebsten in der Bundesliga-Elf spielen sehen, aber die Realität ist eine andere. Weder Lilian Egloff noch Thomas Kastanaras oder Laurin Ulrich standen zuletzt im Kader für die Partie bei Eintracht Frankfurt (1:1).
Wenn man so will, fehlte die VfB-DNA also in der Profimannschaft. Christian Gentner, der neue Leiter der Lizenzspieler, hat sich deshalb Egloff und Kastanaras tags darauf in der Begegnung der zweiten Mannschaft angeschaut. Laurin Ulrich zählte am vergangenen Freitag zur Startelf der U 19, zuvor pausierte er aus gesundheitlichen Gründen. Das verdeutlicht, dass die Entwicklung der Toptalente aus dem Nachwuchsleistungszentrum sehr unterschiedlich verläuft – und es dabei Probleme gibt.
Die Situation bei Lilian Egloff
Lilian Egloff Zweifel an seiner fußballerischen Begabung hegt beim VfB keiner. Lilian Egloff weiß auf engstem Raum mit der Kugel umzugehen. Doch der hochbegabte Mittelfeldspieler kommt aktuell bei den Profis nicht zum Zug. Der Trainer Bruno Labbadia verlangt von dem 20-Jährigen eine konsequentere und entschlossenere Spielweise – mehr Torbeteiligungen und weniger Tricks.
Egloff versucht das umzusetzen. Sein Spiel ist jedoch von Leichtigkeit geprägt. Zwar verfügt er auch über Härte in seinen Defensivaktionen, aber letztlich bleibt er ein Offensivkünstler – und im Abstiegskampf scheint dieser Ansatz nicht gefragt. Zumal Labbadia mit den Japanern Wataru Endo und Genki Haraguchi seine zwei Spieler für die Achterposition gefunden hat.
Doch selbst für eine Ersatzrolle reicht es im Augenblick nicht. Über die Regionalliga soll Egloff jetzt zu Einsatzzeiten und Selbstvertrauen kommen. Mühsam wie das gesamte Spiel war das für den Techniker beim 2:1 gegen den FC Rot-Weiß Koblenz. Akzente setzte er nur gelegentlich. Was zu der Frage führt, wie sich das Potenzial des Hochbegabten ausschöpfen lässt.
Die Antwort ist noch nicht gefunden, da Egloff wohl nicht mehr zum Trainingsmonster wird. Er braucht Vertrauen. In der Hinrunde erhielt er es bei elf Pflichtspieleinsätzen. In diesem Jahr steht nur eine späte Einwechslung Ende Januar. Offenbar gibt es nun Überlegungen, ob der Mittelfeldspieler (Vertrag bis 2024) einen Wechsel benötigt, um voranzukommen.
Die Situation bei Thomas Kastanaras
Thomas Kastanaras Der 20-Jährige liegt im Plan. Vielleicht sogar ein wenig darüber. Dass Thomas Kastanaras beim VfB II stürmt, gehört zum vereinbarten Ablauf. Gegen die Koblenzer erzielte er jedoch keinen Treffer. An Einsatz mangelt es dagegen nicht. Für seinen Fleiß hat ihn Bruno Labbadia schon mehrfach gelobt. Der Angreifer schiebt viele Extraschichten. Kraftübungen, Laufeinheiten, Torschüsse. Das bleibt dem Chefcoach nicht verborgen, der eine solche Arbeitseinstellung gerne mit Spielminuten belohnt.
„Thomas ist sehr engagiert. Bei ihm merkt man, dass er sich jeden Tag verbessern will“, sagt Labbadia, „aber wir haben auch gemerkt, dass er sich in den Spielen noch schwertut mit der Umsetzung.“ Die Position des Mittelstürmers will ihm der Trainer deshalb noch nicht anvertrauen, obwohl er nach dem Ausfall von Serhou Guirassy weiter nach einer passenden Lösung sucht. Eine Option von der Bank bleibt Kastanaras dennoch.
Die Situation bei Laurin Ulrich
Laurin Ulrich Fünf Bundesliga-Minuten hat er in seiner Vita stehen. Am 12. November 2022 debütierte Laurin Ulrich in der deutschen Eliteklasse, mit 17 Jahren. Er gehört zu den verheißungsvollen Talenten des 2005er Jahrgangs. Es schien wie am Schnürchen für ihn zu laufen: Mit der U 17 des VfB stand er im Finale um die deutsche Meisterschaft und nahm mit der Junioren-Nationalmannschaft an der EM teil – als Kapitän. Mit der U 19 spielte er im DFB-Pokal. Und dann ging es zu den Profis, ohne große Erholung.
Vielleicht muss Ulrich diesem straffen Programm Tribut zollen. Denn über die vergangenen Wochen ließe sich der Titel schreiben: Die Leiden des jungen Ulrich. Mehrere Infekte haben ihn gestoppt. „Wir müssen nun schauen, dass wir ihn gesundheitlich stabil bekommen und seine Form systematisch aufbauen“, sagt Bruno Labbadia. Keine zehnmal hatte ihn der Chefcoach seit seinem Amtsantritt im vergangenen Dezember bei den Übungseinheiten dabei.
Die Absprache sieht vor, dass Ulrich bei den Profis trainiert, aber in der U 19 aufläuft, um zu alter Stärke zu finden. „Wir haben Laurin in unseren Reihen zurück. Jetzt geht es darum, wie wir ihm wieder Spaß vermitteln. Dann kommt auch sein Selbstvertrauen wieder zurück, dass zuletzt ein wenig gelitten hat“, sagt der U-19-Trainer Nico Willig.