6600 Menschen stehen hinter ihm: Arsenio Teles da Silva ist der Initiator der Petition, die Tempo 30 auf der B 415 rückgängig machen will. Der Reichenbacher ist überzeugt, dass dies tatsächlich möglich ist.
Mit ernster Miene begrüßt Arsenio Teles da Silva unsere Redaktion vor der Bäckerei Waidele in Reichenbach. Wenige Meter weiter donnert der Feierabendverkehr durch den Ort. Die Lastwagen dröhnen im Vorbeifahren, tatsächlich müssen wir die Stimme etwas heben, um einander zu verstehen. Der 19-Jährige ist überzeugt: Seit auf der B 415 Tempo 30 gilt, ist es lauter, nicht leiser geworden. Die neue Regelung bringe für Anwohner und Gewerbetreibende zudem viele weitere Nachteile mit sich. Deshalb hat er die Online-Petition auf der Plattform change.org gestartet.
Bei einer heißen Schokolade im Gastraum der Bäckerei können wir uns wieder in Zimmerlautstärke unterhalten. „Ich wollte mit der Petition sehen, wie viele Menschen es interessiert. Ich hatte das Gefühl, es sind sehr viele, die so fühlen wie ich.“ Damit lag er richtig, wie sich zeigte. Mehr als 6500 Menschen haben seine Petition inzwischen unterzeichnet. Mit einer solchen Resonanz habe er nie gerechnet, sagt der Reichenbacher.
Eine große Masse, mehr Menschen, als in Kuhbach und Reichenbach zusammengerechnet wohnen, steht hinter Teles da Silva. Was sind also seine nächsten Schritte? Viele Gedanken hat sich der 19-Jährige, der in Oberkirch eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert, noch nicht gemacht, gesteht er ein. Doch er ist überzeugt: „Es gibt die Möglichkeit, die Maßnahme rückgängig zu machen.“ Ein ganz bestimmter Satz macht ihm Hoffnung.
Höhere Drehzahl als Problem
Rückblick: Eine schalltechnische Untersuchung des Büros Fichtner Water & Transportation hatte Anfang des Jahres ergeben, dass aus Lärmschutzgründen Tempo 30 auf der B 415 ab dem Friedrich-Ebert-Platz umgesetzt werden muss. Die Stadt Lahr hatte dazu noch eine rechtliche Stellungnahme eingeholt. Im Schreiben von Rechtsanwalt Torsten Heilshorn heißt es: „Von einer solchen lärmmindernden Maßnahme könnte nur bei gewichtigen gegenteiligen Belangen (insbesondere erheblichen Nachteilen der Maßnahme) abgesehen werden.“ „Genau diese Nachteile gibt es“, sagt Teles da Silva und zählt sie auf.
Zunächst sei da der Lärm. Die Autos seien vermehrt im zweiten statt im dritten Gang unterwegs, würden den Motor oft höher drehen, zum Beispiel wenn sie nach den Blitzern wieder beschleunigen. Teles da Silva zweifelt an, dass die vom Gutachten ermittelte Lärmminderung zwischen ein und zwei Dezibel tatsächlich eingetreten ist. „Die Anwohner finden es lauter“, sagt er. „Es geht da auch um das Empfinden.“
Als zweiten Punkt führt er das Gewerbe an. Er habe mit einigen Geschäftsinhabern an der B 415, etwa vom Blumenladen, gesprochen. „Sie haben weniger Kunden aus Lahr“, berichtet Teles da Silva. Beim Autohaus habe er erfahren, dass dessen Lieferant nun eine Viertelstunde länger brauche. „Es entsteht ein wirtschaftlicher Schaden für die Geschäfte“, ist er überzeugt. Nicht nur für Betriebe vor Ort. Denn Teles da Silva glaubt, dass auch die Innenstadt darunter leide, wenn die Kuhbacher und Reichenbacher lieber im Internet bestellen, als sich durch den Verkehr nach Lahr zu kämpfen.
Mehr ungeduldige und rücksichtslose Autofahrer?
Zuletzt sei da noch der Sicherheitsaspekt. „Die Leute werden ungeduldiger und rücksichtsloser.“ Ein Beispiel: Wenn er aus der Steinstraße nach links abbiegen will, werde er nicht mehr rausgelassen. Er müsse nach rechts fahren und am Kreisel wenden. Radfahrer könnten zudem mit Tempo 30 nicht mehr sicher überholt werden. Und apropos überholen: „Ich habe gesehen, wie einer mit bestimmt 60 Sachen das Auto vor ihm innerorts überholt hat. So etwas gab es vorher nicht“, ist Teles da Silva überzeugt. Solche Argumente finden sich auch im Kommentarbereich der Petition.
„Eine Idee, aber noch kein festes Ziel“, blickt der Initiator voraus, sei eine neue Schallschutzuntersuchung zu erreichen. Wenn es durch Tempo 30 tatsächlich lauter geworden ist, könnte dies belegt und zu Tempo 40 zurückgekehrt werden. „Doch selbst wenn es leiser geworden ist, was ich nicht glaube, sollten auch alle anderen Punkte berücksichtigt werden“, fordert der Petitionsstarter.
Auch positive Stimmen
Die Stadt hat vor gut zwei Wochen Tempo 30 auf der B 415 umgesetzt. Schon wenige Tage später zeigte sich etwa durch beschmierte Schilder der Unmut. Laut Guido Schöneboom gibt es jedoch auch Stimmen, dass es tatsächlich leiser geworden sei. Der Bürgermeister hat in einer ersten Bilanz zu Tempo 30 gegenüber der LZ wiederholt erklärt, dass die Stadt aufgrund der rechtlichen Gegebenheiten gezwungen gewesen sei, die Maßnahme umzusetzen und er sich für die Zukunft eine Versachlichung der Debatte wünsche.