Kunstwerke mit schwerem Schicksal: Die Ausstellung im Villinger Münster zeigt Arbeiten von Familien, die ein Kind verloren haben und zur Reha in der Tannheimer Nachsorgeklinik waren. Foto: Dennis Scheu

Die Ausstellung „Zurück ins Leben – Wenn ein Kind stirbt…“ der Tannheimer Nachsorgeklinik zeigt Arbeiten verwaister Familien im Villinger Münster.

Genau 28 Jahre nach der Eröffnung der Tannheimer Nachsorgeklinik eröffnete die Stiftung der Deutschen Kinderkrebsnachsorge nun eine Ausstellung mit Werken verwaister Familien im Villinger Münster.

 

Die Ausstellung „Zurück ins Leben – Wenn ein Kind stirbt…“ der Deutschen Kinderkrebsnachsorge-Stiftung für das chronisch kranke Kind sensibilisiert für ein Thema, das meist in der Öffentlichkeit nicht präsent ist: Die Schau zeigt bis Ende Januar im Seitenschiff des Münsters Arbeiten, die verwaiste Familien während ihrer stationären Rehabilitation in der Nachsorgeklinik Tannheim gestaltet haben.

All diese Familien eint das Schicksal, dass sie ein Kind verloren haben. „Wenn ein Kind stirbt, ist das für die Eltern und Geschwister ein Schock und ein tiefer Schmerz, der begleitet wird von einem unglaublichen Erschöpfungszustand“, erzählte das langjährige Gesicht der Tannheimer Klinik, Roland Wehrle, während der Vernissage der Ausstellung am Freitagabend. Nach dem Schicksal des kleinen Jan Felix im Jahr 1998 habe man sich entschieden, den Weg in Richtung eines Angebots für solche Familien zu gehen.

Drei Jahre später habe man dann die erste Reha für verwaiste Familien anbieten können, berichtete Wehrle über den langen Prozess. Heute biete die Tannheimer Klinik zwölf Mal im Jahr diesen vierwöchigen stationären Aufenthalt an: „Mehr geht nicht.“ Trotzdem sind die Wartezeiten mit bis zu 30 Monaten extrem lang, denn mit diesem Reha-Angebot ist die Tannheimer Nachsorgeklinik auch heute noch die einzige in Deutschland, in der Familien mit solch einem Schicksal Hilfe finden.

Selbst geschriebener Song rührt zu Tränen

Wie wichtig die allerdings für die Familien ist, zeigen die Kunstwerke, die während der Vernissage zu sehen und zu hören waren. Denn im Rahmen der Eröffnung spielten die Therapeuten einen selbst geschriebenen Song ab, den die Familien im Rahmen des Aufenthalts gemeinsam für ihre verstorbenen Kinder geschrieben haben. Viele der betroffenen Familien rührte dieses Lied zu Tränen.

Und auch die Kunstwerke aus Stein, Farbe oder Ton und viele aus Holz und Baumstammscheiben erzählen ähnliche Geschichten und Emotionen. „Die Eltern haben in sich ein Thema, das sie dann in eine individuelle Form bringen“, beschrieb Kunsttherapeut Jens Stürmer den Prozess. Besonders berührt habe ihn dabei die Skulptur eines Vaters, dessen Kind unter schwierigen Umständen im Ausland geboren wurde und das er selbst deshalb nie im Arm halten konnte. So zeigt seine Holzskulptur einen Vater mit leeren Händen.

Heilsame Begegnung mit anderen Betroffenen

Jedes Kunstwerk ist den verstorbenen Kindern gewidmet und teilt so mit den Besuchern sein Schicksal. Doch vor allem die „heilsame Begegnung“ mit anderen Betroffenen sei der zentrale Aspekt der Wochen in Tannheim. „Diese Familien brauchen unsere Hilfe“, fasste Wehrle zusammen: In Tannheim erhielten sie einen gut organisierten, geschützten Bereich, um selbst in den Austausch zu kommen, waren sich Therapeut und Initiator einig.

Die Ausstellung „Zurück ins Leben“ – Wenn ein Kind stirbt…“ ist noch bis Montag, 25. Januar, 6 jeweils von 9 bis 17 Uhr im Villinger Münster Unserer Lieben Frau zu sehen.