Freude am Schwimmen vermitteln drei Mitarbeiterinnen der Nachsorgeklinik Tannheim den jungen Patienten – und das ehrenamtlich.
Die Nachsorgeklinik Tannheim bietet bei der Krebs-, Herz- oder Mukoviszidose-Erkrankung eines Kindes eine vierwöchige Behandlung. Je nach Erkrankung ist auch Sport/Schwimmen Teil der Therapie. Was genau Bestandteil der Reha ist, legen Ärzte fest. „Viele Eltern kommen zu uns und sagen ’Mein Kind kann nicht schwimmen’“, erzählt die Erzieherin Anja Hauser. Daraufhin entwickelte sich die Idee, ein entsprechendes Angebot zu schaffen.
Das Projekt gibt es schon lange in abwechselnder Besetzung. Die Erzieherin Anja Hauser brachte aktuell mit der Sporttherapeutin Madita Gutberlet sowie Janina Noware, die im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes in der Nachsorgeklinik tätig ist, innerhalb eines Jahres mehr als 80 Kindern das Schwimmen bei – und das in ihrer Freizeit quasi im Ehrenamt. Die Kursgebühren in Höhe von insgesamt 2170 Euro gingen wiederum als Spende an die Nachsorgeklinik.
Ein Engagement und eine Geste, die Geschäftsführer Thomas Müller sehr freuen. „Unsere kleinen Patienten können oft nicht schwimmen, weil es mit Blick auf ihre jeweilige Krankheit zuhause kaum Angebote gibt.“ Da die Familien in die Reha mit einbezogen sind, erhalten sie zum Start eine Info, dass dieses Manko in der Klinik behoben werden kann. Und das Angebot wird gerne angenommen.
Wohlfühlen im Wasser
In einer Schwimmlerngruppe ist Platz für acht Kinder, die dann zweimal pro Woche 45 Minuten im klinikeigenen Schwimmbad verbringen. „Das Becken ist maximal 1,38 Meter tief, und es sind immer mindestens zwei Therapeuten dabei“, berichtet Anja Hauser. Außerdem unterstützt derzeit Janina Noware. Ein wichtiger Teil des Kurses ist es, die Angst vor dem Wasser zu nehmen. Die Kinder sollen sich im Wasser wohlfühlen. Seine Mitarbeiterinnen, die das in ihrer Freizeit machen, bezeichnet Thomas Müller als „wahre Motivationskünstlerinnen“. Der Kurs in einem geschützten Rahmen in der Klinik baue Vertrauen auf und schaffe Motivation, zuhause mit den Eltern weiterzumachen“, so Anja Hauser.
Bei dem Kurs bleiben die Eltern in der Regel draußen. „Hier können Kinder mit körperlichen Einschränkungen mitmachen. Die Gruppe stärkt sich gegenseitig.“ Schwimmen ist laut der Sporttherapeutin Madita Gutberlet eine intensive und gleichzeitig schonende Sportart. „Der ganze Körper wird bewegt.“ Außerdem gewännen die Kinder Selbstvertrauen und seien stolz auf ihre Fortschritte beim Schwimmen. In der Klinik kann allerdings kein Schwimmabzeichen wie beispielsweise das Seepferdchen erteilt werden. „Das müssten die Kinder zuhause machen“, so Anja Hauser.
Der ganze Körper wird bewegt
Zehn Plätze für Teilnehmer am Bundesfreiwilligenprogramm bietet die Nachsorgeklinik und hat laut Thomas Müller bisher keine Probleme, die Kapazität auszufüllen. „Das sind motivierte junge Leuten, die nach dem Abitur noch was anderes machen wollen“, sagt der Geschäftsführer. „Man nimmt viele schöne Erfahrungen mit.“ Janina Noware ist froh, dass sie sich für diesen Schritt entschieden hat. Mit Blick auf den Schwimmkursus merkt sie an: „Es ist toll wie die Kinder aufblühen und auf einmal loslassen können“. Man bekomme viel Dankbarkeit zurück, so Müller, „und das Gefühl, eine sinnstiftende Tätigkeit auszufüllen“.