Ernst Dörflinger (linkes Foto) am 18. Dezember in der Gemeinderatssitzung. Dort wurde er aus dem Arbeitskreis „Tourismus Neuried“verabschiedet. Im Jahr 2024 durfte sich Dörflinger (Bild rechts) nach der Ehrung durch den Bürgermeister Tobias Uhrich in das Goldene Buch der Gemeinde Neuried eintragen. Foto: Goltz

Ernst Dörflinger war eine Institution in Neuried. Sein unermüdlicher Einsatz prägte die Gemeinde. Am Montag ist er nach schwerer Krankheit im Alter von 79 Jahren gestorben.

Geboren und aufgewachsen im Markgräflerland, ging es für Ernst Dörflinger nach dem Abitur 1966 für sein Lehramtsstudium nach Freiburg. Nach dem abgeschlossenen Referendariat in Friedrichshafen führte Dörflingers beruflicher Weg 1971 nach Neuried – an der Realschule blieb er bis zu seiner Pensionierung 2009. 36 Jahre lang war er dort auch Vertrauenslehrer, hörte sich geduldig und einfühlsam die Probleme der Schüler an und fand mit ihnen Lösungen.

 

Dörflinger war es eine Selbstverständlichkeit, sich für die Dorfgemeinschaft einzusetzen – auch kommunalpolitisch: 1989 gründete er mit Mitstreitern die politische Gruppe Umwelt und Leben, die als Wählervereinigung bis heute wirkt. Die Stimme es Naturschutzes wurde durch ihn in der Gemeinde lauter. Von 1989 bis 2009 gehörte er dem Neurieder Gemeinderat an und war davon zehn Jahre stellvertretender Bürgermeister. Auch im Ortenauer Kreistag war er zehn Jahre tätig. 2009 erhielt Dörflinger die Ehrenmedaille des Gemeindetags in Silber. „Die Politik ließ ihn nicht mehr los’“, fasste es Bürgermeister Tobias Uhrich beim Neujahrsempfang 2024 zusammen.

Er war Mitbegründer der Riedwochen und der Dudenheimer Schatzsuche

Nach 20 Jahren zog er sich dann aus der Kommunalpolitik zurück – nicht aber aus dem eigenen Wirken für die Gemeinde. Sein Augenmerk richtete er darauf, dass Neuried weiter an Attraktivität gewinnt und in der Region an Bekanntheit gewinnt. Am 8. April 2008 fand die erste Sitzung des neu gegründeten Arbeitskreises „Tourismus Neuried“ statt. Dörflinger wurde Vorsitzender. Er setzte sich für Sitzgelegenheiten und für Wohnmobil-Stellplätze ein. E-Biketouren, Radtouren und zahlreiche Wanderungen durch das Ried organisierter er. Er war Mitbegründer der Riedwochen, des Mühlenradwegs, der Hofladen-Tour und auch der Dundenheimer Schatzsuche. Dass es das Neurieder Ferienprogramm gibt, geht unter anderem auf Dörflingers Einsatz zurück.

In der letzten Gemeinderatssitzung im Jahr 2025, am 18. Dezember, hat Bürgermeister Uhrich Dörflinger aus dem Arbeitskreis „Tourismus Neuried“ verabschiedet. „Es war eine schöne Zeit“, sagte Dörflinger in der Sitzung. Aber es sei an der Zeit, Verantwortung abzugeben, fügte er hinzu.

Außerdem war Dörflinger musikalisch talentiert. Mit Herzblut leitete er von 1974 bis 2012 den evangelischen Kirchenchor Ichenheim.

2024 wurde er zum Ehrenbürger von Neuried ernannt

„Ein großartiger Mensch“, so Uhrich beim Neujahrsempfang 2024, bei dem Dörflinger für seinen jahrzehntelangen Einsatz zum Ehrenbürger der Gemeinde Neuried ernannt wurde und sich in das Goldene Buch eintragen durfte. Auch zu diesem Anlass nutzte er die Chance, einmal mehr auf den Klimawandel einzugehen und einen Appell an die Menschen zu richten, einen eigenen Beitrag zu leisten, um die Umwelt besser zu schützen.

Auch Familie war Dörflinger sehr wichtig. Er war seit dem Jahr 1990 in zweiter Ehe verheiratet. Er hat drei Kinder und zwei Enkeltöchter.

„Ein verlässlicher Wegbegleiter“

Der Tod erfülle die ganze Gemeinde mit großer Trauer. Mit Dörflinger verliere Neuried einen hochgeschätzten Ehrenbürger, der die Gemeinde über Jahrzehnte hinweg geprägt hat. „Für mich persönlich war Ernst Dörflinger jedoch mehr als eine prägende Persönlichkeit unserer Gemeinde. Er war ein Mensch, mit dem man gerne im Gespräch war, der zugehört hat und der vielen Menschen – auch mir – ein verlässlicher Wegbegleiter war“, so Bürgermeister Uhrich gegenüber unserer Redaktion. „Wir nehmen Abschied von einem Menschen mit Haltung und Herz. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Marianne, seinem Sohn Henrik, seinen Töchtern Jennifer und Susanne sowie bei allen Angehörigen.“