Der Königsfelder Künstler Jochen Winckler ist tot. Mit Skultpuren, zumeist aus Metall, Gemälden und Zeichnungen hat er sich in der Kunstszene einen Namen gemacht. Viel haben seine beiden Hände, oft mit Zangen und Lötkoblen, gearbeitet; nun ruhen sie.
Ein Leben lang hat der Königsfelder Künstler Jochen Winckler sich viele Gedanken gemacht – und viele davon in seinen Bild-Tagebüchern verewigt. „Wie es im Himmel so zugeht oder ob‘s in der Hölle wirklich so schön warm ist“, fragte er sich in jüngster Vergangenheit zunehmend. Am 4. April ist Jochen Winckler im Alter von 84 Jahren gestorben.
Geboren wurde Winckler im Jahr 1938 in Breslau, bevor ihn sein Weg bereits 1954 nach Königsfeld führte – als Internatsschüler der Zinzendorfschulen. Hier legte er nicht nur 1959 sein Abitur ab, sondern entdeckte auch seine künstlerische Begabung. Nach seiner Schulzeit verließ Winckler Königsfeld zunächst: Er studierte er an der Kunstakademie Stuttgart, lebte dann ein Jahr lang in Südfrankreich – eine Zeit, die er einmal als die schönste seines Lebens bezeichnete.
Er arbeitet beinahe rund um die Uhr
1965 kehrte Winckler nach Königsfeld zurück. Er wurde Erzieher am Oberstufeninternat im Haus Spangenberg und später dessen Leiter. Parallel war Winckler künstlerisch tätig: Sein Büro im Internat nutzte er zugleich als Atelier, „in dem er beinahe rund um die Uhr arbeitete“, wie es in einem Nachruf der Zinzendorfschulen auf den langjährigen Mitarbeiter heißt.
Auch in Wincklers Tagebüchern, die erst Anfang dieses Jahres im Kunstraum ausgestellt waren, ist ein enormes Arbeitspensum protokolliert. Der Künstler arbeitet von früh morgens bis spät: „5 Uhr 59 ist eine gute Zeit den Tag zu beginnen – die Nacht zu beenden.“ Die Arbeit ist gewissermaßen Wincklers Lebensinhalt; Urlaub ist für den Künstler ein Fremdwort.
„Ein klarer und markanter Mensch“
„Wenn ich mit meinen Händen arbeite, werde ich sehr schnell ganz ruhig!“, schreibt Winckler an anderer Stelle in seinen Tagebüchern. Die Arbeit mit den Händen – charakteristisch für viele seiner Werke sind Lötstellen auf feinem Draht – prägte Wincklers Leben. So bezeichnete er sich selbst gerne als Handwerker, der zahllose zumeist aus Metall gearbeitete Skulpturen schuf. „Mein Handwerkszeug? Zwei bis drei Zangen, ein Lötkolben, zwei Hände!“
Gut vier Jahrzehnte arbeitete Winckler an den Zinzendorfschulen und parallel dazu als Künstler. „Jochen Winckler war ein klarer und markanter Mensch, an dem sich die Jugendlichen orientieren, auch mal reiben und auf den sie sich auf jeden Fall immer verlassen konnten“, würdigen die Zinzendorfschulen Winckler, der 2003 in den Ruhestand ging.
Skulpturen in Kunstvitrine zu sehen
Sein künstlerisches Schaffen setzte er fort. Noch im Februar enthüllte er zusammen mit Bürgermeister Fritz Link die Kunstvitrine beim Albert-Schweitzer-Haus, in dem sechs lebensgroße Metallfiguren des Künstlers stehen. Und nicht nur sein künstlerisches Vermächtnis hat Winckler gesichert: Der Grabstein stand schon seit Jahrzehnten ganz selbstverständlich in seinem Atelier in der Friedrichstraße. Auch seine Todesanzeige hat er selbst entworfen.