Mit Ulrich Hofmann ist einer der größten Ebinger Tüftler und Erfinder 100-jährig gestorben.
Viel geleistet und stets bescheiden geblieben: Diese Werte haben Ulrich Hofmann, Ingenieur, Tüftler und Erfinder aus Ebingen ausgezeichnet. Den Nebenmann glänzen lassen, nicht mit dem selbst Erreichten hofieren gehen. Solch einen Menschen wie ihn, habe es nur selten gegeben, berichten seine Weggefährten. Am 6. Januar ist Ulrich Hofmann im Alter von 100 Jahren friedlich eingeschlafen.
Sicher ist: Hofmann war in allen Phasen seines Lebens ein Frühstarter. Geboren am 14. März 1925 in Heilbronn, wuchs er mit seiner Familie im nahe gelegenen Bönnigheim auf. Bereits im Alter von sechs Jahren hat er gewusst, wohin ihn sein beruflicher Weg führen soll. Hofmann wollte Ingenieur werden. Dementsprechend studierte er später an der Esslinger Ingenieurakademie und an der Technischen Hochschule Stuttgart. In Esslingen war er wohlgemerkt der jüngste Student.
Selbstständig als Erfinder
In jungen Jahren führte es Ulrich Hofmann zur Firma Kodak nach Stuttgart, konkreter in die Forschungsabteilung für Fotokameras. Wie sich erst kürzlich herausstellte, war der spätere Ebinger der letzte Überlebende des Unternehmens. Für das Kodak-Museum in Stuttgart wurde er daher nach seiner Expertise gefragt.
Bei Kodak sollte seine Laufbahn jedoch nicht enden. 1952 verschlug es Ulrich Hofmann auf die Schwäbische Alb, genauer zu Groz-Beckert in die neue optisch-feinmechanische Entwicklungsabteilung. Warum er aus der Vielzahl an Bewerbern herausstach: Weil er zu Ende dachte, auch bei Herausforderungen nicht aufgab, bescheinigte ihm damals ein Psychologe von Groz-Beckert.
Diese Willenskraft war es auch, die Hofmann nach seinem Gang in die Selbstständigkeit als Erfinder im Ebinger Eigenheim ausmachte. Weit über ein Dutzend Patente meldete Hofmann im Laufe seiner Karriere an. Herausstachen dabei die Entwicklung eines Vierfarbkugelschreibers sowie ein mechanisches Anzeigesystem für Werkzeugmaschinen und ein Viergelenk-Möbeltürscharnier, das Scharnierbänder entbehrlich machte. Selbst vor drei Jahren war er noch erfinderisch aktiv, ehe er nach der Pandemie diese Tätigkeit an den Nagel hing.
Geehrt in Indien
Mit seinem Lebenswerk machte sich Ulrich Hofmann über die Landesgrenzen hinaus einen Namen. 2016 bekam er eine Einladung auf dem Gebiet Engineering und Technology nach Indien und wurde in Mumbai ausgezeichnet. Auch dort machte sich seine Bescheidenheit deutlich: Er widmete den Preis allen deutschen Ingenieuren.
Der stets denkende Hofmann hat in all den Jahren Ebingen als Heimat liebgewonnen, wie er selbst immer wieder betonte. Auch den Schwarzwald mochte er sehr, war bis zuletzt regelmäßig auf Ausflügen dort.
Begeistern konnte sich Hofmann auch für die Poesie. Er hat einige Gedichte geschrieben, beispielsweise über die schlechte Situation der Gasthäuser in Ebingen. 2013 vergoldete er mit der Heirat seiner Frau Gisela dann auch das private Glück. Hofmann lebte ein vollkommenes Leben, eben das eines Menschen, die es heutzutage nur noch selten gibt.