Fritz Maag aus Ebingen ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Foto: Roland Eisfeld

Der Albstädter Unternehmer Friedrich Wilhelm Maag ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

In der Geburtsurkunde stand „Friedrich Wilhelm“, aber in Ebingen kannte man ihn nur als „Fritz“. Geboren wurde Fritz Maag am 18. November 1934, und zwar unter ungünstigen Umständen: Bei der Geburt wurde ihm das Schlüsselbein ausgehängt, die Tübinger Koryphäe, die den Säugling danach untersuchte, stellte eine Fehldiagnose, und als ein weniger namhafter, aber diagnostisch trittsicherer Kollege die Sache Jahrzehnte später richtig stellte, war es für eine Therapie längst zu spät. Was zur Folge hatte, dass Fritz Maag zeitlebens einen lahmen Arm behielt und deshalb der Maxime „No sports!“ folgte.

 

Die Berufslaufbahn war vorgezeichnet

Es blieben noch etliche andere Betätigungsfelder. Fritz Maag war der Enkel von Friedrich Maag, dem Gründer des gleichnamigen Textilunternehmens – nicht zu verwechseln mit ESGE Maag, das ein anderer Zweig der Familie Maag führte – , und in den 1950er Jahren war die Berufslaufbahn vorgezeichnet, wenn man zur dritten Generation einer Fabrikantendynastie gehörte. Fritz Maag absolvierte eine kaufmännische Lehre im elterlichen Betrieb und ließ ihr ein Studium am Technikum in Reutlingen folgen.

In diese Zeit fiel die Bekanntschaft mit Sibylle Höchel – auch sie eine Unternehmertochter und -enkelin. Die beiden heirateten 1960; die Kinder Sabine, Stefan und Susanne kamen 1961, 1965 und 1966 zur Welt.

Geschäftsreisen führten ihn nach Hong Kong

Den Studienjahren folgte zügig der Eintritt in die Unternehmensführung – der Vater musste sie aufgrund von Herzproblemen und Verletzungen, die er bei einem Autounfall erlitten hatte, abgeben. Vier Jahrzehnte lang führte Fritz Maag das 1898 gegründete Familienunternehmen, das vollstufig qualitativ hochwertige Damenoberbekleidung herstellte. Produktionsstandorte waren unter anderem Freudenstadt, Winterlingen und Sigmaringendorf; die Firma Friedrich Maag zählte aber auch zu den ersten in Albstadt, die Teile der Produktion nach Fernost auslagerten – die Zahl der Geschäftsreisen, die Fritz Maag nach Hongkong führten, war am Ende dreistellig.

Weitsicht, gepaart mit Offenheit für technische Neuerungen

Dieses Ende ließ sich schließlich weder durch Produktionsverlagerungen aufhalten noch durch die unternehmerische Weitsicht, die Führungsqualitäten und die Offenheit für technische Neuerungen, die Maag auszeichneten.

In den 1990er Jahren war die Albstädter Textilindustrie dem Kostendruck und der immer stärker werdenden Konkurrenz in Fernost nicht mehr gewachsen; der Niedergang des textilen Einzelhandels, der den größten Teil der Ware aus dem Hause Maag abnahm, tat ein Übriges. 2002 kam die Firma der drohenden Zahlungsunfähigkeit durch den Insolvenzantrag zuvor. Sein Urteilsvermögen verließ Fritz Maag auch in dieser Situation nicht – er wusste, wann der Schlussstrich fällig war.

Auch ehrenamtlich war Fritz Maag jahrzehntelang tätig: Er gehörte dem Lions Club Balingen und dem Arbeitgeberausschuss des Arbeitsamts an und war von 1965 bis 1994 Aufsichtsratsmitglied der Volksbank Ebingen. In den letzten 13 dieser 29 Jahre führte er den Vorsitz und demonstrierte auf diesem Posten immer wieder seine Qualitäten als wortgewaltiger Redner, Laudator und im Bedarfsfall auch Verseschmied.

Begnadeter Zeichner und passionierter Fotograf

Ein begabter Zeichner und ein passionierter Fotograf und Videofilmer war er auch, dazu ein großer Reisender, dessen Itinerare Madagaskar ebenso umfassten wie Australien. Nur ein Kontinent taucht auf der Liste nicht auf, Südamerika – es kann nur ein Versehen gewesen sein.

Der Tod seiner Frau traf Fritz Maag hart

2016 traf Fritz Maag ein schwerer Schicksalsschlag, der Tod seiner Frau Sibylle. Er lebte danach noch neun Jahre in seinem Haus in Ebingen; gestorben ist er am 26. Oktober; die Beisetzung hat am 14. November im engsten Familienkreis stattgefunden. Fritz Maag hinterlässt seine drei Kinder und sechs Enkelkinder.