Der frühere Formel-1-Pilot aus Sindelfingen-Maichingen ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Der Rennfahrer war sowohl bei Porsche als auch bei Mercedes eine prägende Figur.
„Hans im Glück“ hat man ihn genannt, weil ihn eine Armada an Schutzengeln mehrfach vor dem Unfalltod bewahrte. Dass der Formel-1-Pilot Hans Herrmann mal 97 Jahre alt werden sollte, war in seinen jungen Jahren nicht abzusehen. „Vor jedem Rennen hat man sich überlegt, wen es diesmal trifft, wer diesmal stirbt“, hat er einmal gesagt, „natürlich war aber auch klar, dass einem selbst nichts passiert.“ Mit Angst ist der gelernte Konditor, der für Porsche und Mercedes gestartet ist, niemals ins Sportauto gestiegen.
1959 prallte Herrmann auf der Berliner Avus bei Tempo 290 in einem Rennwagen des britischen Herstellers BRM frontal gegen einen nassen Strohballen und wurde aus dem Wagen geschleudert – das Auto flog 50 Meter weiter. „Du kannst doch jetzt nicht sterben, wo es so viele schöne Mädels gibt“, hatte er da gedacht. „Hans im Glück“ überlebte auch hier. Ein Jahr später lernte er eine Düsseldorferin kennen und sagte der wilden Zeit als Frauenheld Ade. Über seine Magdalene hat er einmal gesagt: „Sie ist die beste Frau der Welt und hat einen wesentlichen Anteil daran, dass ich so alt geworden bin.“ Für sie hat er 1970 nach dem großartigen Porsche-Sieg in Le Mans seine Rennfahrerkarriere beendet – ohne die Saison zu Ende zu fahren. Bei der Abfahrt zu dem Langstrecken-Klassiker in Frankreich hatte er seiner Ehefrau versprochen, nach einem Sieg in Le Mans nie mehr ein Rennen zu bestreiten. Daran hat er sich gehalten – und sich mit Erfolg seinem Handelsunternehmen für Autozubehör gewidmet.
„Hans Herrmann ist immer bescheiden geblieben“
Mit seinen sportlichen Leistungen, aber auch mit seiner Art hat Herrmann bei Zeitgenossen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. So erzählte der frühere EU-Kommissar und Ministerpräsident Günther Oettinger in seiner Gratulationsrede zum 95. Geburtstag Herrmanns, wie er als Schüler für den Rennfahrer schwärmte und begeistert die Artikel über ihn in den Stuttgarter Zeitungen las. Später habe er Herrmann als Politiker bei Empfängen oder Museumseröffnungen persönlich kennen gelernt. Oettinger schätzte ihn für seine „sympathische, fröhliche, stets positiv denkende Art“ und dafür, dass er „immer bescheiden“ geblieben sei.
Bis vor kurzem ist Hans Herrmann noch Auto gefahren, auch wenn sein Fahrzeug kleiner und deutlich weniger leistungsstark war als er es zu aktiven Rennfahrerzeiten gewohnt war: In hohem Alter legte er in seinem Smart nur noch kürzere Strecken zurück. Der Formel 1 war er weiter verbunden, die Rennen schaute er sich im Fernsehen an.
Nicht nur Unfälle hat er überlebt, auch eine Entführung musste er 1991 erdulden. Die Liebe zum Rennsport war ihm in die Wiege gelegt. Das Elternhaus der späteren Rennfahrerlegende stand direkt an der Stuttgarter Solitude-Rennstrecke. Bei den beiden Stuttgarter Autoherstellern Porsche und Mercedes war Herrmann eine prägende Figur. Entsprechend traurig und voller Ehrfurcht ob seiner Leistungen äußern sich Vertreter beider Konzerne angesichts des Todes Hans Herrmanns, der am 9. Januar im Alter von 97 Jahren gestorben ist. „Er war einer der erfolgreichsten Werksrennfahrer der Porsche AG. Mit dem Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans im Jahr 1970 auf Porsche 917 haben Richard Attwood und er Geschichte geschrieben“, sagt Thomas Laudenbach, Leiter von Porsche Motorsport. Die Nachricht von Herrmanns Tod „hat uns alle sehr getroffen“.
Im Jahr 1952 startete Herrmann mit einem Porsche 356 bei seinem ersten Rundstreckenrennen am Nürburgring – und gewann. Seine internationale Karriere begann er 1954 und 1955 als Werksfahrer von Mercedes-Benz in der Formel 1 und in Sportwagenrennen. „Mit großer Dankbarkeit erinnern wir uns an Hans Herrmann, einen herausragenden Rennfahrer, der die Geschichte von Mercedes-Benz maßgeblich geprägt hat“, sagt Marcus Breitschwerdt, Chef der Mercedes-Benz Heritage GmbH. Als Teil der „legendären Silberpfeil-Rennfahrer Mitte der 1950er-Jahre beeindruckte er im Rennen durch seine Schnelligkeit und Sicherheit“. Nach seiner aktiven Karriere sei Herrmann der Marke als Vertreter von Mercedes-Benz Heritage eng verbunden geblieben, so Breitschwerdt.
Herrmann habe sich mit Teilnahmen an Grand-Prix-Rennen der Formel 1 und Formel 2, bei Sportwagenrennen und bei Rallyes als ausgesprochen vielseitiger Motorsportler erwiesen, ergänzt der Mercedes-Manager. Er war nicht nur in Fahrzeugen von Mercedes und insbesondere mit Renn- und Sportwagen von Porsche unterwegs. Sondern er saß auch in Cockpits von B.R.M.-, Cooper-, Maserati-, Abarth- und Veritas-Rennwagen.
Wie man ein guter Rennfahrer wird? Hans Herrmann hatte da einen besonderen Blick auf die Dinge: „Man muss ganz sanft lenken – so sanft, wie man mit einer Frau umgeht.“ Hans Herrmann hinterlässt seine Frau Magdalene und zwei Söhne sowie einen Enkel.