Mit dem Verkauf von Kuschelbären machte Erwin Moser über Jahrzehnte Kinder mit einer Krankheit oder Behinderung und deren Familien glücklich. Foto: Störr

Der plötzliche Tod von Erwin Moser, dem Initiator und Motor des Hausacher Bärenadvents, erschüttert das Kinzigtal.

Der Schock in Hausach und im gesamten Kinzigtal sitzt tief: Erwin Moser, Initiator, Gründer und Motor des Hausacher Bärenadvents, Vorstand des Forums Hausach ist in der Nacht zum Montag unerwartet gestorben. Er wurde nur 63 Jahre alt. Sein Tod hinterlässt eine klaffende Lücke.

 

Noch vor einem Tag hatte Moser in den sozialen Medien Werbung für die Eröffnung des Hausacher Weihnachtswalds am Sonntagabend gemacht, eines der vielen Projekte, die Moser organisierte, unterstützte oder initiierte. Sein Größtes war aber seit vielen Jahren der Hausacher Bärenadvent. Dieser geht auf eine Initiative von Anne Maier zurück. Selbst an Krebs erkrankt, setzte sie sich seit 1994 für kranke Kinder ein. Mit dem Forum Hausach gründete sie ab 2000 die Aktion Bärenkind. Dessen Vorsitzender war seit 1994 Erwin Moser, der in Hausach und Zell Läden für Herrenmode betrieb.

Seit 2021 unterstützt die Aktion zwei Kinder pro Jahr

Der Erlös aus den Anne-Maier-Bären ging ab diesem Zeitpunkt an kranke Kinder aus Hausach oder der näheren Umgebung, deren Familien die Spenden verwendeten, um die Krankheit des Kindes zu bewältigen. Als Maier 2013 starb, lebte ihre Idee weiter – unter anderem durch Erwin Moser, der den Bärenadvent weiter vorantrieb, so wie er es Maier vor ihrem Tod versprochen hatte.

Und das mit Erfolg: Jedes Jahr wurde ein neues Bärenkind aus der Region oder mit Verbindungen zum Kinzigtal ausgewählt, meistens vorgeschlagen durch Verwandte und Freunde. Konzentrierten sich die damit verbundenen Aktionen zunächst vor allem im Advent, wurden sie bald auf das ganze Jahr ausgedehnt. Am Ende waren es jährlich knapp 100.

Mehr als 30 Mädchen und Jungen sind seit Beginn des Bärenadvents unterstützt worden. Die Summen, die zusammenkamen, wurden im Lauf der Zeit größer und seit 2021 war es sogar möglich, zwei Bärenkinder pro Jahr zu helfen. Zeitgleich gründete sich der Verein „Hausacher Bärenadvent“, der Stand der jüngsten Hauptversammlung im Sommer diesen Jahres 170 Mitglieder zählt. Vorsitzender war Erwin Moser, dem ein Team engagierter Mitstreiter zur Seite stand, die sich gemeinsam für den guten Zweck einsetzten.

So schafften sie es im März diesen Jahres, Mosers selbst erklärtes Ziel, mit dem Bärenadvent die Eine-Million-Euro-Spenden-Marke zu knacken – pünktlich zum 25-jährigen Bestehen der Aktion. Mosers Glaube an das Gute wurde damit einmal mehr bestätigt: „Der Mensch will im Grunde gerne helfen“, legte er damals im Gespräch mit unserer Redaktion seine Überzeugung und Motivation dar. Er war das beste Beispiel: Er schrieb sich selbst scherzhaft ein „Helfer-Syndrom“ zu und erklärte: „Die Menschen glücklich zu sehen, macht mich glücklich“, wie er damals zusammenfasste.

Doch es ging ihm nicht nur darum, Familien mit kranken oder behinderten Kindern finanziell zu unterstützen, sondern auch darum, für sie Akzeptanz und Sichtbarkeit in der Gesellschaft zu schaffen. Das betonte Moser immer wieder.

Vor drei Jahren erhielt er die Stauffer-Medaille

Sein Engagement war eng verbunden mit seinem Charisma und seiner offenen Art. Er scheute sich nicht, für die gute Sache offen zu werben und zog mit seiner Energie alle Menschen um sich herum mit. Dennoch hatte er auch ein Herz für diejenigen, die sich nicht in die Öffentlichkeit trauten. Der Hausacher Bärenadvent unterstützte seit 2022 nicht nur die alljährlichen Bärenkinder, sondern auch die sogenannten „stillen Kinder“, die den Schritt in die öffentliche Wahrnehmung nicht gehen wollten – bis zu zehn Stück pro Jahr. Für sie finanzierte der Bärenadvent beispielsweise Therapiehunde, Sessellifte oder therapeutisches Reiten.

Für all diese Verdienste wurde Moser 2022 mit der Stauffer-Medaille ausgezeichnet, die langjähriges ehrenamtliches, gesellschaftliches oder bürgerschaftliches Engagement würdigt und eine der höchste Ehrungen des Landes darstellt. Bei deren Verleihung zeigte sich Moser gewohnt bescheiden: „Ich sehe die Auszeichnung auch als Anerkennung für das ganze Bären-Team“, sagte er damals.

Bei diesem Team sowie bei seiner Familie hinterlässt Erwin Mosers Tod neben dem Schock eine riesige Lücke. Mosers Stellvertreter im Verein Hausacher Bärenadvent, Timo Lehmann, sagt: „Er war ein Mensch mit viel Charisma. Ich kann gar nicht genau sagen, wie er es immer gemacht hat, die Menschen zum Gutem zu animieren. Und er war einfach ein netter Kerl, mit dem man gut zusammensitzen und auch mal Quatsch machen konnte“, erzählt er.

Ebenso bestürzt ist Hausachs Bürgermeister Wolfgang Hermann. „Fassungslos und unendlich traurig“ sei er, erklärte er unserer Redaktion. „Noch gestern Abend wollten wir gemeinsam den Weihnachtswald in Hausach eröffnen, wir standen bis spät in Kontakt“, berichtet er.

Erwin Moser sei der unermüdliche Motor des Bärenadvents und des Forum Hausach gewesen. „Sein Engagement, sein Tatendrang und sein beständiges Bestreben, unserer Stadt und besonders seinen Bärenkindern Gutes zu tun, waren außergewöhnlich“, so Hermann. Viel zu früh verliere Hausach einen „herausragenden Menschen, einen echten Hausacher, der sich mit ganzer Kraft für unsere Gemeinschaft eingesetzt hat“. Für Hermann sei er mehr als ein geschätzter Mitbürger gewesen – „er war ein Freund“, erklärt der Bürgermeister.

Neben ihnen trauern um Erwin Moser seine Frau Anette und seine drei Kinder.

Weitere Aktivitäten

Auch wenn Erwin Moser das Gesicht des Hausacher Bärenadvents war, daneben war er auch ein bekanntes Gesicht in der Gewerbelandschaft Hausachs, und das nicht nur, weil er Modegeschäfte betrieb. Er war außerdem bis 2012 Vorstand der Werbegemeinschaft und initiierte ab 1995 als treibende Kraft den Hausacher Muttertagsmarkt, der zu den großen Volksfesten im Kinzigtal zählt.