Ein Radio-DJ seit 1967: Rainer Nitschke (rechts sein Kumpel Freddy Quinn) Foto: Archiv/privat

Er hat Peter Maffay groß gemacht und Nena einmal aus der Sendung geschmissen: Jetzt ist die Radiolegende Rainer Nitschke gestorben.

Treue Hörer von SWR und seines Vorgängersenders SDR dürften sich noch an seine warme freundliche Stimme erinnern. Jahrzehntelang war Rainer Nitschke mit seinen Sendungen ein treuer Alltags-Begleiter und galt als die „Stimme des Südens“. Fast 50 Jahre saß der gebürtige Stuttgarter am Mikrofon, war charmant, ohne sich in den Vordergrund zu spielen, und verbreitete gute Laune, ohne laut zu sein. Jetzt ist er im Alter von 79 Jahren gestorben.

 

Sein Einstieg ins Radiogeschäft geht auf eine Zeit zurück, als die Sendungen noch „Gut aufgelegt“ und „Der fröhliche Wecker“ hießen. Entdeckt wurde er bei Radio Luxemburg, wo man damals seiner Zeit voraus war. Auch Nitschke war als Jugendlicher ein großer Fan gewesen. Er habe die Sendungen des deutschsprachigen Programms über Mittel- und Kurzwelle gehört. „Die Moderatoren hatten eine gewisse Lockerheit“, erinnerte sich Nitschke später. So wollte er auch Radio machen.

Der SWR wurde zum Heimatsender

Dass es klappte, hatte Nitschke – damals Schauspielschüler – der Schauspielerin Ursula Herking zu verdanken, die über die notwendigen Kontakte zu dem Sender verfügte. Seine Stimme könne man dort durchaus gebrauchen, befand sie und legte ein gutes Wort für ihn ein. Schon bald kam er auch mit dem Süddeutschen Rundfunk in Kontakt, der zu seinem Haus- und Heimatsender werden sollte und dem er mehr als 30 Jahre lang treu blieb.

Bei der Sendung „Zu Gast“ durfte Nitschke Showstars, Prominente und Politiker interviewen. Zu seinen Gästen gehörten Heiner Geißler, Hardy Krüger und Bernhard Grzimek. Freddy Quinn wurde zu einem Freund. Peter Maffay soll Nitschke sogar selbst entdeckt haben. Doch das wies der bescheidene Moderator später von sich. „Ich habe nur das erste Interview seiner Karriere gemacht. Ich war 23, Peter 21 und extrem aufgeregt“, erinnerte sich Nitschke später. „Ich konnte ihn in der Sendung beruhigen.“

Warum er Nena aus der Sendung schmiss

Arroganz konnte Nitschke allerdings nicht leiden – und die ließ er auch berühmten Künstlern nicht durchgehen. Legendär ist, wie er einmal Nena aus seiner Live-Sendung warf. „Grund war ein unmögliches Benehmen ihrerseits einem geschätzten Kollegen gegenüber“, erzählte Nitschke später. „Hol mal meine Jacke, du Penner“, soll sie zu ihm gesagt haben. Den Rausschmiss rechtfertigte Nitschke auch vor dem enttäuschten Publikum. „Die Hörer haben das aber genauso gesehen und es verstanden.“

Nitschke hat Radio-Geschichte geschrieben. Er war aber auch dabei, als Geschichte geschrieben wurde. Als 1989 in Berlin die Mauer fiel, war er es, der die ARD-Nachtsendung moderierte und mit Live-Schalten improvisieren musste; das war auch für ihn ein besonderes Erlebnis. Am Sonntag ist Nitschke, der zuletzt in Kehl lebte, gestorben. Bis zuletzt lief an diesem Tag beim Schwarzwaldradio seine Sendung „Sonntag mit Nitschke“. Die vergangenen neun Jahre hatte er dort Hits aus den 1960er bis 1990er Jahren präsentiert. „Sein Platz im Studio bleibt nun leer“, schrieben seine Kollegen. „Wir werden dich sehr vermissen, Rainer.“