Ein Wirt mit Leib und Seele – das war Josef Müller. Der frühere „Kronenwirt“ ist nun im Alter von 70 Jahren verstorben.
Wohl jeder, der ihn kannte, verbindet positive Erinnerungen mit ihm. Gerne kam er nach getaner Arbeit in der Küche zu den Gästen und hielt an der Theke die Stellung, um die Besucher weiter zu versorgen. Er hatte stets einen Spruch auf Lager und war gerne im Gespräch. Nun ist er am 10. Juli im Hospiz seiner Krankheit erlegen.
Als Ältester von drei Geschwistern war der Werdegang zum Wirt des früheren Traditionsrestaurants „Krone“ der logische Weg – obwohl er selbst gerne Erzieher geworden wäre.
Geboren wurde Josef Müller am 19. Juli 1954 in Schramberg. Nach dem Schulabschluss folgte eine Lehre zum Metzger bei Erich Reich in Sulgen. Weitere Berufserfahrungen sammelte er im Hotel Tannenhof in Lauterbach und im Hotel Hänslehof Bad Dürrheim.
Wirtschaft brummte
Gebraucht wurde er aber bereits damals in der „Krone“. Diese betrieben Anfang der 1980er-Jahre Josef Müllers Mutter Franziska sowie die Tanten Theresia und Maria. Nach Feierabend in Bad Dürrheim hastete er daher nach Hardt und arbeitete in der „Krone“ mit.
Kinder und Enkel hoch im Kurs
Sein privates Glück fand er 1980, als er seine Frau Christel heiratete. Fortan stand die Familie – zu der schon bald die Kinder Kristin und Marc und später drei Enkel dazu kamen – hoch im Kurs. Ein Jahr später legte er die Prüfung zum Küchenmeister ab und arbeitete im Kurhaus in Friedenweiler.
Im Mai 1983 war es soweit: Josef und Christel Müller übernahmen die „Krone“. Die überragende Kochkunst von Josef Müller und die herzliche Art waren mit ein Grund dafür, dass die Wirtschaft brummte.
Ein Schicksalsschlag machte aber schon Ende 1983 einen Strich durch die Rechnung: Die „Krone“ brannte.
Über eine Leiter gerettet
Ein glimmender Zigarettenstummel kam im Abfalleimer mit Papier in Kontakt – und das löste den Brand aus. Die Familie musste von Nachbarn mit einer Leiter über den Balkon gerettet werden.
Wirtschaftsbetrieb endet 2009
Die Wirtschaft wurde rasch renoviert. Nicht nur wegen des legendären „Holzfäller Grilltellers“ strömten die Gäste herbei. Hochzeiten, Vereinsversammlungen und Feste wurden gefeiert. Es wurde dort sogar Theater gespielt.
2009 kam ein weiterer Einschnitt im Leben von Josef Müller, als die „Krone“ geschlossen wurde. Er blieb aber noch eine Weile Küchenchef – und zwar bei der Bäckerei Brantner, wo er Mittagessen zubereitete.
Später war er gar mit dem Wurstwagen der Metzgerei Hils in der Umgebung unterwegs. Er verkaufte gerne, hielt aber fast ebenso gerne ein Schwätzchen mit den Leuten.
Förderer der Vereine
Der Optimismus von Josef Müller und seine Lebensfreude waren ansteckend. Auch beim Wischen der Straße dauerte es oft länger – da er nicht selten im Gespräch steckte.
Förderer der Vereine
Josef Müller war ein Förderer der Hardter Vereine. Fußballer und Ringer feuerte er mit viel Herzblut an. In jungen Jahren spielte der leidenschaftliche Fan des FC Bayern Fußball beim FC Hardt.
Später widmete er sich dem Schwimmen in Tennenbronn und St. Georgen. Schnelle Autos und Motorräder hatten es ihm ebenso angetan wie die Rockmusik.
Im Ruhestand übernahm er Fahrdienste für Bewohner des Adlerbrunnens Dunningen, bis seine Diagnosestellung das nicht mehr zuließ.
Geschichte des Gasthofs „Krone“
Die Gaststätte „Krone“
wurde 1902 von Stefan Dengler in der Ortsmitte gegründet. Dort war einst im Untergeschoss eine Kegelbahn. 1908 kam der Saal hinzu – der erste in der damals 800 Einwohner zählenden Gemeinde.
Franz Haberstroh,
Großvater von Josef Müller, kaufte den Gasthof 1913. Die Kegelbahn wandelte er in eine Schreinerei um. Franz Haberstroh starb bereits 1934 im Alter von 54 Jahren. Fünf Töchter und ein Sohn führten die Wirtschaft fort.
1953 heiratete
die Tochter Franziska Haberstroh Metzgermeister Josef Müller senior aus Mariazell und übernahm 1956 den Betrieb. Nun wurde eine Metzgerei im Untergeschoss eingerichtet. Auch Gästezimmer kamen hinzu.