Ein Bild aus dem Familienalbum. Anneliese Kleynsteuber an der Theke im „Bad“. Foto: T. Kleynsteuber

Sie war eine immens fleißige, immer fröhliche Gastwirtin: Anneliese Kleynsteuber vom Gasthaus Bad ist kurz vor ihrem 83. Geburtstag gestorben.

Schwer vorstellbar, wenn man jetzt ins Gasthaus Bad ins Christophstal kommt und nicht von „der Annelies“ begrüßt wird. Und doch ist es so. Anneliese Kleynsteuber ist wenige Wochen vor ihrem 83. Geburtstag gestorben. Die Trauerfeier war im kleinen Familienkreis.

 

Mit Anneliese Kleynsteuber verbindet sich die Erinnerung an eine immens fleißige, immer liebenswerte, fröhliche Gastwirtin vom guten alten Schlag, Frau und Mutter, Gastgeberin von Herzen, die so gern lachte.

In Freudenstadt geboren, stand sie schon in jungen Jahren in der Gastwirtschaft, die sie zunächst mit ihren Eltern, später unterstützt von Ehemann und den beiden Söhnen führte. „Man ging zur Frauzin“, erzählte Anneliese Kleynsteuber einst aus früheren Jahren, als sie – damals noch Anneliese Frauz - selbst in der Küche stand und das, was sie zubereitet hatte, den Gästen selbst servierte. Es waren kleine, herzhafte Gerichte: Schnitzel, Wurstsalat mit Kürbiswürfeln, deftige Schwarzwälder Vesper und wenn sonntags ein Braten in der Röhre brutzelte, auch mal ein Braten mit Beilagen.

Die Rechnung auf ein Blöckchen gekritzelt

Immer in einer weißen Kittelschürze, die Rechnung auf ein kleines Blöckchen gekritzelt und blitzschnell im Kopf addiert, so kannte man die „Annelies“, wie sie ihre Freunde nennen durften. Gern setzte sich zu ihnen an den Tisch, um zu hören, was sich „in der Stadt“ alles getan oder nicht getan hat.

Sie blieb auch dann ruhig, wenn’s hoch her ging bei Familienfesten aller Art, bei Partei-Sitzungen im Nebenzimmer, wenn Skifahrer und Handballer ihre Siege dort feierten, wenn Jahrgänger oder Wandergruppen einfielen. Dann setzte sie sich oft ans Klavier und sang mit ihnen die guten alten Wanderlieder von Bergeshöhn und der Mühle im Tal.

380 Stufen runter, 30 Stufen hoch

Ihre Gäste kamen meist die etwa 380 Stufen von der Adlersteige ins Christophstal gestiefelt, um dann im historischen Gasthaus 30 Treppenstufen zum Gastraum im zweiten Stock wieder hoch zu steigen. Dort hat sich über Jahrzehnte kaum etwas verändert. Etwa 60 Plätze in Wirtsstube und im Nebenzimmer, die um die halbe Gaststube herumlaufende hölzerne Sitzbank an der Wand, der Kachelofen, der Blick aus den kleinen Fenstern hinauf zur Stadt und hinein ins Tal. Im „Bad“ war und ist es immer urgemütlich.

Willkommene Pause an einem arbeitsreichen Tag. Anneliese Kleynsteuber blickt von der Treppe zum Christophstal auf „ihr“ Gasthaus Bad. Foto: T. Kleynsteuber

Die um das Jahr 1860 eröffnete Gastwirtschaft trägt den Namen Bad von der öffentlichen Badeanstalt, die es dort in einem Nebenhaus gab. Die Familie Frauz betrieb das Lokal von Anfang an. Anneliese Kleynsteuber war bereits Gastwirtin in der dritten Generation. Ihre Eltern Hilde und Karl Frauz junior hatten das „Bad“ zu dem gemacht, was es heute ist.

Ihre Tochter Anneliese heiratet Klaus Kleynsteuber, der in der nahen Tuchfabrik, später beim Krankenhaus beschäftigt war und viel in der Gastwirtschaft mithalf. Er kümmerte sich auch um den riesigen Garten mit 140 Obstbäumen, aus dem die frischen Blumen kamen, die auf den Tischen im „Bad“ standen. Klaus Kleynsteuber starb bereits 2007.

Söhne stiegen früh in die elterliche Gastwirtschaft ein

Die beiden Söhne Bernd (Jahrgang 1974) und Thomas (Jahrgang 1976) traten in die Fußstapfen ihrer Mutter. Beide sind ausgebildete Köche, Thomas dazu Hotelfachmann und Betriebswirt. Sie stiegen früh in die elterliche Gastwirtschaft ein, führten sie behutsam in eine neue Zeit, trotzdem Stil und Ambiente des „Bad“ sorgsam pflegend.

Anneliese Kleynsteuber arbeitete bis Anfang der 20er-Jahre voll mit, zog sich dann – krank geworden – immer mehr zurück und wurde von ihren Söhnen gepflegt. Die Gartenschau erlebte sie vorwiegend aus dem Fenster und genoss mit ihrem Sohn eine gemeinsame Rikscha-Fahrt durch das blühende Gelände.