Vom Schönbuch bis zum Rammert war Alexander Köberle als Leiter des Kreisforstamtes zuständig. Der Wald war für den Rottenburger nicht nur Arbeitsinhalt sondern in der Freizeit ein Ort zum Glücklichsein. Foto: prv

Der langjährige Forstamtsleiter im Kreis Tübingen, Alexander Köberle, starb im Alter von 66 Jahren. Mitarbeiter schätzten den Rottenburger als klugen Forst-Fachmann und zuhörenden Chef.

Wenn der Orkan über das Land hereinbricht, kann einem das schon mal den Boden unter den Füßen wegziehen. Wie hilfreich, wenn man so tiefgründig geerdet ist wie Alexander Köberle. Er war gerade ein Jahr lang offiziell im Amt als Leiter des staatlichen Forstamtes in Rottenburg, als der Orkan Lothar Weihnachten 1999 große Flächen im Rammert und im Schönbuch verwüstete. Die Naturgewalt legte junge Bäume sowie fast zweihundert Jahre alte Eichen gleichermaßen wie Mikado-Stäbchen um. „Es bringt ja nichts, zu jammern“, sagte Köberle später über die Zeit nach Lothar. Wiewohl tief beeindruckt von der Zerstörungskraft des Orkans, machten sich Köberle und sein Team mit tatkräftiger Zuversicht daran, die Sturmschäden zu beseitigen und den Wäldern beim Neuaufwuchs zu helfen.

 

Alexander Köberle stand für kluge, naturnahe Forststrategie

Aufgewachsen in einer Bauernfamilie bei Ravensburg – Großvater, Vater und Onkel waren Waldbesitzer – hatte Köberle von Kindesbeinen an gelernt, was die Natur aus sich heraus zu leisten vermag, und dass man als Waldbesitzer und Förster gut daran tut, dies zu nutzen. Nach Lothar setzten er und seine Mitarbeiter auf die Naturverjüngung des Waldes: Erst eroberten Birkenschösslinge die Kahlflächen, später half der Samenanflug beim Aufwuchs eines bunten Mischwaldes. Es ist nur ein Beispiel für die kluge, naturnahe Forststrategie, für die Alexander Köberle stand.

Köberle stellte sein Leben in den Dienst an der Natur. Und sein Leben war erfüllt vom Glück, in der Natur zu Hause zu sein. Geboren wurde er 1959 in Weingarten. Weil seine Familie ein abgelegenes Einzelgehöft bewirtschaftete, lebte er mit zehn Jahren unter der Woche bei einer Tante in der Nähe von Weingarten, um die weiterführende Schule besuchen zu können. Nach dem Abitur studierte er Forstwissenschaft in Freiburg. Während seines Forstreferendariats war er im damaligen staatlichen Forstamt Rottenburg, an das er Mitte der 1990er Jahre erst als Amtsverweser, dann als Leiter und Nachfolger von Forstdirektor Ottmar Schilling zurückkehrte. Als die staatlichen Forstämter 2005 in die Landratsämter eingegliedert wurden, wurde Köberle Leiter des neugegründeten Forstamtes Tübingen.

Vom Schönbuch bis zum Rammert reichte sein Zuständigkeitsbereich. Er vereint handtuchschmale Privatwaldstreifen, Gemeindewälder und Großreviere des ehemaligen Ortsadels. Köberle war zuletzt Chef von 22 forstlichen Mitarbeitern, acht Beschäftigten im Innendienst, 21 Waldarbeitern und bis zu 14 Auszubildenden. Er engagierte sich zudem als Ausbilder im Forstreferendariat und auch in der Lehre der Hochschule für Forstwissenschaft Rottenburg. „Zahlreiche junge Forstleute und Studierende durften von ihm lernen und verdanken ihm viel“, schreiben HFR-Rektor Bastian Kaiser und Stefan Ruge in ihrem Nachruf auf der Homepage der Hochschule.

„Zahlreiche junge Forstleute durften von ihm lernen“

In seiner alten Heimat Weingarten hatte er seine spätere Ehefrau Gabi kennengelernt. Die beiden heirateten 1993. Zwei Töchter, Katrin und Simone, kamen zur Welt. Die Familie zog 1998 von der ersten gemeinsamen Wohnung in Hagelloch nach Rottenburg. Auch wenn er bald „ein Rottenburger“ wurde, war es ihm wichtig, Kontakt zu Freunden von früher zu pflegen, sie zu besuchen oder mit ihnen zusammen durch die Wälder und über die Felder rund um Rottenburg zu wandern. Natürlich nach genau ausgearbeitetem Routenplan. Denn neben seiner ausgeprägten Pünktlichkeit war auch sein planvolles Vorgehen in allen Dingen nicht nur auf sein Berufsleben beschränkt: Er hatte neben dem Plan A immer auch einen Plan B und einen Plan C.

Schon als 16-Jähriger machte Köberle übrigens den Jagdschein. Dienstlich und privat blieb die Jagd ein Leben lang seine Passion. Er spielte Jagdhorn, und es gibt wohl niemanden, der mehr Lieder aus dem „Grünen Jägerliederbuch“ auswendig kannte als er. Und wenn bei den Wochenend-Spaziergängen durch den Wald seine Frau und die beiden Töchter dabei waren, war das Leben annähernd perfekt.

Wiewohl er als Verwaltungschef Karriere machte, war Köberle „immer sehr nah an der Praxis“, sagt HFR-Rektor Kaiser. Sein Chef-Büro verließ Köberle nur zu gerne für Vorort-Termine, um mit Mitarbeitern Probleme und Strategien dort zu erörtern, wo Handlungsbedarf bestand: im Wald. Als Chef formulierte er zwar klar seine Erwartungen, brachte jedoch seinen Mitarbeitern großes Vertrauen entgegen, ließ ihnen Freiheiten, schätzte ihren Sachverstand und ließ sie, wenn’s mal kritisch wurde, nie im Regen stehen: So prägte gegenseitige Wertschätzung das Team der Forstverwaltung. „Er war absolut zuverlässig, jederzeit ansprechbar“, sagt der langjährige Rottenburger Revierleiter Lorenz Truffner über seinen ehemaligen Chef. „Man konnte mit ihm gute Kompromisse finden.“ Auch wenn Köberle großen Wert darauf legte, dass alles rechtlich korrekt lief, sei er „kein Paragrafenreiter“ gewesen. „Man konnte Dinge auch mal hemdsärmlig regeln.“ Und er hatte ein Gespür dafür, dass neben dem Alltag auch mal so was möglich sein muss: Im Dezember 2019 reisten Köberle, Lorenz Truffner und eine Delegation des THW nach Berlin, wo eine Tanne aus dem Rottenburger Stadtwald das Kanzleramt als Weihnachtsbaum schmückte.

2023 ging Alexander Köberle in den Ruhestand. Die Gegend mit dem Rad erkunden, Nachmittagskaffee auf der Terrasse im Garten trinken, Sport machen, Zeit mit der Familie verbringen, Freunde sowie ab und an frühere Kollegen besuchen: So hätten die Tage, einer nach dem anderen, kommen können, und es wären für Alexander Köberle glückliche Tage gewesen.

Am 24. März starb Alexander Köberle überraschend im Alter von 66 Jahren an Herzversagen. Die Trauerfeier ist am Freitag, 10. April, um 10 Uhr in der Klausenkirche. Die anschließende Urnenbeisetzung findet im engsten Familien- und Freundeskreis statt.