Carl Christian Hirsch (CDU) kam als Nachrücker ins Nagolder Stadtparlament und hat keine Angst vor Verantwortung. Foto: Kunert

Er ist einer der Nachrücker im aktuellem Nagolder Gemeinderat: Carl Christian Hirsch, CDU. Er folgte auf Thomas Baitinger, der im Mai aus persönlichen Gründen auf sein Mandat verzichtet hatte. Im Augenblick sei er im Gremium "noch Beobachter". Aber privat hat Hirsch Rugby gespielt – das lässt einiges erwarten.

Nagold-Hochdorf - Denn Konflikte, so scheint es, scheut Carl Christian Hirsch nicht. Seine Position im Rugby sei die des "Haklers" gewesen – vorne im Sturm, eine der körperlich anspruchsvollsten und gefährlichsten Positionen in diesem Sport. "Da, wo es richtig knallt!" Aber der Hakler ist auch derjenige, der die besten technischen Fähigkeiten braucht, die Taktik bestimmt. Was sich tatsächlich direkt auf den politischen "Hirsch" übertragen lässt: Es gibt wohl wenige Gemeinderäte – auch in Nagold –, die so gut auf dieses Mandat vorbereitet sind wie der heute 36-jährige CC Hirsch.

Hirsch wurde in Heilbronn geboren, ist in Untergruppenbach aufgewachsen – in einer durch und durch politischen Familie. Er ist der Sohn von Friedlinde Gurr-Hirsch, die – eigentlich Berufsschullehrerin – über Gemeinderat, Kreistag und als Mitglied des baden-württembergischen Landtags bis in die Position der Politischen Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum in Stuttgart aufstieg. Aber auch CC Hirschs Großvater und Onkel saßen im Gemeinderat. Hirsch selbst wuchs bei seinen Großeltern auf, die eine Landwirtschaft betrieben. Beim gemeinsamen Mittag der Großfamilie beherrschte immer die (Kommunal-)Politik die Gespräch. "Was so passierte" – auf dem Hof, im Ort, im Land und Bund.

Ein Credo der Mutter, das ihn geprägt habe: "Der Gesellschaft etwas zurückgeben" vom eigenen Glück– "eigentlich sogar mehr, als man selbst bekommen hat". Das habe auch etwas "mit dem Christsein" zu tun, dem Pietismus, der ihn von klein auf geprägt habe. Damit verbunden sei der Wille zur Arbeit, auch "Verantwortung zu übernehmen", wo es nötig sei. Hirschs Vater war Geschäftsführer des Württembergischen Weinbauverbands (Zitat CC Hirsch: "Die Weinreben fehlen mir in Nagold."), in der Familie gab es selbstständige Metzger, Bäcker, Kfz-Meister. Auch CC Hirschs eigener Weg bedeutete früh, Verantwortung zu übernehmen – als Klassensprecher zum Beispiel. Oder später in Tübingen während des Studiums (Politik, Rechtswissenschaften) als Chef der "liberalen Hochschulgruppe".

"Etwas zurückgeben vom eigenen Glück"

Was für einen überzeugten Christdemokraten schon erklärungsbedürftig ist: Die "Junge Union hat mir nicht so gefallen", die an der Uni den Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) dominiert habe. Daher habe er sich, so Hirsch, bereits als CDU-Mitglied "sehr vom Liberalen begeistern lassen". Was meint: Hirsch hat schnell mit "seiner" LHG bei Abstimmungen die höheren Stimmenanteile erobern können wie der konkurrierende RCDS. Der "Hakler" eben – der, wenn es drauf ankommt, den unbedingten Willen zum Siegen hat.

Eine erste berufliche Station führte Hirsch als parlamentarischen Referenten in den baden-württembergischen Landtag ins Ministerium vom damaligen Umwelt-, späteren Staatsminister Ulrich Müller. Von da aus wechselte Hirsch zur IHK Reutlingen, wo er im Bereich Aus- und Weiterbildung tätig wurde – wobei die IHK Reutlingen, wie Hirsch betont, "federführend für die Weiterbildung in ganz Baden-Württemberg" sei. Eher nebenbei erzählt Hirsch, wie er in dieser Zeit "den Wahlkampf von Hans-Joachim Fuchtel" zur Bundestagswahl 2013 organisiert habe – als Fuchtel mit 58,5 Prozent der Stimmen sein bestes Stimmenergebnis überhaupt erzielt hat.

Wieder ein stolzer Sieg für den Hakler. Damals konnte man Fuchtel ganz volksnah unter anderem als Servicekraft im Calwer McDonalds erleben – eine der Ideen von CC Hirsch.

2013 war auch das Jahr, in dem Hirsch und Ehefrau Priska nach Nagold zogen. Priska Hirsch ist Anwältin für Familien- und Erbrecht, arbeitet für eine Kanzlei mit Büros in Freudenstadt, Nagold und Rottweil. Das Paar hatte sich im Studium in Tübingen kennengelernt, die Beziehung hielt auch während der Auslandsjahre, die Hirsch nach Finnland und in die USA führen sollten. Nach Nagold zu ziehen sei dabei eine "sehr bewusste" Entscheidung gewesen – "weil es hier einfach so schön ist". Anfangs habe das Paar am mittleren Steinberg gewohnt, 2016 habe man dann "nach drei Jahren Suche" das perfekte Zuhause in Hochdorf gefunden. Das sich seitdem füllt: Der vierjährige Sohn und die zweijährige Tochter sorgen im Haus und den großen Garten bereits für reichlich Leben, das dritte Kind ist unterwegs.

Womit man über die jüngste Entscheidung des Nagolder Gemeinderats zur drastischen Erhöhung der Kita-Gebühren in der Stadt sprechen muss – CC Hirsch ist neben Fraktionskollege Oliver Mayer der einzige mit kleinen Kindern im Gremium. "Eine Visitenkarte für ein familienfreundliches Nagold war das nicht", macht Hirsch keinen Hehl aus seiner Kritik an diesem Beschluss. "Über 32 Prozent mehr in eineinhalb Jahren" seien eine stolze Summe – und einfach zuviel für viele Eltern – was, das wisse er, viele Eltern wirklich richtig geschockt habe. "Das war nicht richtig", auch wenn es ihn noch mehr ärgert, dass sich hier Bund und Land um ihre Verantwortung in der Finanzierung der Kinderbetreuung drückten.

Ja, Ehrgeiz hat er

Vielleicht ein Fingerzeig, dass Hirsch unter Umständen künftig Ambitionen auch auf dieser Ebene hat – schließlich war er zuletzt ja auch schon mal Zweitkandidat für den CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Blenke? Ehrgeiz habe er – ja, erklärt Hirsch. "Aber ich habe keinen Master-, keinen Karriereplan", wenngleich er das regierende Berlin zum Beispiel als Praktikant in der Baden-Württembergischen Landesvertretung bereits näher kennenlernen durfte. Im Augenblick sei sein Platz hier in Nagold, eben als "Noch-Beobachter" im Gemeinderat, wo er "in Demut viel lernen" wolle. Wann diese Demut- und Beobachterzeit zu Ende gehen könnte, lässt der mutmaßlich künftige Platzhirsch im Gemeinderats-Revier offen. Aber: Einen "eigenen Gestaltungsanspruch hat jeder Gemeinderat" – was vermuten lässt, dass der "Hakler" im politischen Sturm sich demnächst wohl zeigen könnte. Beruflich freue er sich als Leiter der Geschäftsstelle der IHK in Nagold (wohin er 2016 von der IHK Reutlingen aus wechselte) auf den Neubau eben dieser Geschäftsstelle und den damit verbundenen Umzug vom Wolfsberg mitten hinein in die Stadt.

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