Methanausstoß von Kühen ist ein Dauerthema in Sachen Umwelt. Doch Christoph Trütken vom Antonihof und Autor Florian Schwinn zeigen bei einem Weidespaziergang, dass das ein Narrativ sei. Die Kuh könne in der Landschaft viel bewirken.
Gräser, Weiden, Hoftiere und ein ländlicher Geruch in der Luft künden beim Weidespaziergang die Zielankunft auf dem Antonihof an. Die Gräser kündigten bei einigen Besuchern auch den Heuschnupfen an, doch davon ließ man sich die gute Laune nicht verderben.
Das Thema des Weidespaziergangs im Rahmen des Nachhaltigkeitstages war die biologische, ökologische Landwirtschaft, die unter der Leitung von Christoph Trütken, seit mehreren Jahren erfolgreich praktiziert wird. Organisiert wurde der Spaziergang vom Freundeskreis der Stadtbücherei und Bad Dürrheim blüht auf.
Autor Florian Schwinn dabei
Gemeinsam mit dem Schweizer Autor Florian Schwinn, der das Buch „Die Klimakuh – von der Umweltsünderin zur Weltenretterin“ zu Beginn des Jahres veröffentlichte, ging es auf die Weide. In seinem Buch geht es vor allem um das Narrativ der umweltschädlichen Kuh durch Methanausstoß, dass derzeit jeder im Kopf habe.
Rollierendes Weidesystem
Weiden seien die Grundlage zur Biodiversität, erklärt Trütken zu Beginn. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Trütkens Vieh den ganzen Sommer auf der Weide grasen darf. Hierbei gibt es ein rollierendes System, bei dem die Kühe jeden Tag auf einer anderen Weide grasen und trampeln dürfen, während auf anderen das Gras wachsen und Blumen blühen können. So seien die Weiden, unter optimalen Bedingungen, die ganze Saison grün und es blühe stets an einer Stelle. Dies fördere vor allem auch die Insektenvielfalt.
Das Niedertrampeln hat seinen Sinn. Ziel ist es, dass der Boden stets bedeckt bleibt und somit dafür sorgt, dass dieser von unten feucht bleibt und sich Photosynthese entwickeln kann. Flächen, die weniger gemäht und bearbeitet werden, seien auch weniger Überschwemmt, so der Hofbetreiber.
Futterhecke als Nahrungsergänzung
Das „Nahrungsergänzungsmittel“ bekommen die Kühe aus einer von Trütken selbst angepflanzten Futterhecke rund um den Zaun. Diese Futterhecke bestehe aus Hybridpappeln, Erlene, Ahorn, Birken und auch Haselnuss, wessen Blätter den Methanausstoß verringern soll, so Trütken.
Sobald die Bäume groß genug seien, um den Weiden Schatten zu spenden, sollen die schnell wachsenden Hybridpappeln wieder gefällt werden. Ansonsten entwickele sich die Landschaft von ganz alleine. Einige Pflanzen werden gefressen und andere entfalten sich. „Kühe sind der Nukleus“, so Schwinn.
Methan nur ein Faktor
Doch nicht nur der Methanausstoß sondern auch die Ammoniak-Emissionen sind ein wichtiger Umwelt-Faktor. Und auch hier bietet die ökologische Landwirtschaft eine gute Lösung. Denn den Sommer über produzieren die Kühe, Rinder und Ochsen durch die Weidehaltung schlichtweg keinen Ammoniak, erklären die beiden Experten.
Da fragten sich die Besucher zu recht, warum nicht alle Bauern nach diesem Prinzip wirtschaften würden. Diese Frage konnte Trütken nur erahnen. Er selber sei nicht in der Landwirtschaft aufgewachsen, daher vermutet er, dass andere Bauern eine andere Grundvorstellung von Landwirtschaft hätten und auch nicht jeder wolle eine Direktvermarktung. Außerdem sei dieses Prinzip arbeitsintensiver. „Das was gemacht wurde, war für Landwirte der Fortschritt. Das was ich mache, ist vielleicht für viele ein Rückschritt.“
Höhere Lebenserwartung
Aber auch die Lebenserwartung der Tiere spreche für den Antonihof. Während die Durchschnittskuh in der Landwirtschaft etwa fünf Jahre alt werde, sei seine älteste Kuh vor kurzem 15 Jahre geworden. Und generell sei die Lebenserwartung auf seinem Hof deutlich höher.Nach einem sehr fragenreichen Weidespaziergang und eingebrachtem Wissen der Teilnehmer endete der Rundgang. „Wir brauchen solche Leute wie Sie, um etwas zu verändern“, sind sich die Gäste einig.