Auch das ist ein Beitrag zur Walderneuerung: Im Winter 2019 haben die Gemeinderäte die ersten von insgesamt 1000 neuen Bäumen auf Geislinger Gemarkung gepflanzt. (Archivfoto) Foto: Schnurr

Am 1. Januar 2022 beginnt auch in Geislingen ein neue Periode bei der Waldpflege. Die Ziele der sogenannten "Forsteinrichtungserneuerung" bis 2031 sind jetzt im Gemeinderat auf der Tagesordnung gestanden.

Geislingen - Christian Beck, der Leiter des Forstbereichs Balingen, informierte die gewählten Bürgervertreter darüber, dass sich diese Ziele an den "drei Säulen der Nachhaltigkeit" orientieren: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Der städtische Wald auf Geislinger Gemarkung ist laut Beck ein Tannen-Mischwald. Beim Blick nach vorne müsse man die Frage stellen: "Was soll die kommenden zehn Jahre gemacht werden?", sagte Beck.

Wirtschaftliche Bedeutung

Von wachsender Bedeutung für die Waldbewirtschaftung sei die Klimaveränderung. Aus wirtschaftlicher Sicht, der Säule Ökonomie, gelte es Risikovorsorge zu betreiben. Dies soll beispielsweise durch die Anpflanzung klimatoleranterer Bäume wie etwa der Douglasie geschehen.

Dabei gelte es, den Nadelholzanteil als wirtschaftliches Standbein zu halten: Die derzeitige Preissteigerung in diesem Segment sei zwar noch nicht bei den Waldbesitzern angekommen, aber damit sei mittelfristig zu rechnen, deutete der Forstfachmann aus dem Landratsamt an.

Herausforderung Ökologie

Außerdem sei weiter eine regelmäßige Waldpflege erforderlich. Das sei auch unter ökologischen Gesichtspunkten notwendig, also der zweiten Säule der "Eigentümerzielsetzung". Die Forsteinrichtung soll beispielsweise eine weitere Ausbreitung des Borkenkäfers auf der Fläche verhindern.

Eine seit 30 Jahren erfolgreiche Methode ist der Nasslagerplatz im Stunzachtal: Durch das Feuchthalten der Stämme bis zum Abtransport kann auf den Einsatz von Insektenschutzmitteln verzichtet werden.

Laut Beck sollen in den kommenden zehn Jahren weiterhin Waldrefugien, aber auch Habitate und einzelne geschützte Baumgruppen ausgewiesen werden. Die Waldverjüngung soll bei den Hauptbaumarten auf natürliche Weise erfolgen, bei den Nebenbaumarten auch durch geschützte Anpflanzungen.

In diesem Zusammenhang kommt der "waldfreundlichen" Jagdverpachtung eine besondere Rolle zu: Die Jäger sollen den Wildbestand auf angepasstem Niveau halten – das heißt: verhindern, dass zu starke Verbissschäden an Jungbaumbeständen auftreten.

Soziale Aspekte

Die Bedeutung der Wälder auf Geislinger Gemarkung für Freizeit und Erholung ist nicht erst seit der Corona-Pandemie gestiegen: Spaziergänger, Sportler und Familien sind darin unterwegs, und mit dem Kindergarten am Schopflenwald ist inzwischen auch die Pädagogik fest in der Natur eingebettet.

"Sozial" soll der Geislinger Stadtwald aber auch dahingehend sein, dass bei seiner Bewirtschaftung Forstunternehmen aus der Region bevorzugt zum Einsatz kommen.

Gesellschaftlichen Wert besitze die Natur auch durch die Speicherung von CO2. Auch deshalb sollte die Verwendung von Holz bei kommunalen Bauvorhaben verstärkt vorangetrieben werden.

Nutzen für Gemeinwohl

"Der Wald ist mehr als Euros, die am Jahresende herauskommen", unterstrich Christian Beck zusammenfassend: Auch der Nutzen für das Gemeinwohl, der über den rein finanziellen Gewinn hinaus daraus erwachse, sollte in die Erfolgsbetrachtung einbezogen werden.

Forstrevierleiter Wolfgang Heitz ist bereits im Geislinger Wald unterwegs, um einen Forsteinrichtungsplan für die kommenden Jahre zu erstellen. Über diesen soll der Gemeinderat dann im Herbst, spätestens aber Anfang 2022 abstimmen.

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