Über energiesparendes nachhaltiges Wirtschaften in Unternehmen und Kommunen im Kreis Lörrach tauschte sich das Bündnis „Regional.Klimaschutz.Machen“ aus.
Laut Kreistagsbeschluss soll der Landkreis Lörrach im Jahr 2040 klimaneutral sein. Dem Klimabündnis, das sich zweimal pro Jahr zum Erfahrungsaustausch trifft, gehören mittlerweile 90 Akteure an. Zum vierten Treffen bei er Firma Resin in Binzen begrüßte Landrätin Marion Dammann Kreisräte und Bürgermeister, Vertreter von Industrie, Handwerk und Wissenschaft, von Energieversorgern, Banken und Sparkassen, Menschen aus dem Bereich Soziales und Kirchen und ehrenamtlich Engagierte.
Mehr Nachhaltigkeit
Der Hausherr Friedrich I. Resin berichtete über den Weg seines Unternehmens zu mehr Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Das Unternehmen ist auf digitale Lösungen für Büros spezialisiert und vermietet im eigenen Gebäude Büroflächen einschließlich Dienstleistungen für die Mieter. Schon immer habe man Wert auf hohe Qualität gelegt, etwa auf reparierbare Büromaschinen und Geräte. Im Jahr 2020, auch im Zuge von Umbaumaßnahmen, entschloss sich die Firma Resin dann, die Nachhaltigkeit mittels einer DIN-Zertifizierung weiter zu verbessern.
Im Nachhinein hält Resin eine solche Zertifizierung nicht in jedem Fall für sinnvoll: Dabei würden viele Risiken abgeprüft, etwa Schadstoffemissionen, die in seinem Handelsunternehmen gar nicht anfallen. Er nannte konkrete Verbesserungen, darunter eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, VR-Brillen, um Fahrten von Servicetechnikern zu vermeiden. Bei der Umstellung des Fuhrparks auf E-Fahrzeuge müsse man auch die Mitarbeiter überzeugen.
Auch Samira Böhmisch, Beauftragte für die klimaneutrale Verwaltung im Landratsamt, betonte, man binde die Mitarbeiter in Arbeitsgruppen mit ein. Von 2022 bis 2024 sei der CO2-Ausstoß der Kreisverwaltung zwar um rund 300 Tonnen gesunken, liege aber noch immer höher als angestrebt, legte sie dar. Einsparpotenzial sah sie vor allem bei den 20 kreiseigenen Gebäuden, Schulen und Heimen etwa, bei der Umstellung des Fuhrparks auf Elektro und im Beschaffungswesen.
Energieverbräuche erfasst
Rafael Burkhardt, von der Energieagentur (EA) Südwest, bot Unternehmen seine Fachberatung im Rahmen des kostenlosen Landesprogramms KEFF-Check an. Als Grundlage für weitere Entscheidungen würden alle Energieverbräuche erfasst und konkrete Maßnahmen empfohlen.
Den Weg der Gemeinden Binzen und Steinen in eine klimafreundliche Zukunft skizzierte Josua Steffan von der EA Südwest. Beide Gemeinden stehen innerhalb von Netzwerken mit anderen Kommunen im Austausch. Binzen gehört zum Klimaschutznetzwerks der Landkreise Lörrach und Waldshut. Es gibt Zuschüsse der Landkreise und fachliche Unterstützung der EA Südwest. Aktuell würden die Energieverbräuche in allen Binzens Gebäuden erfasst, so Steffan.
Steinen hat dagegen den Klimaschutzpakt des Landes unterzeichnet. Dieser beinhaltet Landeszuschüsse und ebenfalls den Austausch mit anderen Kommunen. Gerade in den klammen Kommunen seien Zuschüsse und die Wirtschaftlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen wichtig, so Steffan. Steinen hat für drei Jahre einen Klimaschutzmanager als verantwortliche Person angestellt.
Größte Herausforderung
Bürgermeister, die Amtsleitungen im Rathaus und die Hausmeister arbeiten als Klimateam zusammen. Inzwischen hat die Gemeinde den Klimaverbrauch aller Gebäude als Planungsgrundlage erfasst, wobei auch die Hausmeister nach dem Heizverhalten gefragt wurden. Der Wärmeverbrauch habe sich als die größte Herausforderung erwiesen, so Steffan. Die Genossenschaft Bürgerenergie Dreiländereck (BE 3Land) projektiert, baut und betreibt Solarstromanlagen in der Region. Aktuell seien es 107 Anlagen mit individuell angepassten Strommodellen von Voll- über Teileinspeisung bis zum Mieterstrommodell, berichtete der geschäftsführende Vorstand Dirk Uhrhan. Er nannte Beispiele, darunter die PV-Anlage auf dem Dach der Firma Resin: Dir Firma nutze den Strom teilweise selbst, teilweise werde der Strom gegen Vergütung ins Netz gespeist.
Maulburgs Bürgermeisterin Jessica Lang und der technische Beigeordnete aus Schopfheim hatten eine Anregung zur interkommunalen Wärmeplanung, einem weiteren Maßnahmenfeld Richtung Klimaneutralität: Sie verwiesen auf die in Schopfheim und Maulburg vorhandenen Wärmenetze und baten den Kreis, auch den Anschluss von kreiseigenen Schulen in Betracht zu ziehen.