Bei der Auszeichnung dabei (von Links): Egenhausens Bürgermeister Sven Holder, Bürgermeisterstellvertreter Hans Kern, Naturschutzwart Karl-Heinz Gänßle, Ölmühlen-Besitzer Martin Kreeb und Peter Schmuck von der Georg-August-Universität Göttingen, Zentrum für Nachhaltige Entwicklung. Foto: Kunert

Tue Gutes – und rede darüber! Mit möglichst vielen, damit sich innovative Ideen im Bereich des kommunalen Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit möglichst weit verbreiten. Das ist – so ungefähr – das Credo des Forschungsprojekts Zukunftskommunen – das jetzt Egenhausen ausgezeichnet hat.

Egenhausen - Peter Schmuck ist dafür eigens aus dem hohen Norden angereist, aus Göttingen, wo er eine Professur am Zentrum für Nachhaltige Entwicklung der Georg-August-Universität Göttingen innehat. Auch, um einen guten Freund und Kollegen zu besuchen – klar, Martin Kreeb, der in Egenhausen sein Institut für Nachhaltiges Wirtschaften Deutschland (NWD) als Außenstelle der Uni Hohenheim betreibt. Und hier die Ölmühle aufwendig saniert hat.

Womit klar ist – "Nachhaltigkeit" ist die Klammer, die Schmuck und Kreeb verbindet. In Eberswalde (Brandenburg) haben die beiden gar gemeinsam einen Lehrstuhl im Bereich "Nachhaltigkeits-Management" eingerichtet, ein zweiter zum selben Thema entsteht gerade unter der Führung des rührigen Wissenschafts-Duos in Österreich, in Wien. Und beim gemeinsamen Forschen fiel Peter Schmuck irgendwann auf, dass Kreebs Wahlheimat Egenhausen eigentlich ziemlich gut in sein Raster einer Zukunftskommune passt. Insgesamt 67 davon gibt es bereits bundesweit. Was sie alle gemeinsam haben: Mindestens drei aus eigener Kraft umgesetzte Projekte, die eben das Prädikat "Nachhaltigkeit" verdienen. In Egenhausen sind es sogar vier solcher Projekte – welche, das steht im Infokasten.

Aus "dem Kapf" wurde "unser Kapf"

Dokumentiert wird die Auszeichnung mit einer hübschen Urkunde – die jetzt an Egenhausens Bürgermeister Sven Holder und seinen Stellvertreter Hans Kern übergeben wurde. Mit dabei auch Naturschutzwart Karl-Heinz Gänßle, "Seele" des Egenhäuser Kapfs und des Bömbachtals – die wohl bekannteste "Nachhaltigkeits-Visitenkarte" der frischgebackenen Zukunftskommune. Der davon berichten kann, dass Egenhausen mit seinem Naturschutzgebiet schon "Nachhaltigkeit" praktizierte, als es im Bewusstsein der Öffentlichkeit noch gar keine Rolle spielte. Und so über die Jahrzehnte zum Beispiel aus "dem Kapf" mittlerweile "unser Kapf" im Selbstverständnis der Egenhausener machte.

Aber Auszeichnung und Urkunde sind das eine. Was Schmuck mit seiner vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Initiative eigentlich erreichen will: "Wir möchten die Kommunen im Bereich Nachhaltigkeit bestmöglich miteinander vernetzten." Ein möglichst reger Austausch der Zukunftskommunen solle untereinander in Gang gesetzt werden – über die jeweils eigenen Erfolge mit besonders nachhaltigen Projekten. Damit "das Rad nicht überall neuerfunden werden muss", sondern die Kommunen sich gegenseitig inspirieren, sich gegenseitig motivieren, die jeweils erfolgreichsten Ideen und Projekte von anderen Kommunen dort, wo es passt, zu kopieren und zu übernehmen.

Was man dazu wissen muss: Von Haus aus ist Peter Schmuck promovierter Psychologe und (Hochschul-)Pädagoge, die Mechanik des Wissenstransfers ist sein ultimatives Fachgebiet. Und wie man einen solchen Wissenstransfer durch griffige Etiketten, Titel und Überschriften spannend und attraktiv macht, darüber hat er einst sogar seine Doktorarbeit geschrieben. So versammelt er seine "Zukunftskommunen" gerne an der mit einem kooperierenden Institut kreierten "Transform-Bar", einer virtuellen Kommunikationsplattform, auf der auch Bürgerengagement und Ehrenamt in kommunale Nachhaltigkeits-Projekte eingebunden werden können; und sollen.

"Meine Erfahrung zeigt", erläutert Schmuck dazu, "dass Kommunen tatsächlich sehr oft nicht wissen, was nur zwei Kommunen weiter passiert in Bereich Nachhaltigkeit". Was viel Kräfte – und Finanz-/Fördermittel – verschleiße. Insofern sei er selbst, bestätigt Schmuck, nun auch so etwas wie ein "Nachhaltigkeits-Botschafter" für Egenhausen, der überall dort, wo es passt, auf die erfolgreichen Nachhaltigkeits-Projekte aus Egenhausen aufmerksam machen wird.

Und umgekehrt, wie sich beim Erfahrungsaustausch mit Egenhausens Schultes zeigen sollte: Denn als Sven Holder davon berichtete, dass seine Gemeinde als ein nächstes Projekt die Umsetzung "einer ökologischen Heizart für unsere öffentlichen Gebäude" angehen wolle, konnte sich Experte Schmuck prompt "einen Vorschlag nicht verkneifen": Denn in seinem Portfolio herausragender Kommunen hat er auch "das Solarthermie-Dorf Bracht" (in Hessen), wo man mit einer Wärmespeicher-Lösung in Form eines Teiches den Wärmebedarf der Kommune komplett aus Sonnenlicht deckt. Vielleicht ja ein Vorbild, dem nun Egenhausen nacheifern könnte. Einfach über eine der "Transform-Bars" den Kontakt mit den Verantwortlichen in Bracht suchen. Und wenn’s funkt mit den Ideen, hätten sich Auszeichnung und Urkunde als Zukunftskommune bereits bestens bewährt.

Info: Zukunftskommune Egenhausen

Folgende Projekte in der Gemeinde Egenhausen waren für die Auszeichnung als "Zukunftskommune" ausschlaggebend: 1. Das Naturschutzgebiet "Egenhäuser Kapf mit Bömbachtal" wird vom Projekt "Augenblicke" mit umweltpädagogischen Mitteln unterstützt, die den Wert und die Schönheit der Biodiversität am Egenhäuser Kapf unterstützen. 2. Ein interkommunaler Freiflächen-Solarpark mit 750 kwpeak hilft den Klimaschutz konkret umzusetzen. Außerdem wurde unter den Solarmodulen eine große Bienenweide gepflanzt, die einen wertvollen Lebensraum für Bienen und andere Insekten bietet. 3. Die Sanierung der Straßenbeleuchtung und die Umstellung auf die umweltfreundliche LED-Technik in der Gemeinde Egenhausen ist unter Regie des Gemeindebauhofs umgesetzt worden. 4. Die Ölmühle Egenhausen steht als Begegnungs- und Schulungsort für nachhaltige Entwicklung insbesondere in den Themen Naturschutz, Denkmalschutz, Biodiversitätsschutz und nachhaltiges Bauen – wobei Wildbienen, vom Aussterben bedrohte Haustierrassen wie Karakulschafe, alte Hühnerrasen ein Reservat erhielten sowie auch Fledermausschutz und Höhlenbrüterintegration in Fassaden berücksichtigt wurden. Nachhaltigkeitsbildung erfolgt hier gemeinsam mit der Universität Tübingen und der Hochschule Fresenius. Weitere Infos im Internet: zukunftskommunen.de/kommunen/egenhausen/

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