Ernst Feil (von links), Kai Reetz und Tobias Kalmbach erzählen von ihren Erfahrungen als Helfer vor Ort. Foto: Menzler

Jeden zweiten Samstag im September ist der „Welttag der Ersten Hilfe“. Er soll hervorheben, wie wichtig diese ist. Besonders wissen das die Helfer vor Ort, die oftmals die ersten Retter in einem Notfall sind. Darum hat unsere Redaktion mit dem DRK Nagold/Wildberg und den HvOs geredet.

Sie sind meist die ersten, die zur Stelle sind, die ersten, die als gerufene Retter kommen, und die ersten Helfer in der Not. Seit vielen Jahren gibt es das Konzept der „Helfer vor Ort“. Warum sie gerade jetzt Thema sind? An diesem Samstag ist der Welttag der Ersten Hilfe.

 

Aus diesem Grund hat sich unsere Redaktion mit drei Helfern vor Ort vom DRK Nagold/Wildberg getroffen. Bei solchen „Welttagen“ ist genau dies der tiefere Sinn: Mit Aktionen oder Feierlichkeiten an diesem Tag soll beispielsweise Alltägliches wieder neu in den Fokus rücken.

Denn wohl jedem ist Erste Hilfe ein Begriff – spätestens jedem, der schon einmal einen Führerschein gemacht hat. Erste Hilfe leisten heißt aber nicht unbedingt nur, lebensrettende Maßnahmen durchzuführen. Beispielsweise die Sicherung der Unfallstelle und den Notruf abzusetzen, kann schon viel helfen.

Je früher, desto besser

Und wer den Notruf absetzt, tut schon viel. Denn das ist der Moment, in dem Hilfe gerufen wird. Und auch der Moment, in dem oft auch die Helfer vor Ort alarmiert werden. Jeder hat sein eigenes Einzugsgebiet, in dem er schnell zur Stelle sein kann. Und das ist auch wichtig: „Wir überbrücken die therapiefreie Zeit“, erläutert Tobias Kalmbach. Das heißt, die Zeit bevor die Sanitäter oder Notärzte ankommen.

Der Vollmaringer steht aktuell auf der Startlinie zum Helfer vor Ort (HvO). Noch wartet er auf seinen ersten Einsatz, die Ausbildung hat er allerdings schon hinter sich. Dazu sei gesagt – sein medizinischer Hintergrund als Facharzt für Anästhesiologie schadet sicherlich nicht. Er ist sogar der Grund, warum der 35-Jährige sich entschieden hat, ein HvO zu werden. „Ich hab’ im Krankenhaus viele gesehen, denen es besser gegangen wäre, hätte ihnen jemand früher geholfen“, erklärt er. Oft entscheiden die ersten Minuten, nicht erst die Ärzte im Krankenhaus.

Ausbildung gibt Qualität und Sicherheit

Unbedingt notwendig ist ein medizinischer Hintergrund jedoch auch nicht. Denn die Helfer vor Ort erhalten beim DRK Nagold/Wildberg eine ausführliche Aus- und regelmäßige Fortbildungen. Dazu gehören 48 Unterrichtsstunden zum Sanitäter, zwei Tage, die die Auszubildenden mit dem Rettungsdienst fahren und erste Einsätze vor Ort miterleben, sowie Fortbildungen zu spezielleren Themen, erläutern Kalmbach und sein Bereitschaftsleiter bei DRK, Kai Reetz.

Ernst Feil, Verwaltungsangestellter in Wildberg, kann dies mit Gewissheit bestätigen. Seit acht Jahren ist er als HvO unterwegs. Wobei auch er „Blaulicht im Blut“ hat. Seit seinem 15. Lebensjahr ist er Teil der Feuerwehr und seit zehn Jahren im DRK. Er ist einer der Helfer beim DRK Nagold/Wildberg, der wohl schon jeden Notfall einmal gesehen hat. Unzählige Einsätze liegen hinter dem 57-Jährigen.

Eigene „Firewall“ aufgebaut

Meistern kann Feil diese dank der ausführlichen Ausbildung, stellt er klar. Aber auch: Manchmal reicht auch das nicht aus. Diese Erkenntnis ist zu Recht schwer, macht das Ehrenamt auch zur Herausforderung. „Man muss sich selbst klar machen: Ich bin nicht schuld daran“, weiß Feil. Die HvOs kommen, um zu helfen und zu retten; doch sie haben den Ausgang der Situation nicht in der Hand. „Ich habe mir meine eigene Firewall aufgebaut“, meint Feil. Natürlich gehen ihm die Einsätze auch nahe, aber „es liegt nicht an mir“.

Schönster Einsatz wird bald acht

Besonders schwer war seine Anfangszeit. Gleich in der ersten Woche hatte er zwei Einsätze, bei dem er zwei Kinder reanimieren musste, eines sei erst drei Monate alt gewesen. Doch retten konnte er sie leider nicht mehr. „Ich hab’ dann lang überlegt, ob es dann überhaupt das Richtige ist.“ Doch er lernte damit umzugehen. Und nur wenig später kam es anders.

„Mein schönster Einsatz wird bald acht Jahre alt“, erklärt er mit einem sanften Lächeln im Gesicht. Denn bei einem Einsatz vor acht Jahren half er bei der Entbindung eines Kindes. Etwas Außergewöhnliches, das nicht jeder zur Ersten Hilfe zählen würde, für HvOs jedoch auch dazugehört. Für derartige Einsätze gibt es Fortbildungen. Und mittlerweile hat Feil schon vier Kindern geholfen, das Licht der Welt zu erblicken.

Tag der Ersten Hilfe

Der Welttag
wird jedes Jahr am zweiten Samstag im September gefeiert – wenn man so sagen will. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 150 Länder an dem kuriosen „Feiertag“. Solche Tage gibt es zwar nahezu täglich, doch so manchem gebührt oftmals mehr Aufmerksamkeit. Meist geht es darum, Alltägliches wieder in den Fokus zu rücken, die Perspektive auf das Wichtige zu richten – und manchmal geht es auch einfach nur um den Spaß.Beim Welttag der Ersten Hilfe trifft wohl ersteres zu.