Während einige Eltern aus VS lange auf einen passenden Kita-Platz warten, bangen nicht wenige Tagesmütter um ihre Existenz, manche geben auch auf.
Eine Entwicklung beobachten beide Seiten, die Frauen, die in den Kindertagespflegestellen arbeiten und die Erzieher und Erzieherinnen in den Kindertagesstätten: Die Nachfrage für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren geht zurück.
Manche Frauen werden ihre Pflegestelle schließen, „weil ich nur noch ein Kind zu betreuen habe“, so eine Tagesmutter aus Obereschach, die nun endgültig aufgibt. Früher hatte die Frau fünf oder sechs Jungen und Mädchen, die täglich bei ihr abgegeben wurden. Einzelne Kinder seien zu wenig, um Schulden für Investitionen im eigenen Haus abzubezahlen oder Pachten zu begleichen, auch wenn es Betriebskostenzuschüsse gibt.
Liegt es an den Gebühren pro Kind in den Pflegestellen, teilweise liegen diese doch um einige Euro höher als die für die Kitas, zwischen 70 Euro und fast 150 Euro im Monat. Wie sieht es mit der Forderung nach einheitlichen Elternbeiträgen für Kitas und Kindertagespflegestellen aus? Diese werde es vermutlich nie geben, hörten die betroffenen Frauen aus den Behörden.
Die Finanzierung
Wie sich die Finanzierung genau darstellt, erläutert Heike Frank, Pressesprecherin des Landratsamtes Schwarzwald-Baar, auf Anfrage unserer Redaktion. Seitdem das städtische Jugendamt im Juli 2023 an das Kreisjugendamt übergeben wurde, gingen auch der Bereich Kinderbetreuung und damit Kitas und Kindertagespflege an die Kreisbehörde.
Die Vergütung der Kindertagespflegepersonen sei in den vergangenen Jahren angepasst worden, auch künftig werde es Anpassungen geben. Über die Höhe der Geldleistungen entscheide der Kreistag. Zur Höhe der Geldleistungen: Landkreistag, Städtetag und Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) empfehlen gemeinsam (Stand: Januar 2023) eine laufende Geldleistung in Höhe von 7,50 Euro für unter Dreijährige sowie von 6,50 Euro für Kinder älter als drei Jahre. Die örtlichen Jugendhilfeträger können dieser Empfehlung folgen, müssen dies aber nicht. Über die Höhe der Kostenbeiträge der Eltern entscheidet der Kreistag.
Die Kostenbeiträge in der Kindertagespflege orientieren sich an der Empfehlung der Kirchen und kommunalen Landesverbände. Wie sieht es mit Zuschüssen aus? Dazu Pressesprecherin Frank: Die Einnahmen durch die Kostenbeteiligung der Eltern decken lediglich einen Bruchteil der tatsächlichen Ausgaben für die Kindertagespflege. In der Bezuschussung des Kreises beinhaltet sei bereits die Beteiligung des Landes Baden-Württemberg über den kommunalen Finanzausgleich an den Betriebskosten (dazu zählen auch Personalkosten beim Landkreis); sowohl von Kindertageseinrichtungen als auch von Kindertagespflegestellen.
Zudem gebe es bei Großtagespflegestellen weitere Zuschüsse zu den Mietkosten. Außerdem fördere das Land über das Regierungspräsidium den Ausbau für Plätze für unter Dreijährige.
Warum sind Kitagebühren pro Kind zum Teil deutlich geringer als in Kindertagespflegestellen? Dazu Heike Frank: In der Betreuung in der Kindertagespflege gebe es keinen altersunterschiedlichen Personenschlüssel. Auch in der Vergütung für die Kindertagespflegepersonen bestehen keine altersabhängige Unterschiede.
In Kindertageseinrichtungen seien Kostenbeiträge für Über-Drei-jährige in der Regel geringer als für jüngere Kinder. In der Kindertagespflege werde hingegen ein Mischsatz angewendet. „Folglich ist bei der Betreuung von Kindern, die das dritte Lebensjahr vollendet haben, der Kostenbeitrag der Kindertagespflege häufig höher als der Kostenbeitrag der Kindertagesstätten.“
Kritik der Tagesmütter
Aussagen, die auch für die Tagesmütter aus Villingen-Schwenningen nichts Neues sind. Für die Frauen ist klar mit Blick auf die Zukunft: „Die soziale Infrastruktur in VS kollabiert, sollten sich Stadt, Landratsamt und Tagesmütter nicht endlich zusammensetzen!“
Unter anderem kritisieren sie auch die sehr geringe Anpassung der Stundenlöhne pro Kind (0,70 Euro brutto), die im nächsten Jahr erst einmal durch den Kreistag müsse.
„Wir hätten uns an dieser Stelle Unterstützung und Lösungen für die derzeitige schwierige Lage gewünscht, haben die Tagesmütter doch bereits ganz gute Ansätze gebracht.“ Gesprächsbereitschaft und Ideen seien schon längst da.