Rosel Ortlieb und ihr Labrador "Kollege" im Friseursalon in Peterzell, den die Inhaberin nur noch bis Mitte August weiterführen wird. Foto: Moser

Friseurin Rosel Ortlieb kehrt Peterzell den Rücken und schließt ihren Salon in der Ortsmitte, um in Freiburg ganz neu anzufangen. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. Trotzdem ist Ortlieb optimistisch, dass Peterzell auch künftig nicht ohne Friseursalon auskommen muss.

St. Georgen-Peterzell - Im Friseursalon von Rosel Ortlieb in der Peterzeller Ortsmitte herrscht bereits Umzugsstimmung. Kein Wunder – die Tage, welche die Inhaberin und ihr Labrador "Kollege" noch in den Räumen verbringen werden, sind gezählt. Zum 20. August verlässt Ortlieb ihren Salon in Peterzell, um in Freiburg einen neuen zu eröffnen.

Bis dahin hat sie aber noch viel zu tun – und das liegt nicht nur am bevorstehenden Umzug. Oder zumindest nicht direkt. Denn so kurz vor Schluss platzt Ortliebs Terminkalender noch einmal aus allen Nähten. Viele ihrer Stammkunden haben noch einmal versucht, einen Termin zu ergattern, bevor der Salon schließt. Denn mit Ortliebs Salon geht Peterzell das einzige Angebot dieser Art in dem St. Georgener Teilort verloren.

Viele Stammkunden

Für Ortlieb geht es derweil – nach zwei Wochen Übergangszeit, in denen unter anderem der Umzug stattfinden soll – in Freiburg weiter, wo die Friseurin bereits seit zwei Jahren wohnt. Die richtige Entscheidung, ist sie überzeugt – auch wenn ihr der Abschied aus Peterzell nicht leicht fällt. Die Stammkunden, um deren Haare sie sich über die vergangenen 13 Jahre hinweg gekümmert hat, wird sie sicherlich vermissen. Die Einladung an all ihre Kunden, sich in ihrem neuen Salon in einem Kreativpark im Freiburger Stadtteil Wiehre die Haare schneiden zu lassen, spricht sie daher gerne aus – auch wenn sie weiß, dass dem ganzen eine lange Autofahrt entgegen steht.

Musik blieb auf der Strecke

Mit dieser kennt Ortlieb sich nur allzu gut aus. Denn seit sie vor rund zwei Jahren selbst nach Freiburg gezogen ist, pendelte die 38-Jährige an jedem Arbeitstag nach Peterzell. Rund zwei Stunden blieben dabei täglich auf der Straße, berichtet sie im Gespräch – Zeit, die Ortlieb besser nutzen kann. Und will. Denn die 38-Jährige legt zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als Friseurin als DJane auf. Das kam in den vergangenen Monaten zu kurz, findet sie – nicht nur wegen der coronabedingten Club-Schließungen, sondern auch, weil Ortlieb schlicht die Zeit dazu fehlte. "Die Musik ist leider in letzter Zeit auf der Strecke geblieben", sagt sie und lacht. "Im wahrsten Sinne des Wortes."

Insofern hat die Corona-Pandemie nur indirekt dazu beigetragen, dass Ortlieb ihren Salon in Peterzell aufgibt. Die jüngste Vergangenheit sei zwar nicht gerade einfach gewesen, erinnert sie sich. Unter anderem hat Ortlieb wegen der coronabedingten Zwangspause für Friseure einen zusätzlichen Bürojob angenommen. Keine leichten Zeiten, doch dazu, dass die 38-Jährige das Friseur-Dasein aufgeben wollen würde, haben sie nicht geführt.

Vielmehr habe die Corona-Zeit dazu geführt, dass sie sich auf das besonnen habe, was wirklich wichtig sei, berichtet Ortlieb. "Man fragt sich dann schon, was man wirklich machen will, was auch Sinn macht", gibt sie wieder. Und dabei kam eindeutig heraus: Die energie- und freizeitraubenden Fahrten machen keinen Sinn. Die Folge: Als sich die Chance bot, näher an ihrem Wohnort einen Salon zu eröffnen, zögerte Ortlieb nicht lange.

Die Zeit, in der sich Ortlieb in Peterzell um die Frisuren ihrer Kunden kümmerte, geht damit dem Ende zu. Was bleibt, ist die Frage, wie es in dem St. Georgener Teilort weitergeht.

Ortlieb könnte einem potenziellen Nachfolger zumindest einen vollen Terminkalender und zahlreiche potenzielle Kunden hinterlassen. "Die haben mir signalisiert, dass sie einen neuen Nachfolger hier auf jeden Fall antesten würden. Sie müssen sich ja eh einen neuen Friseur suchen", erzählt Ortlieb. Und auch ihre Unterstützung sagt die 38-Jährige zu.

Es gibt Interessenten

Trotzdem ist sie noch auf der Suche. Auch sie weiß, dass man es sich in der momentanen, unsicheren Situation genau überlegt, ob man sich selbstständig machen soll. Trotzdem ist Ortlieb optimistisch. Denn: Auch wenn noch nichts konkret ist; Interessenten, die sich vorstellen könnten, den Salon zu übernehmen, gibt es durchaus. "Es gibt auch in der aktuellen Zeit noch Leute, die den Mut haben, sich selbstständig zu machen", ist Ortlieb überzeugt.

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