Nun empfängt Seyid Ahmet Ay Patienten an der Bahnhofstraße in Hüfingen. Foto: Rainer Bombardi

Seyid Ahmet Ay führt die Hausarztpraxis an der Bahnhofstraße weiter. Damit ist die Versorgung in Hüfingen gerettet.

Immer mehr Hausärzte gehen in den Ruhestand, was vor allem auf dem Land Probleme verursacht. Denn immer weniger junge Ärzte möchten außerhalb von großen Städten und Ballungszentren eine Praxis übernehmen – Hüfingen kann hierbei aufatmen.

 

Diese Zahl spricht für sich: Ende des vergangenen Jahres waren laut Kassenärztlicher Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) über 900 Hausarztstellen im Land unbesetzt. Während viele Hausärzte auf dem Land also das Problem haben, dass sie keinen Nachfolger finden, ist dies im jüngsten Fall in Hüfingen anders.

Der langjährige Allgemeinmediziner Winfried Grohmann hat kürzlich, für einige Patienten überraschend, seine Praxis auf der Baar verlassen und praktiziert künftig in Sachsen. Doch schon Anfang Juli ist es in der Praxis weitergegangen. Nach nur dreieinhalb Wochen der Umstellung, die die internistische Hausarztpraxis mit den Schwerpunkten innere Medizin, Endokrinologie (Hormonsystem), Diabetologie und Schmerztherapie brauchte, übernahm Seyid Ahmet Ay die ärztliche Versorgung wieder.

Seit 2003 ist Ay als praktizierender Mediziner, seit 2021 zusätzlich als Internist tätig. Er war wissenschaftlich in der Türkei tätig und ist Autor diverser Fachartikel, unter anderem über Ärztebedarf.

Kein Unbekannter für den Patientenstamm

Bislang war Ay als angestellter Arzt in Kliniken und seit einem Jahr in der Praxis von Winfried Grohmann tätig. Dadurch ist er kein Unbekannter für den bestehenden Patientenstamm, den er von seinem Vorgänger ebenso wie das komplette Personal übernommen hat. Ay wird von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg als praktizierender Arzt in der Bahnhofstraße 5 aufgeführt.

„Wir bieten neben einem modernen Labor auch eine umfangreiche Diagnostik mit EKG, Langzeit-EKG, Langzeitblutdruckmessung, Lungenfunktionstest oder Ultraschall direkt vor Ort an“, sagt Ay. Vorsorgeuntersuchungen, Wundversorgungen und Impfungen zählen ebenso zum Spektrum der Praxis wie individuelle Gesundheitsleistungen zur Stärkung des Immunsystems. Die Praxis hat sich zum Ziel gesetzt, ihr Diagnose-Angebot kontinuierlich auf dem neuesten Stand zu halten und die Vorteile der Digitalisierung zum Wohl ihrer Patienten einzusetzen. „In jedem Behandlungszimmer haben wir einen Bildschirm, auf dem wir bei Bedarf den Patienten einen besseren Einblick in die Krankheitsbilder und mögliche Behandlungsarten bieten können“, erläutert Ay.

Ärzte in Ausbildung einstellen

Zu den Zielen des Arztes zählt zudem, von der Kassenärztlichen Vereinigung eine Ermächtigung zur Einstellung von auszubildenden Ärzten zu erhalten. Da hierfür zwölf Monate in leitender Position erforderlich sind, ist davon auszugehen, dass etwa ab Mitte 2026 ein weiterer Arzt in die Praxis kommen kann.

Absolut zufrieden mit dem Verlauf der Übergabe ist die medizinische Fachangestellte Emilia Galvagno, die seit 13 Jahren in der Praxis an der Bahnhofstraße angestellt ist. Sie freut sich, dass Ahmet Ay das komplette Praxisteam übernommen hat. „Wir haben im Vorfeld unsere Patientinnen und Patienten über den Wechsel informiert“, sagt sie und bittet um Verständnis für die längeren Wartezeiten. Grund sei die Umstellung auf ein neues Softwaresystem. Doch ein Ende der langen Wartephasen am Empfang ist offenbar in Sicht.

Emilia Galvagno hofft, dass sich damit auch die Überlastung des Telefonnetzes entspannt. Sie verweist zudem auf die täglichen Öffnungszeiten zwischen 8 und 12 Uhr, zusätzlich am Montag zwischen 13 und 17 und am Donnerstag zwischen 13 und 18 Uhr, an denen die Praxis direkt erreichbar ist, ebenso über www.aymedizin.de.

Zur Person

Übernahme
Dr. Seyid Ahmet Ay hat am 1. Juli 2025 die Praxis von seinem Vorgänger Winfried Grohmann übernommen. Er ist von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) als Inhaber und Facharzt der Praxis in der Bahnhofstraße 5 in Hüfingen registriert.

Ärztemangel
Im März 2024 wurde auf dem 22. Baden-Württembergischen Hausärztetag ein Krisengipfel zur hausärztlichen Versorgung gefordert. Das Landes-Gesundheitsministerium hat ein Programm aufgelegt, das bis zu 30 000 Euro Förderung für Ärzte vorsieht, die sich in unterversorgten Gebieten niederlassen.