Klaus Schaible zum letzten Mal in der Schäfertracht mit seinem Hund. Foto: Vögele

Berufung gefunden. Bergfelder Klaus Schaible übergibt seine Schäferei an den Mühlheimer Aaron Mauch. Viel Idealismus gehört dazu.

Nach 180 Jahren geht in Bergfelden eine Ära zu Ende. Klaus Schaible hat seine Schäferei an Aaron Mauch aus Sulz-Mühlheim übergeben.

Sulz-Bergfelden - Die nachweislich bekannte Schäferei begann im Ort in den Jahren 1840/42. Ein Gottlob Schaible, geboren 1818 in Gechingen und aus einer Schäferfamilie stammend, wurde von der Gemeinde als Schäfer angestellt. Er war eines von sechs Kindern. Zwei seiner Brüder verdingten sich als Schäfer in Mühlheim und in Holzhausen.

"Früher gab es die Bürgerschäferei", erzählt Schaible, "jeder hatte fünf bis sechs Schafe". Im Sommer wurden alle zusammen vom Schäfer auf die verschiedenen Weiden geführt. Den Winter verbrachten die Tiere im heimischen Stall.

Im Jahre 1844 heiratete Schaible die Bergfelderin Anna Barbara Rauch und wurde endgültig ansässig. Gottlob Schaible ist der Urgroßvater von Klaus Schaible. Großvater und Vater Christian führten die Schäferei weiter. Damit konnte Bergfelden seit vier Generationen eine eigene Schäferei vorweisen.

Zum Schäfersein gehört viel Idealismus. Erzielte man früher mit der Wolle noch einen Gewinn, so ist es heute durch die Einfuhren aus Australien und Neuseeland ein "Draufleggeschäft", erklärt Schaible. Heute liege der Schwerpunkt eher bei der Fleischproduktion, dennoch bleibt das Gewerbe auf Zuschüsse angewiesen.

Aber nicht nur der Markt habe sich verändert, sondern auch das Klima, die Struktur in der Landwirtschaft und der Verkehr. Schaible reduzierte daher seine Herde auf 500 Mutterschafe.

In den Beruf des Schäfers hineingewachsen

Seine Weidegründe erstreckten sich nun über die Wacholderheide von Bergfelden über Vöhringen bis ins Keltertal. Die Tiere betrieben unterstützende Landschaftspflege. War er in früheren Jahren mit mehreren Herden bis in die Gegend um Freiburg gezogen, betrieb er in den vergangenen zehn Jahren keine Wanderschäferei mehr.

Rückblickend auf 50 Jahre Schäferei erfährt man vom Hineinwachsen in den Beruf des Schäfers. Der junge Klaus war immer bei den angestellten Schäfern seines Vaters dabei und erlebte Berufung mit einem besonderen Mensch- Tier-Kontakt. Einer der Schäfer hielt ihnen 50 Jahre lang die Treue.

1990 übernahm er den Betrieb. Der Vater hielt sich im Hintergrund. Der erste Stall befand sich gegenüber dem Autohaus Kimmich. Im Tanner Tal entstand der nachfolgende größere Stall, der 1979 durch kindliche Brandstiftung niederbrannte. Zu spüren ist beim Erzählen noch etwas vom Schock und der Wehmut ob der verbrannten Tiere. Die circa 1000 Schafe mussten schnell an verschiedenen Stellen untergebracht werden.

Einen kompetenten Nachfolger gefunden

Im April 1990 wurde dann der jetzige Stall eingeweiht, angepasst an die derzeitige Herdengröße. Der Gedanke der Übergabe reifte, da ein familiärer Nachfolger fehlte. "Mir fehlt schon etwas", gesteht Schaible, dennoch zeigt er sich mit der jetzigen Situation zufrieden. Alles läuft in geordneten Bahnen, nur die Tierhaltung ist weg.

Mit dem 26- jährigen Aaron Mauch hat er einen kompetenten Nachfolger gefunden, denn dieser ist ausgebildeter Fachmann – und so weiß Schaible seine Tiere in den besten Händen. Seine Landwirtschaft treibt Schaible nach wie vor um, und als Futterlieferant kann er Mauch unterstützen.

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