Die Deutsche Bahn plant, die Rheintalbahn in den kommenden Jahren auszubauen. Die Bürgerinitiative „Bahnlärm“ setzte sich dafür ein, dass dabei die Interessen, Anliegen und Sorgen der Mahlberger Bürgergehört werden. (Symbolfoto) Foto: Karmann

Aufgrund einer fehlenden Vorstand-Nachfolge und des geringen Interesses der Bevölkerung ist für die Mahlberger Bürgerinitiative Schluss.

Beim Tagesordnungspunkt „Neuwahlen“ herrschte Stille bei der Frage nach Kandidaten. Für die bisherigen Vorstandsmitglieder Dietmar Kraske (Vorsitzender), Martin Zetting (Stellvertreter), Susanne Zetting (Kassiererin) und Stephan Hartmann (Schriftführer) fanden sich allesamt keine Nachfolger. Begründet wurden die Rückzüge mit anstehenden Wegzügen und gesundheitlichen Problemen. Hartmann räumte ein, dass überdies in Sachen anstehendem Bahnausbau bei der Bevölkerung mittlerweile auch zu wenig Interesse festzustellen sei.

 

Was alles hinter den Kulissen seitens des Vorstandes bei der Interessenvertretung gegen die Trassen-Vorhaben der Deutschen Bahn geleistet worden sei, „merken die wenigsten“, meinte Zetting. Mahlbergs Bürgermeister Dietmar Benz stimmte dem zu: „Viele Leute wissen nicht, was alles auf sie zukommt, wenn es mit den Gleisbauten mal los geht.“ Er bedauerte, dass es nun mit der BI nicht mehr weitergeht. Mit fünf Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen beschlossen die wenigen anwesenden Mitglieder schließlich die Vereinsauflösung. Sie erreichten somit das notwendige Zweidrittelquorum. Rechtlich könne die Auflösung allerdings erst zum Ende des nächsten Jahres mit Streichung im Vereinsregister abgeschlossen werden. Bis dahin werden keine weiteren Mitgliedsbeiträge mehr eingezogen. Dies wurde zusätzlich beschlossen.

Vergangenes Jahr lief für die BI ruhig

Im vergangenen Jahr sei es sehr ruhig zugegangen, konstatierte Kraske in seinem letzten Jahresbericht. In den Planungsabschnitten 7.2 bis 7.4 zwischen dem künftigen Offenburger Tunnel und den schon vorangeschrittenen südlichen Bahnabschnitten gebe es zur Zeit Verzögerungen. Bei dem Mahlberg betreffenden Abschnitt 7.3 werde zur Zeit eine dritte Bodenerkundung vorgenommen, um eventuelle Krieg-Kampfmittel aufzuspüren und zu beseitigen. Derweil hatte die Autobahn GmbH/Abteilung Südwest mitgeteilt, dass sie am sechsspurigen Ausbau der A 5 arbeite, obwohl dieser Streckenabschnitt nicht im vordringlichen Bedarf liege. Doch hier ist auch noch eine parallele Bahntrasse für den Güterzugverkehr geplant. Nun soll auf der nächsten Sitzung des entsprechenden „Projektbegleitgremiums Autobahnparallele“ dazu ein grobes Brückenkonzept vorgelegt werden. Zum Entsetzen vieler Beteiligter einschließlich betroffener Gemeinden sollen die beiden zusätzlichen Autobahnspuren laut bundeseigener Autobahn-Gesellschaft ausgerechnet während der sechsjährigen Bahn-Vollsperrung gebaut werden – und nicht vorher.

Bürgermeister Benz war deutlich angeknabbert. Die Bahn habe schon jetzt „ein wahnsinniges Brückenbauprojekt“ zur künftigen Umfahrung der Autobahnraststätte Ort vor. In Gesprächen bekomme man weder heraus, wer das samt notwendigen Entwässerungsmaßnahmen bezahlen, oder wo eine dann nötige neue Zufahrt verlaufen soll.

Ertüchtigung der Strecke bereitet Benz Sorgen

Benz ist mehr als konsterniert. „Die planen da einfach mal fröhlich drauf los“, sagte er. Gemeinsam mit Herbolzheim und Kenzingen habe man eine „Kommunale Allianz ABS Rheintalbahn Teil Nord“ auf den Weg gebracht und dazu ein Züricher Beratungsbüro mit ins Boot geholt, um die Bündelungstrasse besser hin zu bekommen. Die sei ja noch nicht in Stein gemeißelt.

Auch mit der geplanten Ertüchtigung der Bahn-Bestandsstrecke habe Benz bleibende Bauchschmerzen. Nicht nur, ob die überhaupt nötig sei, samt bei Mahlberg zusätzlicher Überholstrecke mit zwei weiteren Gleisen nur für ein paar wenige Minuten Tempo-Zeitgewinn der Intercity-Züge. Benz hofft, dass hier die bislang wenig gesprächsfreudige Bahn doch noch ins planerische Nachdenken kommt. Auch bei der Autobahn sei noch zu klären, ob der bisherige Mittelstreifen und die jetzigen Standspuren für dritte Fahrbahnen ausreichen. 2029 solle mit dem Bau der autobahnparallelen Güterzugtrasse begonnen werden. Er habe keine Ahnung, wie sich das die Bahnplaner aktuell vorstellen. Das komme erst bei der Offenlegung heraus. Benz halte es zum aktuellen Planstand für nötig, „dass mehr Proteste aus den Reihen der Bevölkerung kommen.“ . Denn: „Jetzt geht es in die entscheidende Phase mit manchen wichtigen Entscheidungen.“

Info – Geld geht an die Stadtkasse

Von 131 Mitgliedern hatte es zum Schluss immerhin noch 42 zahlende gegeben. Der aktuelle Kassenbetrag in Höhe von rund 3730 Euro Guthaben wird nach der Vereinsabwicklung an die Mahlberger Stadtkasse überwiesen. Die kann das Geld gut brauchen, meinte Benz: „Wir werden in Richtung Bahn noch viele Aufwendungen zu schultern haben.“