Annett Geitner und Bürgermeister Michael Rieger entfernen das Gesuch an der B 33, das nun nicht mehr vonnöten ist. Foto: Ginter

Annett Geitner wird voraussichtlich ab Mai nächsten Jahres als Gynäkologin praktizieren.

Die Suche war erfolgreich: St. Georgen hat wieder eine Gynäkologin. Annett Geitner wird ab Mai 2021 in den ehemaligen Praxisräumen von Radiologe Matthias Nägele praktizieren. Mehr in unserem (SB+)Artikel.

 

St. Georgen - "Wir sind sehr, sehr glücklich", sagt Bürgermeister Michael Rieger und lächelt. Der Grund der Freude: Die Gynäkologin Annett Geitner arbeitet ab kommendem Jahr in St. Georgen. Die Bemühungen der Stadt, eine Nachfolge für Frauenärztin Andrea Schneider zu finden, haben somit letztlich Früchte getragen.

Als Schneider ihre Praxis Ende vergangenen Jahres aufgab, wurde die Stadt sogleich aktiv, inserierte ihr Gesuch bis nach Bayern – und auch Johannes Probst, Ärztesprecher der Stadt, scheute keine Mühen. Die neue Gynäkologin wird nun die leerstehenden Räumlichkeiten unter seiner Praxis, in der zuvor Radiologe Matthias Nägel aktiv war, wieder mit Leben füllen.

Früher hätte es, so Probst, vier Frauenärzte im Umkreis gegeben: In Triberg und Furtwangen und in St. Georgen gleich zwei – doch dann verwaisten die Praxen. Auch den Hausärzten sei es wichtig gewesen, dass das nicht so bleibe, denn: "Frauenärzte sind ja manchmal ein bisschen wie die Hausärzte der Frauen."

Dem stimmt auch Michael Rieger zu: "Es war langsam schon eine Zumutung, dass die Frauen so weite Wege auf sich nehmen mussten." Es sei ein "großer Glücksfall", dass es nun geklappt hätte.

Nach einem Besuch im Sommer war der Entschluss gefasst

"Ich freue mich sehr", sagt auch Geitner. Sie hat von Stuttgart den Weg in die Bergstadt gefunden. Über einen Kollegen wurde sie auf das St. Georgener Gesuch aufmerksam. Im Sommer war sie einmal vor Ort zu Besuch – da war ihr Entschluss schon fast klar. "Es hat sich von Anfang an stimmig, passend und gut angefühlt", schwärmt die Medizinerin.

Geitner hat eine, wie sie es selbst nennt, "interessante Vita". So startete sie nicht mit einem Medizinstudium, sondern machte nach dem Abitur erst einmal eine Ausbildung zur Krankenpflegerin. Danach arbeitete sie lange Zeit als OP-Schwester. Ihr Wunsch nach Mehr – einem Medizinstudium – wurde erst einmal von der Familienplanung unterbrochen.

Nach der Geburt ihres zweiten Kindes setzte sie ihre Pläne in die Tat um und absolvierte in Tübingen ein Studium der Humanmedizin. Lange war sie daraufhin in verschiedenen Kliniken tätig, zuletzt als Oberärztin im Leonberger Krankenhaus.

Umbauarbeiten dauern voraussichtlich bis Mai 2021

Doch auch hier wollte sie Mehr: Der Zeitmangel in Kliniken sorge oftmals für das Gefühl, "niemandem gerecht werden zu können", erklärt Geitner. "Ich war immer die, die am längsten für die Visite gebraucht hat." So spielte sie schon lange mit dem Gedanken, sich als Gynäkologin in einer eigenen Praxis niederzulassen – in St. Georgen kann sie dieses Vorhaben nun umsetzen.

In die Bergstadt wird Geitner vorerst noch pendeln. Von Montag bis Donnerstag wird sie in St. Georgen sein, den Rest der Woche bei ihrer Familie in Stuttgart. Langfristig kann sie sich aber auch vorstellen, ganz in den Schwarzwald zu ziehen. "Ich schätze die persönlichen Verbindungen und weniger die Großstadtanonymität", sagt Geitner, die eigentlich aus einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt kommt. "Die Menschen, die mir bisher in St. Georgen begegnet sind, waren offen und freundlich – und das fühlt sich sehr gut an", betont die Gynäkologin.

Momentan sind in den zukünftigen Praxisräumen in der Gerwigstraße noch die Handwerker aktiv. Bis Mai sollen die Umbauarbeiten, so hofft Geitner, fertig sein – und ihre Praxis öffnen können.

Jeden, der nun Sorge hat, aufgrund der hohen Nachfrage keinen Platz mehr in der Patientenkartei von Annett Geitner zu finden, beruhigt die Ärztin bereits jetzt: "Jeder, der dringlich einen Termin braucht, bekommt auch einen Termin."