Beim Infoabend der geplanten Nachbarschaftshilfe in Villingen-Schwenningen machten sich dafür stark, Oberbürgermeister Jürgen Roth (von links), Susanne Maier und Anika Volk (Landratsamt), Carolin Zimmermann (JuBis), Martin Straßacker und Heidi Biselli, (Nachbarschaftshilfe Pfaffenweiler) sowie Simon Höge und Cosima Tischler (JuBis). Foto: Jochen Schwillo

Unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander“ fand in der Aula der Schwenninger Friedensschule die erste Informationsveranstaltung zur geplanten Nachbarschaftshilfe statt.

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger folgten am Montagabend der Einladung, um sich über Ziele, Strukturen und Mitwirkungsmöglichkeiten zu informieren. Am Dienstag wurde die Veranstaltung im Theater am Ring in Villingen fortgesetzt.

 

Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie groß der Wunsch nach einem verlässlichen, gemeinschaftlich getragenen Unterstützungsangebot in der Doppelstadt ist.

Oberbürgermeister Jürgen Roth betonte: „Füreinander da sein – so wie gute Nachbarn es tun. Genau dieser Gedanke bildet das Herzstück der Nachbarschaftshilfe“, und hob hervor, dass man in Villingen und Schwenningen ein starkes Miteinander fördern und eine Unterstützung schaffen wolle, die im Alltag unkompliziert hilft und verbindet.

„Gelebte Solidarität“

„Nachbarschaftshilfe ist gelebte Solidarität im Kleinen, sie stärkt den sozialen Zusammenhalt und macht unseren Alltag lebenswerter“, sagte der Oberbürgermeister. Häufig denke man zuerst an konkrete Hilfen – Einkäufe, Betreuung oder Begleitdienste zu Terminen. Aber Nachbarschaftshilfe leiste mehr: Sie helfe, Einsamkeit zu verhindern, fördere generationenübergreifende Begegnungen von Jung und Alt und unterstütze Menschen in allen Lebenslagen, die unkompliziert eine helfende Hand gebrauchen können.

„Wir als Stadt stehen hinter diesem Anliegen und möchten grundlegende Informationen zur Nachbarschaftshilfe, ein Praxisbeispiel und den Raum zur ersten Vernetzung bieten“, machte sich Oberbürgermeister Roth für das Projekt stark. Mit der Infoveranstaltung wolle man auch gemeinsam den Prozess anstoßen, eine Nachbarschaftshilfe in den beiden großen Stadtbezirken Villingen und Schwenningen zu gründen.

Einen umfassenden fachlichen Einblick gab Susanne Maier aus der Sozialplanung des Landratsamts Schwarzwald‑Baar-Kreis. Sie betonte gleich zu Beginn, dass Nachbarschaftshilfe „ein unverzichtbarer Bestandteil eines funktionierenden sozialen Miteinanders“ sei und dass sie dort ansetze, „wo Menschen im Alltag Unterstützung brauchen, aber keine professionelle Hilfe notwendig oder verfügbar ist“.

Sie stellte klar, dass Nachbarschaftshilfe weit mehr sei als gelegentliche Gefälligkeiten. Sie beschrieb sie als „eine Form bürgerschaftlichen Engagements, die Menschen aller Altersgruppen stärkt – sowohl diejenigen, die Hilfe erhalten, als auch diejenigen, die sich engagieren“. Besonders ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, Alleinerziehende oder Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen profitierten von einem solchen Angebot.

Bereits 17 Gruppen

Im Landkreis existieren bereits mehrere funktionierende Nachbarschaftshilfen, die – je nach Ort – unterschiedlich organisiert sind. Manche arbeiten über Vereine, andere über kirchliche Träger oder kommunale Netzwerke. Gemeinsam sei ihnen, dass sie niedrigschwellig, flexibel und bürgernah arbeiten. Maier berichtete, dass im Kreis seit 2023 die Zahl der bürgerschaftlichen Nachbarschaftshilfen von neun auf derzeit 17 Gruppen gestiegen sei, darunter fünf Neugründungen in den Ortsteilen von Villingen-Schwenningen. „Die Sozialplanung des Landratsamts unterstützt diese Initiativen durch Beratung, Vernetzung, Qualifizierung und teilweise auch durch Fördermöglichkeiten“, so die Sachbearbeiterin.

Nachbarschaftshilfe übernehme bewusst keine pflegerischen Tätigkeiten, sondern konzentriere sich auf alltagsnahe Unterstützung wie Begleitung zu Arztterminen, Einkäufe und kleine Besorgungen, Unterstützung im Haushalt, Zeit schenken, Gespräche oder Hilfe bei einfachen organisatorischen Aufgaben.

Ein zentrales Thema ihres Vortrags war der demografische Wandel: Der Bedarf an Unterstützung im Alltag steigt, während familiäre Netzwerke kleiner werden. Gleichzeitig gebe es viele Menschen, die sich engagieren möchten, aber nicht wissen, wie oder wo.

„Wichtiger Schritt“

Sie lobte die Initiative in Villingen-Schwenningen ausdrücklich als wichtigen Schritt, um ein gemeinsames, stadtweites Angebot aufzubauen. „Der Landkreis werde weiterhin beratend und unterstützend zur Seite stehen – insbesondere beim Aufbau neuer Strukturen, bei Schulungen und bei der Vernetzung bestehender Angebote“, sagte sie ausblickend.

Beispiel Pfaffenweiler

Ein lebendiges Praxisbeispiel lieferte Martin Straßacker von der Nachbarschaftshilfe „Vergiss‑mein‑nicht“ aus Pfaffenweiler. Er berichtete anschaulich von den positiven Erfahrungen seiner Gruppe und zeigte, wie gut Nachbarschaftshilfe im Alltag funktionieren kann.

Wie geht es weiter?

Nun beginnt für Villingen-Schwenningen die nächste Phase. Ein Interessiertentreffen für die geplante Nachbarschaftshilfe findet am Donnerstag, 26. Februar, 18 Uhr, im Jugend- und Kulturzentrum Klosterhof, Klosterhof 3, statt. Um Anmeldung wird gebeten per E-Mail ehrenamt@villingen-schwenningen.de.

Helferschulungen sind voraussichtlich ab Ende März bis Ende Juni geplant, einmal wöchentlich abends sowie an zwei Samstagen. Ab März ist außerdem ein Vorbereitungstreffen mit dem Gründungsteam vorgesehen.

Die Vereinsgründung soll im Juni oder Juli erfolgen, so dass im Herbst nach den Sommerferien mit der Vereinsarbeit begonnen werden kann. Ansprechpersonen im JuBis sind Cosima Tischler von der Fachstelle Ehrenamt, Simon Höge, Beauftragter für Menschen mit Behinderung, sowie Carolin Zimmermann von der Fachstelle Leben im Alter. Sie begleiten den Aufbauprozess und stehen für Fragen zur Verfügung.