Wer Bedenken hat, das Haus zu verlassen, kann sich Einkäufe an die Haustüre bringen lassen. (Symbolfoto) Foto: dpa/Klose

Überall im Stadtgebiet stehen Helfer bereit – werden aber kaum in Anspruch genommen.

Wer das Haus nicht verlassen kann oder möchte, kann in Wildberg nach wie vor die Einkaufshilfe in Anspruch nehmen. Bisher haben das sehr wenige getan, doch die gesamte Struktur steht noch, die willigen Helfer sind vorhanden.

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Wildberg - Während des ersten Lockdowns haben viele Menschen aus dem Wildberger Stadtgebiet schnell reagiert: Sie wollten jenen helfen, die das Haus nicht verlassen konnten oder wollten. In kürzester Zeit entstand eine Einkaufshilfe mit Ansprechpartnern und Helfern in jedem Teilort. Die Webseite unter einkaufshilfe-wildberg.jimdosite.com ist nach wie vor online, die Chat-Gruppen sind noch vorhanden, die Helfer stehen in den Startlöchern. Noch immer können Wildberger das kostenlose Angebot der Einkaufshilfe in Anspruch nehmen: Einfach bei einem der Ansprechpartner melden, dann wird ein Einkäufer vermittelt, mit dem alles persönlich und unkompliziert abgesprochen werden kann. Dieser geht dann in den Supermarkt und bringt die Einkäufe kontaktlos vorbei.

Angebot wird kaum genutzt

Genutzt wurde dieses Angebot bisher allerdings kaum. In Wildberg sei es zu Beginn eine Handvoll Anfragen gewesen, erinnert sich Patrick Beier, Ansprechpartner für Wildberg. Anfang des Sommers seien noch ein paar dazu gekommen, einen großen Ansturm habe es aber nicht gegeben. Damit hat Patrick Beier aber auch gar nicht gerechnet. Vieles sei dann direkt über die Helfer gelaufen. Während des zweiten Lockdowns seien keine neuen Anfragen dazu gekommen. Viele hätten Bekannte oder Verwandte, die sie um Hilfe bitten können, vermutet Beier. Zudem sei es wohl etwas normaler geworden, mit dem Virus zu leben. Auch seien ausreichend Masken verfügbar.

In Effringen sei "eine Handvoll Dauerkontakte" entstanden, erzählt Pfarrerin Lisbeth Sinner. Punktuell habe sie in den letzten Wochen auch Paare vermittelt. Den geringen Bedarf erklärt sie sich durch viele "gewachsene Kontakte" in den "dörflichen Strukturen". Vieles laufe im direkten Kontakt, erklärt Sinner: "Auch die Nachbarschaftshilfe und die Diakonie helfen immer wieder ganz praktisch, wo nötig."

In Gültlingen sieht es ähnlich aus: Marcus Pflieger beschreibt die Nachfrage als "sehr überschaubar". Ein paar einzelne hätten sich mit gewisser Regelmäßigkeit gemeldet, seien nach dem ersten Lockdown aber wieder selbst einkaufen gegangen. Im zweiten Lockdown gibt es in Gültlingen nur noch einen treuen Nutzer. Die meisten hätten Angehörige oder gingen selbst ihre Besorgungen machen, schätzt auch Pflieger. Dafür ging eine etwas besondere Anfrage in Gültlingen ein: ein Auto zum Flughafen fahren. Auch dafür konnten die Engagierten jemanden finden.

Keine Anfragen aus Sulz am Eck und Schönbronn

Gar keine Anfragen gab es in Sulz am Eck und Schönbronn. Der ganze Apparat existiere noch, doch niemand nutze ihn, berichtet René Hepp, Ansprechpartner für Sulz am Eck. So mancher gehe wohl lieber selbst einkaufen. "Schönbronn ist ein sehr familiäres Dorf, in dem viele Menschen schon seit mehreren Generationen leben", beobachtet Johannes Schmidt. "Ich denke, dass viele der Älteren vorrangig ihre Angehörigen mit dem Einkaufen beauftragen." Der Rest versorge sich weiterhin selbstständig.

Schmidt kann sich mehrere Gründe hierfür vorstellen: Mobilität und Unabhängigkeit, soziale Kontakte sowie Abwechslung im Alltag. "Ich bin der Meinung, dass sich viele Menschen schon während des ersten Lockdowns nicht über den Ernst der Lage bewusst waren und auch weiterhin die Gefahren verschiedener Kontakte nicht erkennen", kritisiert er. "Der Verzicht auf die genannten Punkte ist groß, die subjektive Ansteckungsgefahr im ländlichen Bereich bei Versorgungsfahrten gering." Dabei findet Schmidt: "Bei konstant hohen Fall- und Todeszahlen wäre ein Überdenken des Angebots, gerade bei Älteren und Risikogruppen, sinnvoll."

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